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BURMA Uno für Opium-Anbau

aus DER SPIEGEL 18/2004

Paradoxerweise muss ausgerechnet die Uno-Drogenbehörde auf eine Politik setzen, die das Tempo beim Kampf gegen das Rauschgift drosselt. Denn das »Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung« der Weltorganisation fürchtet eine humanitäre Katastrophe, wenn Rebellenvölker im burmesischen Grenzgebiet vor allem zu China wie angekündigt die traditionelle Opiumproduktion stoppen. Besonders radikal zeigt sich dabei derzeit die Wa-Armee, die den Bann von Mitte kommenden Jahres an strikt durchsetzen will. Die Warlords, lange Zeit selbst im Drogengeschäft aktiv, siedeln schon jetzt zwangsweise Zehntausende Opiumbauern in die Täler um. Viele sterben dort an Malaria, die in den Bergen ihrer Heimat unbekannt ist. Ihren Sinneswandel erklären die Rebellen mit dem starken Druck Chinas, das ihnen Wirtschaftshilfe verspricht, wenn sie aus dem Drogengeschäft aussteigen.

Um »einer verheerenden humanitären Krise« vorzubeugen, baut das Uno-Büro derzeit neue Bewässerungskanäle, Brunnen, Schulen und Krankenhäuser. Dazu fehlt es allerdings an Geld, weil die burmesische Militärjunta international boykottiert wird. Zugleich hoffen die Experten der Vereinten Nationen, dass die Wa-Führer die Umsetzung ihres rigiden Opiumbanns noch für ein paar Jahre aufschieben. Zwischenzeitlich könnte die Bevölkerung im Anbau von alternativen Feldfrüchten geschult werden. Es sei die »einzige vernünftige und menschliche Option, die Frist zu verlängern«, glauben auch andere Fachleute. Sonst werde der Opiumanbaustopp »nur Verlierer schaffen«.

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