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Unwirksamer Boykott

aus DER SPIEGEL 15/1980

Die Bundesregierung möchte dem amerikanischen Wunsch, die Sowjet-Union durch weitreichende Wirtschaftssanktionen für den Einmarsch in Afghanistan zu bestrafen, vorerst widerstehen. Sie will jedoch gleichzeitig streng darauf achten, daß bundesdeutsche Unternehmen nicht für US-Firmen einspringen, die sich wegen Präsident Jimmy Carters Boykottaufruf zurückziehen mußten. Allerdings tolerieren die Sozialliberalen dabei, daß westdeutsche Industrieunternehmen -- entgegen der Absicht Washingtons -- dann im Geschäft bleiben, wenn amerikanische Partner die Arbeit einstellen. So hat Bonn keine Einwände gegen die Absicht eines Konsortiums unter der Führung der Klöckner-Industrie-Anlagen GmbH, sich um den Bau einer Aluminiumhütte im sibirischen Sajansij zu bewerben. Zwar hat die US-Firma Alcoa, die technisches Know-how im Wert von 100 Millionen Dollar liefern sollte, auf das Eine-Milliarde-Mark-Projekt verzichtet. Klöckner bemüht sich aber weiterhin um das lukrative Geschäft und liegt gut im Rennen. Denn die Rolle der Amerikaner wollen die Sowjets jetzt möglicherweise selbst übernehmen. Sollte dies nicht klappen, steht schon die französische Firma Pechiney bereit, einzuspringen und den Boykott der Amerikaner unwirksam zu machen.

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