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AFGHANISTAN Unflexible Deutsche

aus DER SPIEGEL 37/2006

Mit einer kurzfristigen Aufstockung der Isaf-Truppe will der Nato-Oberbefehlshaber in Europa, James Jones, auf den überraschend starken Widerstand der sogenannten Neo-Taliban im Süden Afghanistans reagieren. Der US-General wirbt derzeit bei den Verbündeten um weitere »mehrere hundert flexibel einsetzbare Soldaten«. Bisher sind rund 19 000 Nato-geführte Soldaten am Hindukusch stationiert, darunter 2800 Deutsche. Hinter der Forderung nach Flexibilität verbirgt sich eine bei der Nato intern vehement geführte Debatte um nationale Restriktionen von Regierungen, die ihre Soldaten vor unkalkulierbaren Risiken schützen wollen. So dürfen etwa die in der Hauptstadt Kabul und im Norden stationierten deutschen Soldaten nur kurzzeitig für Unterstützungsmaßnahmen außerhalb ihres Gebietes eingesetzt werden. Der Uno-Sondergesandte für Afghanistan, Tom Koenigs, forderte in Berlin, die Deutschen müssten auch bereit sein, in den Süden zu gehen, um zu zeigen, dass die Nato kein Papiertiger sei. Gleichzeitig warnte der Grüne, das Reservoir an sogenannten Aufständischen, die aus Pakistan einsickerten, sei schier »endlos«. Auch Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer wies darauf hin, die Verlegung deutscher Kräfte in den Süden sollte künftig »im Prinzip möglich« sein. Bei Kämpfen zwischen Nato und Taliban in der Paschtunen-Provinz Helmand gibt es derzeit fast täglich Opfer auf beiden Seiten. Briten und Kanadier beklagen seit Beginn der Mission vor gut vier Wochen bereits 35 Tote. Bei einem Selbstmordattentat nahe der US-Botschaft Ende vergangener Woche in Kabul starben mindestens 16 Menschen, 31 wurden verletzt. Zu den Toten zählen auch sieben Ausländer, darunter zwei US-Soldaten.

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