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Briefe

Verachtende Haltung
aus DER SPIEGEL 44/2000

Verachtende Haltung

Nr. 42/2000, Nahost: Blutbad im Heiligen Land - Der Hass hat gesiegt

Die Unruhen sind nicht durch den Besuch Scharons auf dem Tempelplatz ausgelöst worden. Arafat wollte nicht ohne einen Knallpunkt die Gespräche mit Barak abschließen, dessen letztes Angebot er ablehnte. Da kam ihm der Auftritt Scharons wie gerufen. Warum erwähnt Ihr Bericht nicht den erschossenen israelischen Grenzpolizisten, der sich zu einer Pause niederließ und von einem palästinensischen Kollegen, mit dem er gemeinsam Streife fuhr, erschossen wurde - einer der Zwischenfälle vor Scharons Tempelplatzbesuch -, oder die Aufrufe führender muslimischer Geistlicher: Tötet die Juden, wo ihr sie trefft! LUDWIGSBURG (BAD.-WÜRTT.) EBERHARD TSCHEPE

Es waren nicht die arabischen Mitbürger, die Gewaltpotenzial gezeigt haben. Es waren die israelischen Polizisten, die auf ihre arabischen Bürger mit israelischem Pass auf einer friedlichen Demonstration geschossen haben (das erste Mal in 50 Jahren), und es waren israelische Siedler, die die Altstadt von Nazaret und andere arabische Viertel in Israel und dem Westjordanland gestürmt, Menschen verletzt und getötet haben, Moscheen und Geschäfte zerstört haben.

TÜBINGEN MARTINA WAIBLINGER

Die rechten und linken Parteiblöcke in Israel unterscheiden sich zwar in vielen Fragen erheblich, jedoch ihre verachtende Haltung den Palästinensern gegenüber ist prinzipiell gleich. Die Rechten sagen offen, dass sie die Palästinenser verachten und keinen Frieden mit ihnen schließen wollen oder können. Die Linken sagen, dass sie die Palästinenser zwar nicht mögen, aber mit ihnen »Frieden« machen müssen. Um dies zu erreichen, wollen sie die Palästinenser erst »friedensreif« demütigen und ihnen dann diesen »Frieden« diktieren, aber nicht aushandeln.

RECKLINGHAUSEN DR. A. HUSSEIN

Seit der Vereinbarung »Land gegen Frieden« 1993 werden die Palästinenser an der Nase herumgeführt, denn Israel will beides: Land und Frieden!! Die Uno-Resolutionen gegen Saddam Hussein wurden damals zu Recht mit brachialer Gewalt durchgesetzt. Aber bei den Uno-Resolutionen, die Israel auffordern, die besetzten Gebiete zurückzugeben, drückt der Westen seit 1967 beide Augen zu. Das palästinensische Blut ist eben billiger als das Golf-Öl!

NEUNKIRCHEN (SAARLAND) DR. A. RIFAI

Wir sind es gewohnt, dass man vor Gericht zieht, wenn der Nachbar unerlaubt etwas durch den Zaun wachsen lässt. Wenn aber Palästinensern ihr Land genommen wird, raten unsere politisch korrekten Kabinettsmitglieder zur »Mäßigung« beider! Seiten.

AICHACH (BAYERN) ALOIS FREKO

Wenigstens sollten die Palästinenser, die ihre Kinder in paramilitärische Camps schicken und bis zu den Zähnen bewaffnet an den Straßenkämpfen teilnehmen lassen, für Helm und Weste sorgen. Es wären dann natürlich auch nicht so viele Tote zu beklagen, und Arafat könnte keine Krokodilstränen weinen. Kann denn die Uno, die immer so schnell bereit ist, Israel zu verurteilen, nicht Arafat des Kindesmissbrauchs anklagen?

TEL AVIV GABRIELA OSTROMETZKY

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