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Briefe

URHEBERSTREIT
aus DER SPIEGEL 10/1966

URHEBERSTREIT

Mit Interesse habe ich die geniale Idee des Herrn Dr. Reinhold Kaletsch zur Kenntnis genommen - eine vollkommen neue Konzeption auf dem Gebiete der Luftfahrt, wie Sie schon erklärten. Ohne die Verdienste des Erfinders schmälern zu wollen, finde ich, daß man in so einem Fall aber auch den Namen dessen veröffentlichen sollte, der diesen Antrieb als solchen entwickelt hat. Es handelt sich um das Prinzip des seit Jahrzehnten im Schiffsbau verwendeten Voith -Schneider(VS)-Propellers der Firma Voith in Heidenheim. Die bei Schiffen zur Erzeugung eines waagerechten

Schubs senkrechte Achse des VS-Propellers wurde lediglich, zur Vermittlung eines senkrechten Schubs (Auftriebs), in die Waagerechte verlegt.

Kurskaja Oblast (UdSSR)

LOTHAR LANGMANDEL

Das von Dr.-Ing. Rohrbach schon im Jahre 1934 vorgeschlagene Schaufelradflugzeug weist das gleiche Prinzip der Auftrieb-Erzeugung auf wie die von Ihnen beschriebene Erfindung von Herrn Dr. Kaletsch. Gleichwohl entbehrt der Gedanke von Herrn Dr. Kaletsch nicht einer gewissen Erfindungshöhe, denn während Dr.-Ing. Rohrbach sein Prinzip nur auf ausgesprochene Langsamflieger angewendet sehen wollte, ermöglicht die vorliegende technische Neuerung nun auch den heutigen Schnellverkehrsflugzeugen das senkrechte Starten und Landen.

Gerlingen (Bad.-Württ.) E. FROTSCHNER

Dipl.Ing.

Schon Großmütterchen sprach: »... steht alles in der 'Gartenlaube' nachzulesen!« In der Tat findet sich da ("Die Gartenlaube«, 1893, Seite 108 ff.) eine Beschreibung des »Segelrad-Flugmaschine« genannten »Kaletsch-Rotor«-VTOL von Wellner nebst anmutigen Abbildungen, die dem Betrachter das Kaletsch-Projekt kaum als »echte Sensation« erscheinen lassen. Professor Georg Wellner (1846 bis 1909) hat bereits 1893 die Durchführbarkeit seiner Konzeption experimentell nachgewiesen. Dr. Kaletsch wäre vermutlich viel Zeitaufwand erspart geblieben, hätte er zu seiner 18. Patent-Definition die erste deutschsprachige Luftfahrt -Fachzeitschrift, den Jahrgang 13 ff. der »Zeitschrift des deutschen Vereins zur Förderung der Luftschifffahrt« (sic!) mit ihren detaillierten Darstellungen und Versuchsberichten vom siebzigjährigen Staub befreit. Weitere Versuche wurden später von den »unbefangenen Außenseitern« Adolf Rohrbach und Anton Flettner unternommen.

München GERO V. LANGSDORFF

Herrn v. Langsdorff möchte ich antworten: Die Tatsache, daß zur Zeit der Pioniere der Luftfahrt - als man gedanklich noch nicht festgelegt war - gerade der Mann der Wissenschaft, nämlich Herr Professor Wellner, das »Segelrad« als Auftriebserzeuger vorschlug, bestätigt mir, daß sich dem logisch geschulten Menschen dieses Prinzip der Auftriebserzeugung als gedankliche Basis anbietet, wenn er nicht durch zu intensive Beschäftigung mit den heute verwirklichten Flugzeugsystemen auf bestimmte Denkrichtungen festgelegt ist. Letzteres ist übrigens der Grund, warum ich zunächst nicht alte Literatur »entstaubt« habe.

Das geometrische Prinzip der mit dem Umlauf auf dem Zylindermantel verstellten Flächen (zum Beispiel Segelrad nach Professor Wellner) ist bereits in einer echten technischen Anwendung für das Wasser als V.-Schneider-Propeller seit langem bekannt, und zwar so bekannt, daß auch die SPIEGEL-Redakteure Herr Müller und Herr Petermann, deren technisches Grundwissen und logisches Denkvermögen ich ehrlich bewundert habe, in ihrem Artikel darauf nicht nochmals hingewiesen haben. Da die Kaletsch-Rotoren zwar dieses Prinzip mitverwenden, das Neue der Idee der Kaletsch-Rotoren aber auf einer ganz anderen Ebene liegt, was aus dem SPIEGEL-Artikel übrigens klar hervorgeht, ergab sich für mich von Anfang an die bange Frage, ob wohl im Patentverfahren aus dem sogenannten »papierenen Stand der Technik« Patente auftauchen könnten, in denen dieses System der verstellbaren Flächen für die Luftfahrt geschützt worden wäre. Die von Ihnen, Herr v. Langsdorff, gefundene Literaturstelle beweist ganz eindeutig, daß derartige Patente zu Unrecht erteilt worden wären, was patentrechtlich Störungen für das Neue der Idee der Kaletsch-Rotoren ausschließt.

Lollar (Hessen) DR. REINHOLD KALETSCH

Ein ähnliches Projekt entwarf der Innenarchitekt Wischniewski (Berlin, Pariser Platz) 1930/31, bei dem nicht Flügel flirren, sondern die Flügel - anstatt eines Propellers - rotieren sollten. Seine Berechnungen waren eindrucksvoll, so daß der amtierende Verkehrsminister (Treviranus) beschloß, einen Entwicklungsauftrag zu geben. Da er am nächsten Tage sein Amt einbüßte, wurde dieser Auftrag auf Veranlassung der zu ständigen Abteilung des Reichsverkehrsministeriums - die übrigen auch gegen den Bau der Autobahnen ein gestellt war - unterdrückt.

Hamburg DR. H. FRITZ BERGE

Kaletsch, Modell

Rohrbach-Modelle

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