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Uran-Fabrik vor dem Aus

aus DER SPIEGEL 8/1990

Als erstes Bundesland will Rheinland-Pfalz dem Betreiber einer Nuklearfirma die atomrechtlichen Genehmigungen wegen fehlender Zuverlässigkeit entziehen: der Urananlage Ellweiler (Kreis Birkenfeld), dem einzigen westdeutschen Betrieb, der Urankonzentrat für die Produktion von Brennelementen herstellt. Gewonnen wird das Uran aus Erzen oder kontaminierten Reststoffen wie Erde oder Bauschutt.

Schon lange fordern Bürgerinitiativen und die Grünen im Landtag die Stillegung des Unternehmens. Seit Jahren überschreitet die Anlage drastisch die Strahlenschutzgrenzwerte. Die Bewohner der Region sehen darin die Ursache für die Häufung von Leukämiefällen in der Umgebung des Betriebes.

Der Mainzer Umweltminister Alfred Beth (CDU) hatte den Betreiber und Alleineigentümer der Urananlage, Wolfgang Hamma, bereits im letzten Jahr ultimativ aufgefordert, die werkseigenen Reststoffhalden, von denen die Strahlenbelastung ausgeht, zu sanieren. Diese Auflage wurde jedoch, wie das Umweltministerium vorletzte Woche an Hamma schrieb, »von Ihnen schuldhaft verzögert«. Die Ressort-Juristen gehen davon aus, daß die nach Paragraph 9 Atomgesetz erforderliche Zuverlässigkeit »nicht mehr vorliegt«. Minister Beth will Hamma deshalb die Genehmigung zur Verarbeitung von uranhaltigen Reststoffen entziehen.

Zweifel an der Zuverlässigkeit des Firmeninhabers waren schon aufgekommen, als der SPIEGEL (22/1989) Hammas dubiose Kontakte zu einem Liechtensteiner Waffenhändler aufdeckte. Sollte Beth seine Ankündigung wahr machen, hätte dies auch Auswirkungen auf die Hanauer Skandalfirma Nukem. Der hessische Nuklearbetrieb hatte in den letzten Jahren Tausende Tonnen urankontaminierter Erde zur Aufarbeitung nach Ellweiler gekarrt. Zuletzt war geplant, die zum Abriß anstehenden Altanlagen von Nukem ebenfalls in der rheinland-pfälzischen Firma zu entsorgen. Aus dem Geschäft (geschätztes Volumen: rund 50 Millionen Mark) wird wohl nichts. Offen ist nun, ob Hamma die mittlerweile staatlich verfügte Sanierung der Halden in Ellweiler (voraussichtliche Kosten: vier Millionen Mark) noch bezahlen kann.

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