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Ungewöhnliche Güte

aus DER SPIEGEL 43/1992

Auf Drängen des CDU-Abgeordneten Dietrich Austermann verschleudert Forschungsminister Heinz Riesenhuber zehn Millionen Mark für ein fragwürdiges Projekt. Austermann, im Haushaltsausschuß zuständig für den Forschungsetat und damit für Riesenhuber ein wichtiger Mann, setzte die großzügige Förderung einer Medienuntersuchung durch. Der Titel: »Die gesellschaftlichen Folgen des Fernsehens in Deutschland«. Der Staat übernimmt 93,2 Prozent der Kosten. Normal sind etwa 50 Prozent. Die ungewöhnliche Güte kommt der Firma Teleskopie GmbH zugute, einer Tochter des Meinungsforschungsunternehmens Infas. Die Teleskopie GmbH hatte die Forderung nach einem derart hohen Staatsanteil mit dem Eingeständnis begründet, die ermittelten Daten seien wirtschaftlich kaum zu verwenden. Bei dem Coup geht es offenbar nicht nur um Fernsehforschung, sondern auch darum, der Teleskopie das Panel zu erhalten, die bei einigen hundert Familien installierten Meßgeräte, die Auskunft über das Fernsehverhalten geben. Infas hofft nach Ansicht von Branchenkennern darauf, im Laufe der nächsten Jahre ARD und ZDF als Kunden gewinnen zu können. Die Durststrecke bis dahin wäre mit Hilfe der Förderspritze aus Bonn zu überstehen.

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