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TV-Vorschau

aus DER SPIEGEL 52/2002

Friedrich Freiherr von der Trenck

Mittwoch, 20.40 Uhr, Arte

1726 in Königsberg geboren und 1794 in Paris geköpft, führte der Edelmann von der Trenck als Frauenheld, Offizier, Ausbrecherkönig sowie als Günstling und später Verfolgter des großen Friedrich von Preußen ein wildes Leben. Seine Autobiografie behauptet, er habe mit der Lieblingsschwester des alten Fritz, Anna Amalia von Preußen (1723 bis 1787), ein Liebesverhältnis gehabt. So etwas lässt sich das Fernsehen nicht zweimal sagen und nimmt die Trenckschen Behauptungen für glitzernde Münze. Gernot Roll, der große Kameramann ("Der Laden"), hat die Trenck-Story als Abenteuer- und Liebesdrama mit allem Schmackes inszeniert, der das Mantel-Degen-Genre leuchten lässt: Gärten im Mondlicht, Liebe im Kerzenschein, Kerker in Düsternis, Schlachten unter Pulverdämpfen - sieben Millionen Euro durfte die Bavaria Film in den glänzenden Bilderbogen stecken. Es hat sich gelohnt: Ben Becker ist ein draufgängerischer Trenck, der vom Dreispitz bis zur Stiefelspitze unter Strom steht, sein Widerpart Friedrich (August Zirner) bebt desgleichen vor innerer Spannung, nur weiß er sie besser zu verbergen. Dass sich eine Frau in diese homophil grundierte Beziehung spielen kann, ist das Verdienst von Alexandra Maria Lara als Friedrichs Schwester, die Schönheit mit Wachheit verbindet. Gewiss ist dieser in einem Zug gesendete Zweiteiler, der die Trenck-Verfilmung von 1973 im ZDF vergessen lässt, kein Drama von Kleistschem Tiefsinn oder fundierte Analyse preußischer Geschichte, aber süffiges Fernsehen unterm Tannenbaum.

Östlich der Sonne - Vom Baikalsee nach Alaska

Mittwoch, 22.15 Uhr, ARD

Gleich mehrere Schichten seiner berühmten Pullover übereinander dürfte der ehemalige »Monitor«-Moderator Klaus Bednarz bei seiner Expedition zu Väterchen Frost getragen haben. Bednarz, 60, ist so lange Richtung Osten gereist - von Irkutsk am Baikalsee zur Mündung der Lena in Nordsibirien, weiter zur Beringstraße -, bis er im Westen ankam: in Sitka im US-Bundesstaat Alaska. Unterwegs hat Bednarz in bester Gerd-Ruge-Manier fast alle Menschen interviewt, die in dieser einsamen Gegend leben: Nomaden, Fischer, Umweltschützer. 10 000 Kilometer Reiseroute kamen dabei zusammen und Material genug für eine angenehm unaufgeregte Reportage in drei Etappen (2. und 3. Teil: Freitag und Sonntag, jeweils 21.45 Uhr).

Stars in der Manege

Donnerstag, 20.15 Uhr, ARD

»Stress, Untergewicht, Kollaps!«, schlussfolgerte gewohnt besorgt die »Bild«-Zeitung, nachdem die Schauspielerin Esther Schweins Anfang Dezember bei der Aufzeichnung der TV-Gala »Stars in der Manege« aus den Pantinen gekippt war. Vielleicht ist der zarten Frau Schweins aber auch die berühmte Zirkusluft nicht bekommen - schließlich erfordert der Geruch von Sägemehl, Schweiß und Raubtierpisse rustikale Nehmerqualitäten. Darüber verfügt offenbar der Barde Peter Maffay: Er hat für »Stars in der Manege« eine Rotte Schweine trainiert.

Julius Caesar

Freitag und Samstag, 20.15 Uhr, ARD

Fast 50 Jahre nachdem Regie-Legende Joseph L. Mankiewicz Shakespeares Römer-Drama mit Hollywoods damaliger A-Liga (Marlon Brando, John Gielgud, James Mason) verfilmt hatte, versucht sich jetzt der deutsche Regisseur Uli Edel ("Der kleine Vampir") an einer neuen Version des Heldenepos. 25 Millionen Euro durfte er für seinen Zweiteiler ausgeben - für ein auf Malta aus Pappmaché erbautes antikes Rom, für US-Stars wie Christopher Walken, Chris Noth und Jeremy Sisto, für tausend Statisten sowie eine mehrere Kilo schwere Perücke, die den deutschen Schauspieler Heino Ferch in den Gallier-Chef Vercingetorix verwandelte.

Die fünfte Frau

Sonntag, 29. Dezember, 21.50 Uhr, ZDF

Wenn ein Kommissar im Regen steht und fröhlich Dean Martins »That's Amore« singt, dürfte Freund Hein bald wieder seine Sense schwingen - diese Krimiregel gilt auch im TV-Zweiteiler »Die fünfte Frau«. Wie in Henning Mankells gleichnamigem Bestseller, mit dem 1999 der Erfolg von Kommissar Kurt Wallander auch in Deutschland begann, muss der Ermittler aus Südschweden eine ebenso rätselhafte wie unappetitliche Mordserie aufklären; das Singen vergeht ihm dabei schnell. Regisseur Birger Larsen, auch Co-Autor des Drehbuchs, übersetzt Mankells düstere Geschichte in expressive, grobkörnige Bilder; er arbeitet mit extremen Ausschnittsvergrößerungen, bedrohlichen Schwarzweißmontagen und widersetzt sich auch sonst kunstvoll gängigen Sehgewohnheiten. Nur Wallander-Darsteller Rolf Lassgård kann den Vergleich mit der Phantasie-Figur nicht gewinnen, die Mankell-Leser in ihren Köpfen haben (zweiter Teil: 30. Dezember).

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