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Ungarischer Tag

aus DER SPIEGEL 12/1988

Bereits zum dritten Mal veranstaltet das ZDF einen ungarischen Tag. Diesmal geht es nicht um die Bewältigung der stalinistischen Vergangenheit, sondern um aktuelle wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme des sozialistischen Staates. Um 19.30 Uhr zeigen die Mainzer »Küßchen von Mama« in deutscher Erstaufführung, einen 1986 gedrehten Spielfilm von Janos Rosza. Nach außen, so scheint es, ist das Leben der Familie Kalmar perfekt organisiert. Die vielbeschäftigten Eltern verständigen sich mit den Kindern durch kurze Mitteilungen auf einer Tafel in der Küche mit Aufträgen und Küßchen. Doch in Wahrheit ist die Familie tief gestört: Der Sohn schwänzt die Schule, die Oma stirbt unbeachtet, die Tochter unternimmt einen Selbstmordversuch. Roszas Film ist eine humorvolle und zugleich bittere Anklage gegen die hohe Arbeitsbelastung, mit der die Ungarn auf Kosten der Familie ihren Lebensstandard sichern. Nach zwei Reports über die ungarische Kulturszene (21.10 Uhr. Budapester Spaziergänge, 22.35 Uhr. Budapester Frühlingsfestival) folgt um 23.00 Uhr der bereits in Mannheim preisgekrönte Dokumentarfilm Schönheiten von Andras Der und Laszlo Hartai, beide Jahrgang 1954. Der Film schildert die Vorgänge um die ersten ungarischen Miß-Wahlen im Jahre 1985. Die Managerschule einer Warenhauskette, in der Kaufhausdirektoren gedrillt werden, trieb mit der Miß-Wahl Produktwerbung gemäß kapitalistischen Maßstäben. In den Zwängen der für ungarische Verhältnisse ungewohnten Geschäftsinteressen verfing sich die Miß-Siegerin.

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