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Briefe

Unsicherheit, Furcht, Hoffnung
aus DER SPIEGEL 25/1998

Unsicherheit, Furcht, Hoffnung

Nr. 23/1998, Jugendhilfe: SPIEGEL-Gespräch mit der Frankfurter Expertin Gisela Zenz über den Umgang der Bürokratie mit kriminellen Kindern

Gut, daß jemand wie Frau Professor Zenz diese gesellschaftspolitische Grauzone beleuchtet hat. Es liegt bei den Jugendämtern, Anforderungsprofile für die Dienstleistungen der Anbieter auf dem »Jugendhilfe-Markt« zu formulieren und sie auch einzufordern. Dazu müßten in den Jugendämtern allerdings Ideen zur Entwicklung ihrer Klienten bestehen, die über die immer noch übliche Aktensammlung hinausgehen. Welche Potentiale zu gesellschaftlich akzeptierbarer Lebensführung hat jemand (noch), der mit 14 Jahren sechs Jahre in wechselnden (Fremd-)Betreuungsverhältnissen gelebt hat - welche Art der Betreuungsplanung lassen seine Fähigkeiten zu und warum? Anbieter in einer sich wandelnden Jugendhilfe können diese Frage zunehmend schon beantworten - von Jugendämtern wird sie jedoch leider selten gestellt.

WIPPERFÜRTH (NRDRH.-WESTF.) M. HANISCH DIPL.-SOZIALPÄDAGOGE

Seit über 25 Jahren leite ich ein Jugendamt und kenne die Praxis vieler Jugendämter und weiß, daß Jugendhilfe sowohl nach dem alten Jugendwohlfahrtsgesetz, aber noch mehr nach dem neuen Kinder- und Jugendhilfegesetz vielen Tausenden von Kindern, Jugendlichen und Familien in Schwierigkeiten helfen konnte. Fast alle Äußerungen von Frau Professor Zenz zum Fachlichen zeugen von einer großen Praxisferne.

HÖVELHOF (NRDRH.-WESTF.) FRIEDRICH DEGNER

Kinder benötigen stabile, langfristige Beziehungsangebote, die Heime schon aufgrund ihrer natürlichen Personalfluktuation nicht gewährleisten können. Es würde sich deshalb lohnen, endlich angemessen in die Aus- und Weiterbildung von Pflegepersonen zu investieren und in eine qualifizierte verbindliche Begleitung.

BERLIN PETER HERMANNS

SOZIALPÄDAGOGE UND PFLEGEVATER

Problemkinder haben meist Problemeltern, die ihrerseits Problemkinder mit Problemeltern waren. Nur wenigen glücklichen Naturen gelingt es, diesem Teufelskreis ohne fremde Hilfe zu entrinnen. Wo, an welchem Punkt der unseligen Kette, soll also Hilfe ansetzen? Die sozialen Hilfsangebote müßten bereits während der ersten Schwangerschaft an die Eltern herangetragen werden - in dieser Situation sind sie voll Unsicherheit, Furcht und Hoffnung, und vor allem, sie haben noch nichts falsch gemacht. Elterngruppen mit therapeutischer Begleitung erscheinen mir als ein aussichtsreicher Weg.

MÜNCHEN BRIGITTE STEIN

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