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FOTOGRAFIE »Ungutes Gefühl«

G.M.B. Akash, 30, weltweit ausgezeichneter Fotograf aus Bangladesch, über wachsenden religiösen Fundamentalismus und seine Flucht nach Deutschland
aus DER SPIEGEL 6/2007

SPIEGEL: Ihre Fotos erschienen in Magazinen wie »Newsweek«, »Economist« und auch im SPIEGEL. Nun bekamen Sie nach einer Geschichte über Koranschulen ernsthafte Probleme.

Akash: Ja, man drohte mir mit dem Tod. Probleme hatte ich ja ständig: Nach einer Geschichte über Kinderarbeit in der Textilindustrie hielten mir Textilbosse vor, ich zerstöre die Branche. Die Geschichte über Koranschulen wollte aus Angst niemand drucken.

SPIEGEL: Sie erschien dann im nepalesischen Magazin »Himal«, das auch in Bangladesch gelesen wird. Auf dem Titel war ein siebenjähriger Junge in Fußketten. Hatten Sie danach Angst?

Akash: Ein ungutes Gefühl, sicher. Der Chef von »Himal« hatte mich vor der Veröffentlichung dieses Fotos gewarnt. Der Junge war in Fußketten gelegt, weil er mehrfach ausgerissen war, um zu seinen Eltern zu kommen. Ich wollte das aber zeigen.

SPIEGEL: Die Zahl der Koranschulen nimmt zu. Wussten Sie von den Zuständen dort?

Akash: Nicht genau. Ich dachte, die Kinder würden zumindest etwas lernen. Doch außer ein wenig Mathe und Englisch wird den ganzen Tag im Koran gelesen. Die Aufseher schlagen mit Stöcken, die Kinder sind übermüdet.

SPIEGEL: Was geschah nach dem Erscheinen von »Himal« im August?

Akash: Eine Woche nach Erscheinen bekam ich einen Anruf. Der Anrufer drohte, ich sei verloren. Ein paar Tage später tauchten vier Männer bei meinen Eltern auf und verlangten nach mir. Ich war zum Glück nicht da. Seitdem versteckte ich mich.

SPIEGEL: Wie kamen Sie raus?

Akash: Ich habe einer Kollegin von »Geo« die Geschichte erzählt, und die hat die Stiftung für politisch Verfolgte in Hamburg informiert. Die organisierte die Ausreise. Ich darf jetzt ein Jahr hier zu Gast sein.

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