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Fernsehen TV-Rückschau

aus DER SPIEGEL 22/2008

Eschede

23. Mai, Vox, und Freitag, 21.45 Uhr, ARD

Es gibt Momente, da zeigt das Medium Fernsehen seine ganze Stärke. Vergangenen Freitag enthüllte SPIEGEL TV in einer »bemerkenswerten Dokumentation« ("Welt"), dass der Unglückswaggon mit dem gerissenen Radreifen, der die Katastrophe von Eschede auslöste, bis 2007 auf einem Ausbildungsgelände des Technischen Hilfswerks in Niedersachsen stand. In dieser Woche ist in der ARD der eindrucksvolle Film »Eschede Zug 884« von Raymond Ley über das ICE-Unglück von 1998 zu sehen, der sich vor allem den 101 Opfern und deren Angehörigen widmet. Es sind erschütternde Geschichten, die wie nebenbei den Schrecken offenbaren. Die Erzählung eines Retters etwa, der eine verstümmelte Kinderleiche aus Schrecken wieder eingrub; das grausige Schweigen gleich nach dem Crash; das unerträgliche Warten der Angehörigen auf Gewissheit; der weinende Beerdigungsunternehmer, der einen Vater flehentlich bittet, nicht in die Särge seiner Angehörigen zu blicken. Wie in der SPIEGEL-TV-Dokumentation kommt auch in diesem Film das Befremden über die Bahn zum Ausdruck. Angehörige fühlen sich verletzt, der Zuschauer versteht das.

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