Zur Ausgabe
Artikel 118 / 130

Briefe

Ungeniert belogen
aus DER SPIEGEL 32/1996

Ungeniert belogen

(Nr. 30, 31/1996, Serie: Wie Franz Josef Strauß Politik und Geschäft miteinander verquickte)

Wenn Franz Josef Nobody derart gegen Gesetze und Regeln verstoßen hätte wie sein prominenter Vornamensvetter, stünde er vor Gericht. Franz Josef Strauß indes wird geehrt, unter anderem dadurch, daß der Münchner Flughafen seinen Namen trägt. Man darf gespannt sein, ob das so bleibt.

Ratingen DIETER SCHRÖDER

Bisher dachten wir, Strauß hätte den SPIEGEL und Augstein erledigen wollen, um sein politisches Fortkommen zu sichern. Nun müssen wir widerwillig anerkennen, daß er die Aktion gegen den SPIEGEL 1962 (Strauß in Israel 1963: »Ich war gezwungen, gegen den SPIEGEL zu handeln") auch unternommen hat, um außergewöhnliche Einkünfte zu sichern. Im übrigen habe ich in der Zeit vom 26. Juli 1996 den Artikel »Adenauers Griff nach der Atombombe« von Wolfgang Zank gelesen. Für mich waren seine Ausführungen nicht so arg neu, weil ich die 1994 von Augstein besprochene Adenauer-Biographie von Professor Henning Köhler gelesen hatte. Es geht zwar nebenbei auch aus diesem Zeit-Artikel hervor, wie die Regierung Adenauer/Strauß völlig ungeniert den Bundestag über bereits unterschriebene Verträge belogen hat. Klar ist, daß Strauß sich von Adenauer stets willig hat einspannen lassen. Klar ist, beide wollten ABC-Waffen, wohl auch auf deutschem Boden produzierte Atombomben. Adenauer überließ Strauß dabei gern die Rolle des Rammbocks. Mit der Amtsübernahme von Charles de Gaulle nahm der ganze Spuk dann ein schnelles Ende. Und doch nicht so ganz. Strauß rächte sich und ließ den Kauf von etlichen Dutzend »Mirage«-Kampfflugzeugen platzen. Im Gegenzug orderte er statt dessen bei der amerikanischen Firma Lockheed. 110 Tote in Friedenszeiten durch den Absturz der Lockheed-»Starfighter« waren das Ergebnis. So wurde damals verantwortliche Politik gemacht.

Augsburg DR. ANDREAS RIEGER

Wer betrügt, intrigiert, wer Geld und Macht ohne Skrupel auf Kosten anderer sammelt, setzt sich durch und wird auch noch bewundert.

Mainz CLAUS LANDGREBE

Immer wieder berichtet der SPIEGEL über die dunklen Machenschaften des Franz Josef Strauß, und jedesmal frage ich mich, warum man diesem Mann, der auch sehr viel Positives getan hat, nicht endlich seinen Frieden gönnt. Zu Lebzeiten hätte er sich sicherlich elegant zu verteidigen gewußt.

Rosenheim HERMANN MEIER

Mehr lesen über

Zur Ausgabe
Artikel 118 / 130
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.