Zur Ausgabe
Artikel 17 / 55

AUTOMOBILE / FORD Unbefriedigende Mischung

aus DER SPIEGEL 23/1968

Den neuen Modellen vom Typ 17 M und 20 M bescheinigten professionelle Auto-Tester, mit ihnen ließe es sich »gut geradeaus fahren«. Ihre Herstellerfirma, die Ford-Werke AG in Köln, kriegte mit den neuen Wagen auch nicht die Kurve aus der Talsohle. Ford hat unter der Absatzkrise des Jahres 1967 weit mehr gelitten als die übrigen westdeutschen Autofabriken. Das Volkswagenwerk büßte fast sieben Prozent Umsatz ein, konnte aber seinen Aktionären ohne Anstrengung wiederum die Standard-Dividende von 20 Prozent zahlen. 17 Prozent weniger Autos rollten bei der Adam Opel AG vom Band, aber die schnittigen »Commodore«-Typen holen den Verlust wieder herein.

Nur Ford in Köln blieb auf der Strecke. 1966 noch hatte Deutschlands drittgrößter Autokonzern 487 516 Fahrzeuge gebaut, 1967 dagegen nur 377 749. Noch stärker als die Produktion ging der Gewinn zurück: von 181 Millionen Mark auf 33,6 Millionen.

Um wieder flott zu werden, kleideten die Manager im vergangenen August ihre Typen in neues Blech. Die neuen 17 M und 20 M aber sahen nicht mehr nach Ford aus. Die Branche sprach vom »Opel aus Köln«, und das Stuttgarter Fachblatt »Auto, Motor und Sport« bezeichnete die Kreationen als »lauwarme zweite Aufgüsse der vorherigen Typen« mit einer »unbefriedigenden Mischung verschiedener Stilelemente«.

Die »Linie des Erfolgs«, unter der die neuen Ford-Modelle propagiert wurden, verlief denn auch nach unten: Von 1966 auf 1967 sackte die Produktion des Typs 17 M von 182 949 auf 112 991 und des 20 M von 68 139 auf 43 522 ab.

Fords Verkaufsmanager konnten die schlechten Ergebnisse nicht allein auf das Konto Rezession buchen. Denn während die Fordmobile bei den Händlern stehenblieben, verspürten vor allem die Mittelklasse-Konkurrenten aus dem Ausland von der Krise fast keinen Hauch. Fiat, Renault, Peugeot und Simca erzielten sogar Mehrumsätze zwischen zehn und 47 Prozent.

In den ersten beiden Monaten dieses Jahres, als die Neu-Zulassungen anderer Fahrzeugtypen längst wieder anzogen, konnte Ford noch nicht einmal die ohnehin schon ungünstigen Vorjahresziffern erreichen. Peugeot hingegen meldete 28 Prozent höhere Zulassungen, Simca 29, Renault 36 und Fiat sogar 40 Prozent.

Das Gefühl der Unsicherheit im Kölner Ford-Management verstärkte sich noch, als die amerikanische Muttergesellschaft Mitte vergangenen Jahres eine Ford of Europe-Holding mit Sitz in Warley bei London gründete. Diese Dachgesellschaft dirigiert alle europäischen Ford-Besitzungen; damit war Köln an die kurze Kette geschlossen.

Eine Anzahl erstklassiger Manager verließ die deutsche Ford-Zentrale, weil sie »nicht nur englische Zoll in deutsche Zentimeter« umrechnen wollten. Im Februar 1968 schließlich kündigte auch noch der Verkaufsvorstand Toni Schmücker, 47, der Ende dieses Jahres Nachfolger des Generaldirektors Max Ueber, 64, werden sollte. Schmücker, der bei Ford vom Lehrling zum Boß aufgestiegen war, siedelte in den Vorstand des -- ebenfalls angeschlagenen -- Rheinstahl-Konzerns nach Essen über.

Als die Spitzenkräfte wegliefen und in diesem Frühjahr immer noch 40 000 unverkaufte Ford-Autos auf Halden standen, reiste schließlich im März Henry Ford II an den Rhein. Er gab Order, das Unternehmen müsse so schnell wie möglich wieder Tritt fassen.

In aller Eile genehmigte Henry Ford 80 Millionen Mark für »produktbezogene Investitionen«. Zuzüglich wurden einige Neuheiten projektiert:

* In den 17 M soll wahlweise ein Sechszylinder-Motor mit 1,8 Liter Hubraum eingebaut werden, um den Typ schneller und attraktiver zu machen;

* ein 26 M mit einem Hubraum von 2,6 Liter soll das Ford-Programm nach oben abrunden.

Unklar aber ist den Kölner Ford-Spitzen noch, wann sie ihren Wagen neue Kleider anmessen können, die für einen nachhaltigen Markterfolg notwendig sind. Ihrem derzeitigen Typenangebot geben die Kölner Bosse selbst keine großen Marktchancen mehr: Während die Marktforscher 1968 für die gesamte Autobranche einen Produktionszuwachs von 10,7 Prozent voraussagten, bescheidet sich Ford mit sechs Prozent.

Ford-Vorstandsmitglied Dr. Klaus B. Amedick: »Ich wollte, wir wären ein Jahr weiter.«

Mehr lesen über

Zur Ausgabe
Artikel 17 / 55
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.