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aus DER SPIEGEL 41/2003

Liebe Schwester

Montag, 20.15 Uhr, ZDF

»Dir würde es nicht passieren, eine Brust zu verlieren, du hältst sie besser unter Verschluss.« Verzweifelt und angriffslustig zugleich reagiert die flippige und krebskranke Judith (Anja Kling) auf die Zuwendung der erfolgreichen großen Schwester (Maja Maranow). Hannah Hollinger (Buch) und Matti Geschonneck (Regie) erzählen ohne Sentimentalität vom Sterben einer jungen Frau und vom Tod, der lehrt, was wichtig im Leben ist und was nicht. Lange Einstellungen, ein ruhiger Schnitt und gravitätisch-kühle Bilder verleihen dem Film einen ungewöhnlichen Ernst. Kling und Maranow sah man wohl noch nie so konzentriert und überzeugend.

Unsere Mutter ist halt anders

Dienstag, 20.15 Uhr, Sat.1

Martina Gedeck als blonde Sexnudel - das könnte so schief gehen. Tut es aber nicht. Ein bisschen meschugge ist die Mutter, die die Schauspielerin darstellt, zwar schon, denn die schöne Friseurin hält es aus Angst vor Bindung an einen Mann in einer Stadt nie lange aus. Aber zum Glück hat sie zwei vernünftige Töchter (Anja Sommavilla, Sidonie von Krosigk), die dafür sorgen, dass das Leben der Mutter nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Was den Film (Buch: Maria Graf, Regie: Franziska Buch) vor allen Abstürzen rettet und liebenswert macht, ist die Ensembleleistung: Die Töchter können sich darstellerisch genauso herzerfrischend entfalten wie die scharfe Mutter.

Die Geisel

Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD

Nach einem wahren Skandal, der sich 1996 in Niedersachsen zugetragen hat: Die liberale Leiterin eines Männerknastes verhindert, dass bei einer Geiselnahme Blut fließt, wird aber vom Geiselnehmer (Oliver Stokowski) vergewaltigt. Statt der Frau für ihren mutigen Einsatz zu danken, inszenieren die Vertreter einer harten Hand gegen Häftlinge eine politische Intrige, der die Leiterin beinahe zum Opfer fällt. Das Drehbuch wider männliche Niedertracht schrieben Uta König und Regisseur Christian Görlitz, Suzanne von Borsody haucht der Hauptfigur kämpferisches Leben ein.

Last Minute Jamaika

Mittwoch, 22.25 Uhr, 3sat

Da haben zwei Praktikantinnen aus der Münchner Medienszene einen Billigflug nach Jamaika ergattert, wo sie gemeinsamen Liebeskummer auszukurieren hoffen, und zumindest die eine schreibt im Hotel-Anmeldeformular als Beruf entschlossen »Sextouristin«. Doch nach ersten Erfahrungen mit Ungeziefer und Nepp in ihrer Null-Sterne-Bleibe, wo sich kein Rastalockentyp blicken lässt, fragt sie sich: »Warum macht niemand einen Film über zwei 24-Jährige und wie blöd die sind?« Hier ist der Film, und er bekennt sich gut gelaunt zu seiner Banalität. Der ewige Schwabing-Filmer Klaus Lemke, nun auch schon 62, sorgt als Autor und Regisseur dafür, dass in der Optik die Schlichtheit eines Urlaubsvideos und im Dialog die lockere Improvisation ihren Take-iteasy-Charme erhalten bleiben: Bloß keine Aufregung, bloß nichts, was wie Kunst aussieht.

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