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Fernsehen TV-Vorschau

aus DER SPIEGEL 8/2009

Schade um das schöne Geld

Montag, 20.15 Uhr, ZDF

Das Programmheft hat es geahnt: Mit dem Titel der Lars-Becker-Komödie werde man Kritikern eine Schlusspointe liefern, heißt es da. Leider kommt es tatsächlich so. Dieses hochbesetzte Friesenstück (Uwe Ochsenknecht, Cosma Shiva Hagen, Heike Makatsch, Ingo Naujocks, Christian Ulmen) ist der typische Fall einer vergeudeten Gelegenheit. Er lehrt: Komik entsteht nicht, wenn einer auf die Lustigtube drückt, wenn man wahllos immer neue Figuren einführt, sie schnell fallen lässt und harte Arbeit am Buch verweigert. Es geht um einen Lottogewinn, um dörfliche Enge, um Trottel, Träumer und Trickser. Nur zum Lachen ist das aufgesetzte Treiben nie.

Alles außer Liebe

Montag, 0.20 Uhr, ZDF

Dieser großartige Film (Dänemark, 2007, Regie: Daniel Espinosa) ist leicht zu unterschätzen. Man denkt bei den ersten Szenen an ein typisches Außenseiterstück. Wie der in einem Multikulti-Viertel Kopenhagens lebende Witwer und Taugenichts Shmuli (David Dencik) davon träumt, mit seinem Sohn nach New York auszuwandern, lässt ein unverbindliches Roadmovie erwarten. Doch die Geschichte entwickelt sich zu einem packenden Drama über Fremdenhass und jüdische Identität. Shmuli ist genervt, weil seine Eltern sich auf Holocaust und Auschwitz fixiert haben. Er lernt dann aber in der Liebe zu einer Muslimin (Louise Hart) und durch den Tod seines Vaters die verschlungenen Wurzeln seiner Identität kennen. Die Reise mit seinem Sohn und seiner Geliebten führt nicht eskapistisch nach New York, sondern nach Auschwitz. Wie bescheidenes und konzentriertes Kino in der Mimik der Schauspieler seelisch entscheidende Entwicklungen zeigen kann, ist hier unvergesslich zu besichtigen.

Für meine Kinder tu ich alles

Dienstag, 20.15 Uhr, Sat.1

Nach dem Selbstmord ihres Mannes stürzt die wohlhabende junge Mutter Marie (Lisa Martinek) ins materielle Unglück: raus aus der Villa, rein in die Unterschichtsplatte. Hier hätte vielleicht eine sehenswerte Geschichte beginnen können. Aber Rolf Silber (Buch) und vor allem Annette Ernst (Regie) biegen auf Irrwege ab, an deren Rand nur noch die Klischees glitzern. Weil der böse Schwiegervater (Jürgen Schornagel) Maries aus einer anderen Beziehung stammenden schwarzen Sohn nicht mag, versucht der hartherzige Fiesling, die Familie zu spalten. Marie, so macht der Film weis, findet keinen anderen Ausweg als den, den ihre Nachbarinnen eingeschlagen haben: auf den Strich zu gehen. In dem Milieu aus Sex und Glamour lässt sich, glaubt wohl Sat.1, besser nach Zuschauern fischen. Doch das geht zu Lasten der Hauptdarstellerin. Als Hure ist Martinek zu steif, als Mutter unterfordert.

Tatort: Herz aus Eis

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Das Elite-Internat Schloss Hamberg erinnert in diesem Bodensee-Krimi mit Eva Mattes als Kommissarin Klara Blum (Buch: Dorothee Schön, Regie: Ed Herzog) schwer an Salem, bevor dessen ehemaliger Schulleiter Bernhard Bueb dort Disziplin durchsetzte. Kaschmir-Barbies und Karriere-Bubis tauschen Drogen und Pillen, die ihre Köpfe mit Arroganz und Hass vernebeln. Als es eine Schülerleiche gibt, taucht Kripo-Klara samt Assi (Sebastian Bezzel) auf und stellt die durchgeknallten Gestalten auf moralische Füße. Wirklich überragend Nora von Waldstätten als eiskalte Schülerbestie. Da gefriert der Bodensee.

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