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BUNDESWEHR Ungetarnt ausgehen

Von Alexander Szandar
aus DER SPIEGEL 37/1997

Auf Anregung der Wehrbeauftragten Claire Marienfeld hat die Bundeswehrführung jetzt der Truppe »grundsätzlich« verboten, außerhalb des Dienstes in der Öffentlichkeit den gefleckten Kampfanzug zu tragen. Die Änderung der Bekleidungsvorschrift Nr. 37/10 soll helfen, Reibereien zwischen ausländischen Jugendlichen und Soldaten zu vermeiden. Mitte März hatten Rekruten in Detmold auf junge Ausländer eingeprügelt, nachdem sie einige Tage zuvor von einer Gruppe junger Türken auf der Straße beschimpft worden waren. Der Kampfanzug, so hatte Claire Marienfeld danach gewarnt, löse bisweilen »Mißverständnisse oder gar unterschwellige Ängste« aus.

Bei der Wehrbeauftragten mehren sich seit dem Frühjahr Meldungen über teils verbale, teils physische Attacken meist türkischer Jugendlicher auf Rekruten. Zugleich ist die Zahl aus der Truppe gemeldeter »besonderer Vorkommnisse«, ausländerfeindlicher oder rechtsextremer Äußerungen laut Bundeswehr-Generalinspekteur Hartmut Bagger »fast drastisch« angestiegen. Der General führt dies auf »erhöhte, fast schon übertriebene Sensibilität« der Truppenführer zurück. Per Rundschreiben hatte er im April die Offiziere ermahnt, »Anzeichen für radikale Einstellungen« aufmerksam zu beobachten und die Soldaten anzuhalten, »etwaige Beobachtungen nicht aus falsch verstandener Kameradschaft zu verschweigen«.

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