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Ungeziefer abwehren

aus DER SPIEGEL 29/1976

In den 27 Jahren seiner Zugehörigkeit zum Deutschen Bundestag hat Herbert Wehner wahrscheinlich mehr Zwischenrufe gemacht als jeder andere Abgeordnete. Als Vize-Präsident Richard Jaeger (CSU) 1973 darum bittet, »sich bei der Qualifikation der Zwischenrufe von Kollegen etwas zurückzuhalten«, antwortet Wehner: »Nur so kann man Ungeziefer abwehren, Herr Präsident!«

Wehner-Redewendungen

Ehrabschneider, Strolch, Flegel, Dreckschleuder, Komödiant, Schmiere, Brunnenvergifter, Sportpalast, Reaktionär, kalter Krieger, Heuchler, halbe Portion, Schwätzer, Flasche, Pimpf, Wrack, Lümmel, Schulmeister, Weihnachtsmann.

Die Hosen herunter. Wieviel Promille haben Sie? Sie haben zuviel Magensäure! Sie scheinen ein Allesverdauer zu sein. Haben Sie Bandwürmer? Sie können Ihre Blähungen ruhig loswerden! Hier sollte man eine Rolle Klosettpapier draufkleben. Sie sind ein Schwein, wissen Sie das? Sterisiliert werden muß das. Wehner zu CDU/CSU-Politikern

Zu dem Vorsitzenden der Sozialausschüsse. Hans Katzer: »Feigenblatt für eine ziemliche Blöße der CDU.«

Zu dem Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe, Richard Stücklen: »Schwarzer Ehrenmann.«

Zu dem Verkehrsexperten dei CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Ernst Müller-Hermann: » Jetzt haben Sie Knochenerweichung«

Zu dem CDU-Umwelt-Experten Herbert Gruhl: »Sie sind eine Karikatur!«

Zu dem CSU-Abgeordneten Richard Jaeger, der wegen seiner Forderung nach der Todesstrafe im Parlaments-Jargon häufig »Kopfab-Jaeger« genannt wird, in einer Pornographie-Debatte: »Glied ab!«

Über den CDU-Abgeordneten Lothar Haase: »Herr Präsident! Können Sie den Gnom der CDU nicht zurückweisen? Der Gartenzwerg ist los.«

Über die CDU-Abgeordnete Margot Kalinke: »Geben Sie doch der Dame mal die Flasche!«

Über den CSU-Abgeordneten Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg: »Der Baron lügt!«

Über den Fraktionsvorsitzenden Karl Carstens: »Ich bitte Sie um Entschuldigung, daß Herr Carstens mit Reitpferden umzugehen weiß und deswegen meint, auch mit Damen ...«

Zur CDU/CSU-Fraktion: »Ihr Lachen wird auch Sie selbst nicht dauernd selbst befriedigen, obwohl Sie sonst Selbstbefriediger sind«

Zur CDU/CSU-Fraktion: »Sie werden noch feixen am Grabe der zweiten deutschen Republik. Das sehe ich voraus.«

Zur CDU/CSU-Fraktion: »Nihilistischer Pöbelhaufen.«

Zu dem CDU-Abgeordneten Heiner Möller: »Waschen Sie sich erst einmal! Sie sehen ungewaschen aus!«

Zum CSU-Abgeordneten Franz Josef Strauß: »Was Sie im Gesicht haben, wissen Sie ...!«

Über den CDU-Abgeordneten und Kohlengroßhändler Erik Blumenfeld: »Alles vom Kohlenhändler Blumenfeld! Blumenkohl! Der Blumenkohl-Händler.«

Zu dem CSU-Abgeordneten Oscar Schneider: »Herr Kollege, Sie müssen aber sehr gespickt werden, um bei Ihren eigenen Freunden genießbar zu werden!«

Zu dem CDU-Abgeordneten Jürgen Wohlrabe: »Auf diese Weise machen Sie mit dem Hintern kaputt, was Sie mit dem Mund aufbauen wollen.« Wehner-Dialoge

Gerhard Reddemann, CDU: »Herr Wehner darf sich wieder schämen!« Wehner: »Das können Sie ja nicht, das ist unser Unterschied, Herr!«

Ernst Müller-Hermann, CDU: »Hier jedenfalls scheiden sich die Geister.« Wehner: »Sie sind aber keiner! Sie scheiden nur, aber Geist sind Sie nicht!«

Der SPD-Abgeordnete Manfred Schulte zum CDU-Parlamentarier Elmar Pieroth: »Ist Ihnen schon einmal der Gedanke gekommen, daß das Gesetz auch aus diesem Grunde von Ihnen eingebracht wurde?« Wehner: »Wie sollte dem ein Gedanke kommen?«

Franz Josef Strauß, CSU: »Machen Sie nicht so weiter; sonst ziehen wir aus!« Wehner: »Wie sehen Sie denn aus, wenn Sie sich ausgezogen haben!«

Rainer Barzel, CDU: »Ich habe nicht die Absicht, einen Pappkameraden hier aufzubauen, wie Sie das nannten.« Wehner: »Sie sind ja selber einer!« Vize-Präsident Hermann Schmitt-Vockenhausen: »Herr Abgeordneter Wehner, haben Sie den Herrn Abgeordneten Barzel eben als Pappkameraden bezeichnet?« Wehner: »Lesen Sie das bitte im Protokoll nach, Herr Präsident!« Barzel: »Bleiben wir also bei den Pappkameraden« Wehner: »Schleimer wäre richtiger!«

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