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UdSSR: Aerobic auf sozialistisch

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aus DER SPIEGEL 34/1984

Eine pseudosportliche Modewelle von vorgestern hat nunmehr die Sowjet-Union erreicht: Die Russen begeistern sich für Aerobic, jene schweißtreibenden Hüftübungen zu den Rhythmen stampfender Popmusik. In Moskau stellen sich Interessenten sogar nachts an, um sich für einen der staatlich organisierten Gymnastik-Kurse einschreiben zu lassen, und im sowjetischen Fernsehen werden Tips und Lektionen für Anfänger erteilt. Das Gehopse der TV-Vorturner entspricht exakt den Vorbildern aus dem Westen, während die jeweilige Begleitmusik einheimischen Hitparaden entnommen ist. Nach einer Reihe von Infarkt-Fällen warnen allerdings Mediziner auch vor möglichen gesundheitlichen Schäden. Rund jeder zweite von insgesamt 200 Teilnehmern an einer Moskauer Hüpf-Truppe, so ergab eine Untersuchung, war den Anstrengungen nicht gewachsen. Die Aerobic-Freude der Russen wird zudem durch einen Mangel an (bei westlichen Aerobicern obligaten) modisch chicen Stirnbändern und Legwarmers gebremst. Frühestens in zwei Jahren, so der sowjetische Plan, sollen die ersten Wadenwärmer zu kaufen sein.

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