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Übernahmeversuch aus Bayern

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aus DER SPIEGEL 37/1987

Einen bissigen Briefwechsel liefern sich seit Monaten Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß und der Bonner Wirtschaftsminister Martin Bangemann. Die beiden streiten um den Verkauf des bundeseigenen Maschinenbaukonzerns Diag an den Münchner Luft- und Raumfahrt-Konzern MBB.

Die Diag würde nach Ansicht der Bayern gut zum Bundeswehr-Lieferanten MBB passen, da zu dem Unternehmen auch die Geisenheimer Waffenfabrik Fritz Werner Industrie-Ausrüstungen GmbH gehört. Seit 1984 bemühen sich die Bayern und MBB-Chef Hanns Arnt Vogels um das Bundesunternehmen, erfolglos. Bangemann erschien der gebotene Kaufpreis zu niedrig. Für die Sanierung der Diag hat Bonn zuletzt eine halbe Milliarde Mark ausgegeben. Davon wollen die Bonner jetzt einiges wiedersehen.

Im März wurde es Strauß zuviel. Brieflich warf er Bangemann vor, »daß es an der echten Bereitschaft ihres Hauses mangelt, sich von der Diag zu trennen«. Der Wirtschaftsminister wehrte sich, Strauß bringe für »die Belange des gegenwärtigen Eigentümers der Diag ... wenig Verständnis« auf. Ein Verkauf der Diag in der gegenwärtigen Situation »wäre für den Eigentümer vermögensmäßig nachteilig«. Weil die Diag schon bald schöne Erträge abwerfen könne, sei es, heißt es in Bangemanns Brief vom 18. August 1987, »politisch und haushaltsmäßig nicht vertretbar, daß Regelungen mit MBB oder anderen Interessenten getroffen werden, durch die dem derzeitigen Eigentümer die Erlöse aus den genannten Gewinnpotentialen nur teilweise zufließen«. Im übrigen sei MBB »in den zurückliegenden Gesprächen nicht bereit« gewesen, »für die Übernahme der Diag ein unternehmerisches Konzept vorzulegen«.

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