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Uwe Barschel

aus DER SPIEGEL 19/1985

Uwe Barschel, 40, Ministerpräsident in Schleswig-Holstein, ist stets daran gelegen, die »Regeln der Höflichkeit« zu wahren. Nur deshalb kam er, obschon als Privatmann zu einem kurzen Urlaubstrip auf Gran Canaria, auch prompt dem Wunsch nach, der feierlichen Eröffnung des »modernen Komforthotels« Bahia Feliz im Süden der Insel »ein bißchen einen offiziellen Anstrich zu geben« (Hotelmanager Karl-Heinz Andryzek). Der Kieler Christdemokrat übergab ein Monument »Turismo y Autonomia« seiner Bestimmung, ein künstlerisch arrangierter Platz, der auf Betonsäulen die Wappen der 17 autonomen Regionen Spaniens und der Zentralregierung in Madrid zeigt. Eine Marmortafel zeugt vom offiziellen Auftritt des Urlaubers: »Übergeben vom Ministerpräsidenten des deutschen Bundeslandes Schleswig-Holstein«. Die Freundlichkeit Barschels bescherte dem Hotel eine gute Presse und der deutschen Muttergesellschaft, der Berliner Botag, einen Werbegag auf der Suche nach Aktionären für den »Wachstumsmarkt Tourismus«. Vorstandsvorsitzender der Botag und, verborgen hinter verschachtelten Eigentumsverhältnissen, hauptsächlicher Nutznießer der prominenten Fürsprache auf Gran Canaria ist der Berliner Baulöwe Rolf Lechner, »seit vielen Jahren« eng mit Barschel »befreundet«. Der hält seine Hilfe für Zufall, aber auch für »selbstverständlich« - weil sonst die Spanier »in ihrem Stolz zutiefst verletzt« worden wären.

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