Zur Ausgabe
Artikel 2 / 34
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

... UND WIR SIND NOCH SO JUNG AUS DEM DREHBUCH »PRIMANERINNEN«

aus DER SPIEGEL 40/1951

E. 278

Ursula, im Tennisdreß hinter einer Bank, auf der Thomas sitzt.

Guten Abend, Thomas,

sagt sie und reicht ihm lächelnd die Hand

Thomas fährt herum:

Usch!

Er faßt sie an der Hand, zieht sie zur Bank, setzt sich neben sie:

Ursula:

Guten Abend, Thomas, Du hast Dich gar nicht geändert, bist immer noch so lustig.

Thomas:

Wo warst Du?

Ursula zieht das Näschen hoch:

Tennisspielen, lieber Thomas, Tennisspielen.

Thomas unwillig:

Usch, sei nicht albern.

E. 279

Ursula:

Aber Albernheit ist das Vorrecht der Jugend, und wir sind doch noch so jung, Thomas, fast zu jung ...

E. 283

Ursula (ohne die anfänglich gespielte Sicherheit):

Ich dachte und hoffte - sei nicht bös', daß ich es hoffte,

Beide ins Bild.

Du würdest alles vergessen können und eines Tages ganz fortbleiben.

E. 284 Groß

Ursula:

Ich wollte allem davonlaufen, Thomas, weil ich weiß, daß es nicht gut sein kann.

E. 285

Thomas:

Das weißt Du nicht, Usch ...

E. 286 Beide

Ursula:

Aber ich habe Angst ...

Thomas:

Angst? - Wir lieben uns doch, Usch ...

Sie sieht nicht auf Thomas:

Weißt Du es ganz sicher?

Thomas:

So sicher, daß ich wußte, daß Du kommen mußtest ...

E. 287 Groß

Sie sieht ihn groß an, nickt, wie um sich zu bestätigen, und sagt:

Ja, ich bin hier ...

E. 227

Ursula legt das Rad ins Gras und geht ans Wasser.

Er reicht ihr die Hand, sie tritt ins Boot, Thomas stößt ab. Die beiden sehen sich an. Ursula:

Bist Du sehr böse?

Da legt Thomas das Ruder bzw. die Stange weg:

Das kommt darauf an

und kommt langsam auf sie zu.

Ursula:

Worauf?

und weil er immer näher kommt:

Was willst Du denn?

E. 228 Nah

Thomas:

Endlich mal einen Kuß.

Er bleibt vor ihr hocken.

E. 229

Ursula:

Was heißt dabei endlich?

E. 230

Thomas:

Weil ich es auf die Dauer langweilig finde, auf Deine verschrobenen bürgerlichen Anschauungen Rücksicht zu nehmen und immer den wohlerzogenen jungen Mann zu spielen.

E. 231

Ursula lacht:

Was, Du spielst und bist gar keiner?

E. 232

Thomas:

Doch, doch, aber Du mißbrauchst mich ja. Du hast eine Art, einen dauernd stumm zurechtzuweisen, daß man nach und nach Minderwertigkeitskomplexe kriegt.

E. 233

Ursula:

Ach, und vor lauter Minderwertigkeitskomplexen kriegst Du schlechte Absichten?

E. 234

Thomas komisch entrüstet:

Was heißt hier schlechte Absichten? Ich will einen Kuß!

E. 235

Ursula:

Eben! Damit fangen die schlechten Absichten an.

Sie weicht noch ein Stück bis ans äußerste Ende des Boots zurück, als Thomas nach ihr greift.

Ursula:

Geh weg, Du!

Thomas:

Ich denke gar nicht daran.

Er bückt sich zu ihr hinab, bekommt dann aber plötzlich einen heftigen Stoß von ihr:

Denkste!

Thomas taumelt zurück, stolpert dabei über die Bootsbank und kippt über Bord.

Thomas!

schreit Ursula erschrocken auf und beugt sich über den Rand.

E. 236

Thomas ist untergegangen.

Thomas!

ruft Ursula noch einmal, als er plötzlich hinter ihr niest.

- Niesen -

E. 237

Thomas guckt mit dem Kopf über den Bootsrand:

Kriege ich nun einen Kuß oder kriege ich keinen?

E. 238

Ursula kniet vor Thomas nieder, ist etwas ratlos:

Ich kann Dich doch nicht küssen, damit Du Deine Minderwertigkeitskomplexe loswirst?

Thomas schüttelt den Kopf:

Ein besserer Grund fällt Dir wohl nicht ein?

