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Briefe

UMSATZSCHÄDIGEND
aus DER SPIEGEL 44/1970

UMSATZSCHÄDIGEND

(Nr. 43/1970, Günter Gaus; Harzburger Front in Bonn)

Ihre Kolumne »Harzburger Front...« war nicht nur fällig, sondern überfällig? Jeder Satz löste bei mir ein Bravo! aus, als ich las. Am liebsten hätte Ich die Leute auf der Straße angehalten, um ihnen das vorzulesen; natürlich auch aus. einem primären persönlichen Motiv heraus: seit der denkwürdigen Parlamentsdebatte verschone ich meine Umgebung nicht mehr mit Auslassungen, die fast als Zitate aus Ihrem Beitrag gelten könnten. Nur -- bei mir kommt noch soviel anderes vor: Freundeskreis der deutschen Wirtschaft um Himmler, bei mir kommt vor: Globke, Vialon, Oberländer et cetera, dann die ganzen guten Kontakte eines Ober-Patentdemokraten aus der jüngsten Geschichte mit Rüstungskonzernen. Bei jedem dieser Beispiele frage Ich dann nach einem Gegenbeispiel bei der SPD rum: Schweigen.

Bremen WERNER SlEBOLD

Ist der ausgezeichnete, für den SPIEGEL der letzten Monate unüblich reflektierte Kommentar von Günter Gaus nur ein »Ausrutscher« wie die Bemerkung von Herrn Möller Im Bundestag? Schaut man sich einige »Geschichten« der letzten Nummern an, möchte man"s vermuten. Notwendige Frage: Würde der Bewußtseinsstand der Mehrheit der Redakteure des Blatts nach erfolgter Einführung von »Mitbestimmung« beziehungsweise -beteiligung derartige -- sicherlich »umsatzschädigende« -- Kommentare auch weiterhin ermöglichen?

Hamburg JOHANNES EULER

Spontan soll man auch etwas Gutes schreiben: Sie haben einen wahren und guten Artikel geschrieben.

Gräfelfing (Bayern) HANS DIETER MULLER*

Meine Gratulation zu Ihrem Kommentar. Ich bin erfreut über Ihre Feststel-

* Autor des Buches: »Der Springer-Konzern«.

lung: »Dies ist eine Klassengesellschaft. Außer dem Bewußtsein davon fehlt ihr keines der einschlägigen Kriterien.« Ich kann nur hoffen und wünschen, daß dieses Bewußtsein nicht auf Sie allein beschränkt bleiben möge »und daß Sie und wenigstens einige sozialdemokratische Politiker daraus die notwendigen Konsequenzen ziehen werden. Sie haben recht, all das hätte man bereits aus der Geschichte der Weimarer Republik lernen können. Aber ich bin schon dankbar, wenn nach der Periode der Anpassung, an die Sie erinnern, auf Grund der Jüngsten Erfahrungen einige Sozialdemokraten zu dieser Erkenntnis zurückkehren. Ich darf Sie daran erinnern, daß 1961 In der Anpassungsperiode der SPD der SDS, der damals keine anderen

politischen Ansichten vertrat als Sie heute, aus der Partei ausgeschlossen wurde; und Ich aus eben denselben Gründen. Bei den Christen ist im Himmel mehr Freude über einen Sünder, der Buße tut, denn über neunundneunzig Gerechte (Lukas 15, 7). Ich als Marxist halte es mit Menschen, die zu einer klaren Erkenntnis kommen, nicht anders. Marburg

Professor WOLFGANG ABENDROTH

Institut für wissenschaftliche Politik der Philipps-Universität

* Professor für Politische Wissenschaft, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Sozialistischen Bundes, der 1963 nach seinem Ausschluß aus der SPD von ihm und ähnlich denkenden Sozialdemokraten gegründet wurde. Schriften: »Zwiespältiges Verfassungsrecht in Deutschland« (1950), »Deutsche Gewerkschaften« (1955), »Antagonistische Gesellschaft und politische Demokratie« (1967).

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