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AUSTRALIEN / URAN-FUNDE Ungewöhnlich mächtig

aus DER SPIEGEL 44/1970

Mit unserem kleinen Känguruh schaffen wir den Sprung zur Uran-Weltmacht Nummer eins«, prophezeite Roy Hudson, Direktor und Hauptaktionär der australischen Minengesellschaft Queensland Mmes Ltd.

In der Tat bezeichnen Geologen die vor kurzem entdeckten Uran-Vorkommen von Nabarlek (in der Eingeborenensprache: »Kleines Känguruh") als die abbauwürdigsten der Welt -- reicher noch als das beste bisher bekannte Uran-Lager, die Blind-River-Mine in Kanada.

Nach Ansicht Hudsons ist das 50 000-Tonnen-Vorkommen von Nabarlek sogar groß genug, »daß es möglich sein wird, von diesem Lager aus ·die Welt noch unter den gegenwärtig niedrigen Uran-Preisen zu beliefern und anderen Uran-Produzenten die Märkte fortzunehmen«.

Das große Uran-Geschäft sollen nach dem Willen der australischen Regierung nur einheimische Firmen machen dürfen. Ministerpräsident Gorton: »Die neuen Funde müssen vor dem Zugriff ausländischer Investoren geschützt werden.«

Als erste Schutzvorkehrung ließ Gorton von seinen Rechtsexperten ein »Dringlichkeits-Gesetz« entwerfen und dem Parlament vorlegen. Nach dem Gesetz, das vorläufig einzig für den Uran-Entdecker, die Queensland Mines, und deren Hauptaktionär, die Gesellschaft Kathleen Investments Ltd, geschaffen wurde, dürfen ausländische Investoren, Einzelpersonen und Gesellschaften insgesamt nicht mehr als 15 Prozent der Aktien einer der beiden Gesellschaften besitzen.

Die Beschränkung ausländischen Besitzes an Queensland-Mine- und Kathleen-Papieren Ist seit vielen Jahren die schärfste Restriktion. ausländischen Kapitals durch die australische Regierung. Die Sorge, nichtaustralische Investoren könnten die Kontrolle über den einheimischen Atombrennstoff gewinnen, ist nicht unbegründet. Denn schon kurz nach der Entdeckung der Uran-Lager hatten Interessenten bereits 15 Prozent der Queensland-Papiere und 22 Prozent der Kathleen-Aktien aufgekauft.

An den australischen Hauptbörsen Sydney und Melbourne kursierten sogar Gerüchte über einen fertigen Übernahmeplan der Conzinc Riotinto of Australia (CRA), einer Tochtergesellschaft der britischen Rio Tinto-Zinc Corporation. Die CRA hatte schon 1965 vergebens versucht, Kathleen Investments zu übernehmen.

Das Interesse ausländischer Uran-Unternehmen an den Nabarlek-Funden ist vor allem deshalb so groß, weil sich das Austral-Erz zu ungewöhnlich niedrigen Kosten abbauen läßt. Aus einer Tonne Erz des Nabarlek-Lagers (1200 Meter lang, 100 Meter breit und vier Meter mächtig) lassen sich 490 Pfund Uranoxid (chemische Formel U3O8) aufbereiten. Andere Uran-Lager bringen pro Tonne Erz nicht mehr als 2,3 bis 3,3 Pfund Uranoxid.

Auch kann das Erz, das nur 1,2 bis vier Meter tief liegt, im Tagebau gewonnen werden. Queensland-Manager schätzen die Kosten auf weniger als einen australischen Dollar (etwa vier Mark) je Pfund, den Gesamtgewinn auf 250 Millionen Australien-Dollar.

In der Hoffnung auf ähnliche Uran-Profite schwärmen neuerdings auch ausländische Prospektoren durch Australiens Steppen -- neben Uran-Fachleuten aus den USA auch ein Suchtrupp der Frankfurter Urangesellschaft mbH & Co KG.

Gegen das Ticken ausländischer Geigerzähler hat Regierungschef Gorton vorerst nichts einzuwenden: »Wir sind aber der Meinung, daß Übersee-Investoren nur dann einen Anspruch auf Erfolg haben, wenn sie auch bereit sind, das volle Risiko zu tragen.

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