Ursula guckt ihn befangen an, seufzt dann:

Und Du?

Thomas nickt, lächelt:

Ich Dich auch ..., sehr!

Da beugt sie sich zu ihm hinunter und küßt ihn auf den Mund.

E. 239

Thomas erhebt sich lachend. Das Wasser ist bei weitem nicht so tief, wie es den Anschein hatte, es geht ihm nicht einmal bis an die Brust.

E. 240

Ursula schüttelt den Kopf:

Du bist ja doch ein Erpresser!

E. 389

Ursula und Thomas stehen sich gegenüber, Ursula legt ihre Hand auf seinen Arm:

Im Sommer kommst Du für viele Wochen zu uns aufs Gut. Darauf mußt Du Dich freuen, diesen ganzen Winter und Frühling, ja, Thomas?

Thomas nickt.

E. 390

Ursula groß über Thomas:

Aber nicht wahr, Thomas, Du liebst mich nicht nur, wenn Du mich küßt ... wenn ich bei Dir bin ...?

E. 391

Ueber Ursula auf Thomas. Er streicht ihr übers Haar:

Was für dumme Gedanken Du hast. Ich werde Dich immer lieben ...

- Einsteigen bitte -

hört man rufen. Ursula steigt auf das Trittbrett. Thomas hält ihre Hand in beiden Händen. Ursula unter Tränen:

Ich werde immer warten, bis Du kommst ...

E. 392

Ueber Ursula auf Thomas.

Thomas:

Es ist ja nicht mehr lange hin, Usch. Sieben Monate noch, dann ist meine Zeit hier auch um, dann sehen wir uns wieder.

Stimme des Schaffners:

Einsteigen bitte, Türen schließen.

E. 548

Ursula springt vom Pferd. Appache fängt an zu grasen, während sie sich an einen Baumstamm lehnt.

E. 549

Thomas kommt heran, steigt ebenfalls ab und läuft auf sie zu.

E. 550

Nimmt sie leidenschaftlich in die Arme, küßt sie lange:

Usch ...,

stammelt er:

... liebe Usch ..., ich war ein Narr, es ist ja alles nicht wahr, die letzten zwei Jahre, es stimmt ja alles nicht. Ich habe doch immer nur Dich geliebt, auch in Regine, immer nur Dich ..., jetzt weiß ich es ... Ich ...

Ursula unterbricht ihn hart:

Hör auf!

E. 551

Thomas fährt erschrocken zurück.

E. 552

Ursula mit Thomas im Anschnitt. Ursulas Gesicht ist tränenüberströmt.

E. 553

Thomas begreift nicht:

Was ist denn, Usch?

E. 554

Sie spricht mehr zu sich selbst:

Ich schäme mich ... weil ich so dumm war ... ich wollte etwas wahrhaben, was gar nicht existiert ... vielleicht hat es überhaupt nie existiert ...

Sie sieht ihn an:

... bei Dir, Thomas, - Du kommst hierher und tust so, als wäre nie etwas gewesen zwischen uns. Du hältst mir vor, daß ich Deine Welt nicht kenne und hast mich nicht einmal gefragt, ob ich immer hier gelebt habe in den letzten Jahren ...

E. 555

Thomas:

Aber Usch ..., ich habe Dich noch nie vergessen. Ich mußte mich erst zurechtfinden, und da war eben auch Regine, mit der zusammen alles leichter fiel am Anfang.

E. 556

Ursula:

Natürlich, Thomas ..., sie war näher; und jetzt bin ich näher, und gleich soll alles nicht mehr wahr gewesen sein mit Regine. Aber ich glaube Dir nichts mehr, Du hast mich ja erst zur Kenntnis genommen, als ich Dir vorspielte, was Du modern nennst, heute nacht, als ich zu Dir ins Zimmer kam und heute morgen am See.

E. 557

Thomas faßt sie an den Schultern:

Usch, hör auf, sag', daß alles nicht wahr ist, daß Du jetzt mit mir spielst.

Er schüttelt sie. Ursula schiebt ihn von sich:

Warum bist Du nur gekommen ...

E. 558

Und dann geht sie an ihm vorbei und steigt auf Appache.

Thomas steht einen Augenblick unschlüssig, tritt auf Appache zu:

Usch!

Ursula, ohne ihn anzusehen:

Ich möchte wieder allein sein ...

Sie neigt den Kopf ein wenig, als wollte sie ihm Lebewohl sagen, aber sie sagt nichts, sondern gibt dem Pferd die Sporen und jagt davon.

Zur Ausgabe
Artikel 2 / 34
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.