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US-Juden über Israel empört

aus DER SPIEGEL 12/1987

Die Affäre um Jonathan Jay Pollard, 32, den zu lebenslanger Haft verurteilten amerikanischen Marine-Abwehrspezialisten, der für Israel spionierte, erbost nicht nur die US-Regierung, sondern auch die Mehrheit der sechs Millionen US-Juden. Den Eklat hatten die Israelis selbst herausgefordert, indem sie die Verantwortlichen für die Affäre auch noch demonstrativ beförderten: Pollards früherer Abwehrchef Rafael Eitan wurde Direktor eines staatlichen Chemiekonzerns; der Führungsoffizier des Spions aus zionistischer Überzeugung, Aviem Sella, wurde Chef von Israels zweitgrößter Luftwaffenbasis. Nun klagen aufgebrachte Juden in Amerika über »Israels Frechheit« ("The Washington Post"). »Die Zeit ist gekommen festzustellen, daß Amerika für die Juden ein besserer Platz ist als Israel«, so Rabbi Jacob Neusner. 40 Vorsitzende großer jüdischer Organisationen in den USA wollen in Jerusalem gegen »Israels Talent zur Selbstzerstörung« protestieren. Der Judenstaat will seinen Gönner USA durch die Einsetzung einer Untersuchungskommission besänftigen. Doch das ist für Washington noch keine Genugtuung: Israel müsse mit Eitan und Sella ebenso verfahren wie Amerika in der Iran-Affäre: Die Missetäter Poindexter und North verloren ihren Job.

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