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Briefe

Um des Mammons willen
aus DER SPIEGEL 50/1999

Um des Mammons willen

Nr. 48/1999, Titel: Schlaflos - Die Qual der wachen Nächte

Möge der wachrüttelnde Beitrag jenen die Augen öffnen, die selbige schon lange nicht mehr zubekommen.

FLENSBURG LUKAS J. KUZAK

Sich mästen am fetten Kassentopf? Während Wissenschaftsredaktionen 100 Milliarden Mark Schaden in der deutschen Wirtschaft pro Jahr durch Angst melden, werden die Angstbehandler scharenweise in den Ruin getrieben - in einer konzertierten Ignoranzaktion von Kassen, Regierung und Kassenärztlichen Vereinigungen.

OTTERNDORF (NIEDERS.) DR. L. WITTMANN

Ob der schnöde Mammon es denn wert ist, durch Schichtdienst früh ins Gras zu beißen oder körperlich und seelisch krank zu werden, mag dahingestellt sein. Es gibt jedoch Berufe, in denen es ohne Nachtdienste nicht geht. Zum Beispiel in der Pflege und Versorgung kranker oder verletzter Menschen. Oder möchte jemand auf der Intensivstation nach 20 Uhr nur noch der Obhut von Geräten ausgeliefert sein? Wohl kaum.

HANNOVER JÜRGEN CIESLAK

Seit 1. 1. 1999, mit dem Inkrafttreten des Psychotherapiegesetzes werden entsprechend weitergebildete und zugelassene Psychologen, wie wir Ärzte, über die Kassenärztlichen Vereinigungen mit einem zwar errechneten, aber für uns unberechenbaren und unzumutbaren »Punktwert« abgegolten, meist im Bereich zwischen 40 und 60 Prozent der theoretischen 145 Mark.

DEGGENDORF (BAYERN) XAVER SEIDERER

FACHARZT FÜR NEUROLOGIE UND PSYCHIATRIE

Schichtarbeit, Lifestyle und TV - wo bitte bleiben in Ihrem Artikel die notorisch mit Schlafmangel ausgestatteten Eltern kleiner Kinder? Meine »Schlafstörungen« sind 1 1/2 und 3 Jahre alt, und die »Qualen wacher Nächte« kennen mein Mann und ich sehr gut: sie gefährden nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch unsere Jobs und unsere Ehe!

MINTRACHING (BAYERN) SILKE MAURER

Sie schreiben, die elektrische Beleuchtung habe »die dunkle deutsche Nacht zum Tag gemacht«. Das mag für das Sehsystem gelten, nicht aber für das von Ihnen beschriebene Timing System (innere Uhr). Die Netzhautsensoren dieses Systems adaptieren sich nicht an die immensen Helligkeitsunterschiede zwischen gleißendem Mittagslicht und sternklarer Neumondnacht, sondern messen sie. Das elektrische Licht ist häufig eine zivilisatorische Ursache funktioneller Schlafstörungen, kann aber auch der Schlüssel zur Therapie solcher Störungen sein. Nachtarbeiter können durch computergesteuerte Lichtprogramme mit taghellem Licht zur rechten Stunde an ihren veränderten Wach-Schlaf-Rhythmus besser angepasst werden, so dass sie während der Nachtschicht nicht mit dem Schlaf kämpfen müssen und am Tage länger und erholsamer schlafen.

ESSLINGEN PROF. DR. W. EHRENSTEIN

Leider steht es in den meisten Fällen nicht in der Macht des betroffenen Menschen, sein Recht auf Ruhe und Erholung zu finden, wenn - um des Mammons willen - des Nachts die Flugzeuge über die Dächer hinwegdonnern und man sich durch nichts, aber auch gar nichts davor schützen kann. Dann besteht man nur noch aus Herzrasen, dem wütenden Gefühl der Ohnmacht und der Gewissheit, dass einem durch diesen unsäglichen Lärm die Kraft für den kommenden Tag genommen wird.

NEUNKIRCHEN-SEELSCHEID (NRDRH.-WESTF.)

HANNELORE BUSZELLO

Nach wissenschaftlichen Berichten kann man davon ausgehen, dass in den Industrienationen ungefähr 40 Prozent der Frauen und 60 Prozent der Männer über 60 Jahre schnarchen, was bei einer Hochrechnung 37 Prozent der Gesamtbevölkerung ergibt - in Deutschland also rund 30 Millionen. Jeder Dritte schnarcht. Davon sind ungefähr zehn Prozent ernsthaft gefährdet, und lediglich ein Teil der Patienten findet - oft nur mit unserer Hilfe - einen »Schlafmediziner«, der (elektronisch) diagnostizieren »darf« und eine erfolgreiche Therapie veranlassen kann. Es gibt leider immer noch keinen eigenen Fachbereich für das umfassende Gebiet »Schlafmedizin«, und manche Patienten werden deshalb fachübergreifend medizinisch auch nicht immer ausreichend betreut.

SINDELFINGEN RUDOLF TAUGERBECK

Viele Infarkte und Schlaganfälle ließen sich vermeiden, wenn man Schnarchen nicht nur als lustig, sondern als Alarmsignal des Körpers betrachten würde.

BAD OLDESLOE MANFRED MISCHOK

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