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Briefe

UNTER DIE ERDE
aus DER SPIEGEL 23/1959

UNTER DIE ERDE

Was die Schweizer in Basel erst planen, ist in Schweden bereits verwirklicht. Die Großgarage »Katarinaberget« in Stockholm, ein dreistöckiger Luftschutzraum

- mitten in der Stadt in den Felsen gesprengt - dient im Frieden als Autoparkanlage. Im Kriege bietet die Anlage 20 000 Menschen Schutz. Der Haupttunnel, fünfhundert Meter lang, dreizehn Meter breit und zehn Meter hoch, hat an beiden Enden spiralförmige Ausfahrten. In ihnen befinden sich Tankstellen, Vorführungsräume für Kraftwagen, eine Drive-in-Bank und Kundendienststellen. Es gibt bereits mehrere solcher Großgaragen/Atombunker mitten in Stockholm, desgleichen ein vollständiges unterirdisches Krankenhaus und Elektrizitätswerke. Auch für seine Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe hat Schweden ähnliche Anlagen gebaut.

Hamburg 8 GÜNTHER HEYSING

Sie berichteten über ein Projekt, das tief unter dem Stadtkern von Basel Schutzräume mit weitverzweigtem Röhren - und Stollensystem vorsieht, die im Kriegsfalle 35 000 atombedrohten Menschen Unterschlupf, im Frieden 2800 Kraftwagen Parkmöglichkeiten bieten sollen. Während man sich in Basel über die Nützlichkeits- und Rentabilitätsfragen wohl noch einige Zeit streiten wird, hat die Stadt Baden im Aargau schon 1957 die Erstellung eines öffentlichen Schutz- und Parkraums im historischen Schloßberg beschlossen, der in Kriegszeiten 3000 schutzbedürftige Personen, im Frieden aber 160 Autos zu fassen vermag. Der Vorteil gegenüber dem Basler Riesenprojekt dürfte darin liegen, daß die Hallen ohne Überwindung einer Höhendifferenz von der Außenwelt her zu erreichen sind. Sanitäre Einrichtungen, eine Heizanlage, eine leistungsfähige Notstromgruppe sollen zusammen mit der Organisation eines wirksamen Zivilschutzes bei Luftangriffen das Weiterfunktionieren des Gemeindeorganismus gewährleisten helfen. Das Projekt mit einem Kostenaufwand von rund 3,5 Millionen Schweizer Franken stellt der Bäderstadt gegenüber den Eventualitäten der spannungsgeladenen Gegenwart ein gutes Zeugnis aus.

Baden (Schweiz) H. MÜLLER

Oberbürgermeister

Stockholmer Atomschutz

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