Zur Ausgabe
Artikel 34 / 119

Verkehr Unter der Realität

aus DER SPIEGEL 46/1993

SPIEGEL: Kann eine Super-Röhre den Verkehr im Revier wieder ins Rollen bringen?

Kniola: Das klingt faszinierend, läßt aber die Realität weit über sich. Der Tunnel soll den Transitverkehr durchs Revier aufnehmen. Die meisten Probleme aber verursachen die Kurzstrecken-Fahrer. Die machen über 80 Prozent des Verkehrs aus, und die bleiben oben auf der Straße.

SPIEGEL: Die Ruhrkohle glaubt, private Investoren für das Projekt begeistern zu können.

Kniola: Da bin ich sehr skeptisch. Selbst wenn täglich 100 000 Autofahrer den Tunnel nutzten, müßte jeder rund 33 Mark am Tag zahlen, damit sich die Sache für einen privaten Investor rechnet. Tatsächlich geht es um eine private Vorfinanzierung. Am Ende soll doch der Staat aus der Steuerkasse zahlen. Da ist es sinnvoller und preiswerter, die Autobahn und das Schienennetz auszubauen.

SPIEGEL: Experten behaupten, daß sich mit der veranschlagten Investitionssumme von zehn Milliarden Mark jede Menge Arbeitsplätze sichern lassen.

Kniola: Nur auf den ersten Blick. Die Ruhrkohle muß bis 1995 etwa 30 000 Arbeitsplätze abbauen. Beim Tunnelbau, der frühestens Anfang des nächsten Jahrhunderts beginnen könnte, würden aber höchstens 200 qualifizierte Techniker und Ingenieure aus dem Bergbau gebraucht.

Zur Ausgabe
Artikel 34 / 119
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.