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aus DER SPIEGEL 11/2006

Türkisch für Anfänger

Dienstag, 18.50 Uhr, ARD

Ganz was Gutes: eine Vorabendserie voller Witz, Charme und Ernst. Die Psychotherapeutin Doris (Anna Stieblich), mit ihrer gusseisernen alternativen Öko-Moral hoffnungslos hinter dem Zeitgeist, beschließt, mit dem türkischen Kripo-Kommissar Metin (Adnan Maral) zusammenzuziehen. Die Frau hat ihre Liebesentscheidung ohne die Kinder, ihre eigenen und die von Metin, getroffen. Wo Toleranz wachsen soll, gedeihen (zunächst) Ablehnung und Vorurteil. Die Doris-Tochter Lena (großartig: Josefine Preuß) lehnt ihre kopftuchtragende Neuschwester Yagmur (Pegah Ferydoni) ab, weil die Muslimin durch unerbittliches Beten nervt. Neubruder Cem (Elyas M'Barek) geriert sich als Türken-Macho. Autor Bora Dagtekin, 27, versteht sich auf Herz und Ironie. Humorlose Fundamentalisten-Reaktionen sind zu befürchten, aber zu ignorieren.

Göring - Eine Karriere

Dienstag, 20.15 Uhr, ZDF

Kodakbunt, wohlbeleibt, geradezu lachhaft verkleidet als »Reichsjägermeister« und »Reichsmarschall«, gleitet Obernazi Hermann Göring in diesem dreiteiligen Porträt von Jörg Müllner durchs Bild. Der Autor hat bisher unbekannte 16-mm-Filme aus den Jahren 1935 bis 1938 aufgetan, den hochdramatischen Kommentarton der Guido-Knopp-Werkstatt aber leider nicht immer vermieden.

Heiratsschwindlerin mit Liebeskummer

Dienstag, 20.15 Uhr, Sat.1

Man kennt die Darstellerin Ann-Kathrin Kramer als melancholisch-verschlossene Kommissarin. In dieser Geschichte von der gutherzigen Heiratsschwindlerin, die Kramer mit Erwin Keusch geschrieben hat (Regie: Mark Schlichter), präsentiert sich die Blondine ungewohnt expressiv und tut des Guten fast zu viel.

Der Mann im Strom

Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD

Man muss schon sehr genau hingucken, um zu erkennen, dass die Vorlage zu dieser Geschichte Jahrzehnte alt ist. Der Schriftsteller Siegfried Lenz schrieb 1957 den Roman vom alleinerziehenden Hafentaucher Hinrichs (Jan Fedder), der seine Papiere fälscht, sich jünger macht, um eine Anstellung zu finden. Regisseur Lothar Kurzawa hat den Stoff geschickt modernisiert. Fedder und Peter Kurth, der den Kumpel Kuddel spielt, zeichnen sich durch wortkarge, aber glaubhafte Präsenz aus. Nur wenn das Arbeitermilieu geschildert wird, merkt man dem Stoff sein Alter an.

Im Bordell geboren

Sonntag, 21.15 Uhr, 3sat

Im Rotlichtviertel von Kalkutta, wo Kinder Geld eintreiben, Zuhälter ihre Prostituierten zur Strafe anzünden und Kleinkinder angekettet sind, dachte kaum jemand ans Knipsen - bis die New Yorker Fotografin Zana Briski kam. Sie drückte den Kindern des Viertels Kleinbildkameras in die Hand, damit diese ihren Alltag selbst dokumentieren konnten. Tiefbewegend und elegant wie eine gute Fotoreportage erzählt der Dokumentarfilm von Briski und Ross Kauffman die Geschichte eines Erfolgs: Die ausdrucksstarken Fotos der 10- bis 14-Jährigen werden bei Sotheby's versteigert, gelangen in den Kalender von Amnesty International, und der 12-jährige Avijit wird zum Kongress der World Press Photo Foundation nach Amsterdam eingeladen. Der Film über Kalkuttas Armut aus der Perspektive der Kinder erhielt im vergangenen Jahr den Oscar für die beste Dokumentation.

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