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Briefe

Unangenehme Erinnerungen
aus DER SPIEGEL 31/1994

Unangenehme Erinnerungen

(Nr. 28/1994, Polemik: Hellmuth Karasek über Reich-Ranicki und Biermann; Nr. 29/1994, Briefe)

Karasek hat mir aus der Seele gesprochen. Biermann und anderen Pächtern der Moral, die wissen, wie ein junger Mann nach einem kaum zu begreifenden Leben sich vor fast 50 Jahren in einer extremen Zeit hätte verhalten sollen, bleibt nur Scham und die Bitte um Entschuldigung - hoffentlich. *UNTERSCHRIFT: Schmelz (Saarland) DR. GERD THOMSEN

Wenn Wolf Biermann für einen Freund und Förderer in die Bresche springt, so ehrt ihn das, um so mehr, als andere abgewartet haben. Daß er jetzt manches zurücknehmen mußte und wollte, ist kein Grund, ihn zu verhöhnen. *UNTERSCHRIFT: Weilheim (Bayern) FRIEDRICH DENK

Endlich hat Biermann mich aufgeklärt, was für ein ganz unmöglicher Mensch Karasek ist: »stumpfer Komparse« und, damit nicht genug, auch noch »SPIEGEL-Redakteur ohne Ressort«. Das letztere ist ja direkt peinlich, hoffentlich hat er wenigstens das Abitur. *UNTERSCHRIFT: Hamburg HANS-EMIL SCHUSTER

Daß das öffentliche Zweifeln an einer als überdenkenswert erkannten Haltung eine seltene Charakterleistung ist, die teuer erkauft werden muß, davon sollte Hellmuth Karasek doch wenigstens schon gelesen haben. *UNTERSCHRIFT: Berlin TRUDE TRUNK

Gratulation. Endlich wurde Biermann, ein Opportunist des Widerstands, in die richtige Ecke gestellt. Peinlich war sein Gesabber schon lange. *UNTERSCHRIFT: Niedenstein (Hessen) JÜRGEN SCHWEINEBRADEN

Nach Reich-Ranickis schleppender und stückchenweiser Vergangenheitsbewältigung seiner eigenen Agententätigkeit ist nebenher wohl auch klargeworden, warum er seit dem Kriege eine ganze Literaturgattung - der Chandler, Highsmith, le Carre -, nämlich den literarischen Kriminal- und Spionageroman, so radikal als Kritiker totgeschwiegen und damit für null und nichtig erklärt hat. Es hätte zu viele unangenehme Erinnerungen in ihm wachgerufen. *UNTERSCHRIFT: Gelsenkirchen PETER SCHMIDT

Möge doch jetzt endlich jemand das Brecht-Zitat - bekannt als Schlußwort des »Literarischen Quartetts« - sprechen: »Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen.« *UNTERSCHRIFT: Unterföhring (Bayern) HUBERT BALCKE

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