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PROZESSE Unflotter Spaß

BMW-Manager sehen durch einen Aufkleber mit der Aufschrift »Bumms Mal Wieder« ihr Markenzeichen verunglimpft. *
aus DER SPIEGEL 9/1984

Irgendwann« im letzten Herbst war dem Wiesbadener Schnickschnack-Händler Michael Berger aufgegangen, daß dem Emblem von BMW irgend etwas fehlt: »Es wirkte so jungfräulich.« Wenige Tage später brachte Bergers Firma »Harlekin« einen neuen »Ideen-Kleber« in den Handel - im weiß-blauen BMW-Look und mit den Worten »Bumms Mal Wieder«.

Die Aufkleber, Stückpreis drei Mark, fanden Anklang. BMW-Fahrer pappten sie an Heck oder Scheibe. »Ein flotter Spaß«, fand der Harlekin-Chef.

BMW-Chef Eberhard von Kuenheim fand den Spaß nicht so flott, und nachdem ein BMW-Jux-Aufkleber in der Münchner BMW-Vorstandsetage von Hand zu Hand gegangen war, fand das Unternehmen durch den »unzweideutig sexuellen« Gag seine »weltberühmte Marke verunglimpft": Vor dem Wiesbadener Landgericht erhob es Unterlassungs- und Schadensersatzklage gegen Berger. Dem kam das »werbemäßig« gerade recht. Schon vor drei Jahren war Klimbim-Berger bundesweit bekannt geworden, weil die Lufthansa gegen ihn einen Rechtsstreit um einen »Lufthansa«-Aufkleber angezettelt hatte, der zwei Kraniche in eindeutiger Pose zeigt und den die Airline unbedingt als »sittenwidrig« verbieten lassen wollte. Durch den von Berger gewonnenen Prozeß stieg der Harlekin-Umsatz so steil an wie eine Lufthansa-Boeing beim Start.

Das Oberlandesgericht Frankfurt hatte damals entschieden, die scherzhafte Veränderung dieses Firmen-Emblems sei eine »Travestie«, die Hersteller berühmter Marken ebenso hinnehmen müßten wie Prominente eine Karikatur.

Gleichwohl war nun die Verballhornung des BMW-Emblems den Juristen der Autowerke eine 17 Seiten lange Klageschrift wert. Die BMW-Kunden, so die Anwälte, müßten annehmen, daß sich BMW »mit der Erklärung 'Bumms Mal Wieder' identifiziert«. Wenn aber der »unbefangene Betrachter« des Aufklebers annehme, daß BMW »so etwas jetzt nötig« habe, werde sich das »geschäftsschädigend« auswirken.

Überdies, formulierten die Advokaten der Weltfirma, könne die Parole als »Aufforderung an die Autofahrer« verstanden werden, »vorsätzlich Unfälle mit einem Bumms zu provozieren«. Auch dies schädige das Ansehen der berühmten Automarke.

Der 21 Seiten starke »Klageabweisungsantrag« von Harlekin-Anwalt Rolf Dittmar strapazierte im Wiesbadener Landgericht die Lachmuskeln der Juristen. »Bumms Mal Wieder« sei, beteuert Dittmar, durchaus als »ganz normal verkaufsfördernd« zu verstehen, nämlich als Hinweis darauf, daß ein BMW, wie ja auch die Werbeprospekte der Münchner suggerierten, »einen gehörigen Bumms« vertragen könne.

Auch was die »sexuelle Assoziation« betreffe, sei der Harlekin-Spruch, zumindest »hinsichtlich der Qualität der Liegesitze«, sehr wohl eine »verkaufsfördernde Aussage«. Im übrigen sei die angesprochene Tätigkeit ein »allgemein ausgeübter Volkssport«.

Dies aber fanden die Wiesbadener Richter nicht und gaben am Donnerstag letzter Woche BMW recht. Wegen »unzulässiger Namensbestreitung« darf Berger seinen Aufkleber nicht länger verbreiten. Der Klimbim-Händler, der Berufung einlegte, hofft, beim Oberlandesgericht »humorvolle Richter« zu finden.

Nächste Woche schon soll ein neuer BMW-Aufkleber auf dem Markt sein: »Berger Macht Weiter.«

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