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Valéry Giscard d'Estaing

aus DER SPIEGEL 45/2000

Valéry Giscard d'Estaing, 74, früherer Staatspräsident in Frankreich, machte seinem Ruf alle Ehre, einer der schärfsten politischen Analytiker der Republik zu sein - mit gelegentlichem Hang zum Skurrilen. In seinem jetzt erscheinenden Buch-Neuling »Les Français« seziert Giscard d'Estaing zunächst messerscharf den »politischen Niedergang« Frankreichs. Dann folgt die detaillierte Schilderung einer Bistro-Begegnung mit einem Engländer in Paris, der ihm so ähnelt, dass eine Passantin erstaunt ausruft: »Wie merkwürdig, der hat ja den Kopf von Giscard.« Aufklärung bahnt sich an, als sein Bier trinkender Gast auf eine Autogrammbitte hin einen Gänsekiel zückt und den in Ermangelung von Tinte in Giscards Kaffee tunkt. Der Brite ist ein kongeniales Phantom: Edmund Burke (1729 bis 1797), Politiker, Essayist und Feind der Französischen Revolution, ist aus dem Jenseits zurückgekehrt, um den Polit-Literaten zu beauftragen, die »andere, die wahre« Geschichte Frankreichs zu schreiben, eben »Les Français«. Ein prominenter Buchkritiker sieht die Bistro-Begegnung der dritten Art nüchtern: »Giscard ist endgültig übergeschnappt.«

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