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SEX Unterm Ladentisch

aus DER SPIEGEL 20/1966

Siebenmal zeigte »Revue« in der elften Woche dieses Jahres den »legendären Busen« der Barbara Valentin. Gleich darauf hatte »Revue«-Schwester »Quick« dieselbe Oberweite im Blatt - auch siebenmal.

Das war dem österreichischen Innenminister in Wien zuviel. Anfang letzten Monats wurde der Kiosk- und Straßenhandel mit »Quick« und »Revue« in Österreich - zunächst für sechs Monate - verboten. Nur über Buchhandlungen und Lesezirkel-Mappen dürfen die beiden Münchner Bilderblätter in Österreich noch vertrieben werden.

Es ist die bislang schärfste Auslandsreaktion auf das Sex-Überangebot deutscher Illustrierten, auf deren Titelseiten die Fachzeitschrift »Der neue Vertrieb« im letzten Jahr bereits um sechzig Prozent mehr »Bikini-Schönheiten oder ähnliches« als noch ein Jahr zuvor ausgezählt hatte. 50 der insgesamt 99 Titel-Damen stellten »Quick« und »Revue« (siehe Graphik).

An österreichischen Kiosken hatten die Halbnackten aus München schon mehrfach Mißfallen erregt. »Quick«-Verleger Diedrich Kenneweg ließ deshalb erstmals im Herbst letzten Jahres seinen Vertriebspartner in Österreich, Dr. Emmerich Morawa, wissen, daß die Sexwelle in »Quick« und »Revue« »bis Ende 1965 überstanden« sei. Morawa schickte eine Kopie des Kenneweg-Schreibens an das Wiener Innenministerium.

Doch als im neuen Jahr die Welle weiterschwoll, verbannten die innenministeriellen Tugendhüter die illustrierten Massenblätter aus dem Verlagshaus Th. Martens & Co. unter die Ladentische. Dort bleiben wöchentlich je 30 000 »Quick«- und »Revue«-Hefte liegen - mehr als 50 Prozent der ganzen Österreich-Auflage.

Beanstandete »Quick«, »Revue": Zuviel Busen

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