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UNSCHÄTZBARE DIENSTE

aus DER SPIEGEL 19/1961

Bischof Graf Preysing von Berlin' der 1946 den Kardinalshut erhielt und 1958 starb, bestätigte dem heutigen Staatssekretär nach dem Kriege.

Herr Ministerialrat Dr. Hans Globke ist mir persönlich bekannt. Ich achte ihn als einen überzeugten katholischen Christen, dessen Leben und Handeln von den Grundsätzen des katholischen Glaubens bestimmt waren. Er hat die Gefahren und- Irrtümer des Nationalsozialismus richtig eingeschätzt und verurteilt.

Über diese seine grundsätzliche Ablehnung hinaus war Herr Dr. Globke stets bemüht, Übergriffe, Ungerechtigkeiten und Gewaltakte des Nationalsozialismus zu verhindern und zu unterbinden soweit es ihm innerhalb seines Arbeitsbereiches möglich war. So informierte er mich und meine Mitarbeiter über Pläne und Beschlüsse, des Innenministeriums, gab uns auch Kenntnis von streng geheimgehaltenen Gesetzesentwürfen und lieferte uns auf diese Weise das Material zu Protesten und Drohungen, die bei den Regierungsstellen Hilflosigkeit und Zorn zugleich auslösten, da sie Kenntnis streng geheimgehaltener Vorgänge verrieten.

Eine Zeit hindurch mußten wir Herrn Dr. Globke fast täglich in Anspruch nehmen. Stets stand er uns in opferbereiter Weise zur Verfügung. Oft hat er auch selbst die Initiative ergriffen. Besonders unserer Hilfsarbeit für die verfolgten Juden und Halbjuden hat er durch seine Mitteilungen und rechtzeitigen Warnungen die wertvollsten Dienste geleistet. Wenn er auch umsichtig, besonnen und klug handelte, setzte er dabei doch jedesmal seine Freiheit, ja sein Leben aufs Spiel. So hat er in selbstloser Weise Verfügungen und Gesetzesvorlagen des Judendezernates ... wirkungsvoll sabotiert.

Es ist wohl in erster Linie seiner klugen und mutigen Zusammenarbeit mit Mitarbeitern des Berliner Ordinariats zu verdanken, daß zwei Gesetzesentwürfe, die die Zwangsscheidung aller rassischen Mischehen bezweckte, durch die drohende Haltung des Deutschen Episkopates keine Gesetzeskraft erhielten. Da diese Zersetzungsarbeit um ihrer Wirkung willen von allen Beteiligten streng geheimgehalten werden mußte, ist es allen Nichtbeteiligten unbekannt geblieben was die Juden ... Herrn Dr. Globke zu verdanken haben.

Der Justitiar des Bischöflichen Ordinariats von Berlin versicherte an Eides Statt:

Herrn Ministerialrat Dr. Hans Globke kenne ich seit vielen Jahren. Ich bin mit ihm befreundet, so

daß ich über seine politische Einstellung gut unterrichtet bin. Von den vielen Männern der Widerstandsbewegung, die ich im Laufe der Hitlerherrschaft kennengelernt haben, zählt Dr. Globke zu den klügsten, schärfsten und konsequentesten Gegnern des Nationalsozialismus. Er ist überzeugten Demokrat und bekenntnistreuer katholischer Christ. Demokratische und christliche Grundsätze sind Richtlinien seines Lebens.

Er scheute weder Mühen noch Gefahren, wenn es galt, ungerechte Gewaltakte des Nationalsozialismus abzuwehren. Immer, wenn ich in meiner Eigenschaft als Justitiar des Bischöflichen Ordinariates seiner Hilfe bedurfte, stand er mir mit Rat und Tat zur Seite. Allein seiner Unterstützung ist es zu verdanken, daß das Ordinariat rechtzeitig über Pläne und Beschlusse des Innenministeriums unterrichtet war und so Maßnahmen treffen konnte, um eine Verfolgung der Gläubigen zu verhüten oder zum mindesten abzuschwächen.

In der Juden- und Halbjudenfrage war er uns schlechthin unentbehrlich geworden. Hier leistete er uns sowohl in der Gesamtheit dieser Frage wie auch in Einzelfällen unschätzbare Dienste. Häufig beabsichtigte er aus dem Staatsdienst auszuscheiden, insbesondere als Himmler die Leitung des Innenministeriums übernahm.

Nur auf unsere dringenden Bitten, weiter zu bleiben und so uns und der gesamten Widerstandsbewegung besser nützen zu können, hat er sich bewegen lassen, von der Einreichung eines Entlassungsgesuches abzusehen.

Weite demokratische und christliche Kreise würden es lebhaft begrüßen, wenn Dr. Globke bald seine umfassende Arbeitskraft an verantwortungsvoller Stelle wieder einsetzen könnte.

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