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Verbotene Nähe

aus DER SPIEGEL 24/1994

Ghada Turk, 23, libanesische Studentin und Miss Libanon des Jahres 1993, traf dieser Tage wieder in ihrer Heimat ein. Doch nicht als stolze Teilnehmerin an der Wahl zur Miss World in Südafrika im November vorigen Jahres wurde die Schöne empfangen, sondern als geächtete Rückkehrerin aus dem Exil. Direkt nach ihrer Ankunft auf dem Flughafen Beirut wurde sie zu einem libanesischen Militärgericht transportiert. Der Vorwurf lautete: Kollaboration mit dem Feind. Ihre Untat: Bei den Miss-World-Wahlen hatte sie gemeinsam mit Miss Israel, Tamara Porat, 18, in die Kameras gelächelt. Beim Fototermin war die Libanesin noch arglos: »Erst als ich am nächsten Tag in die Zeitungen schaute, wußte ich, daß Schreckliches passiert war.« Libanesische Zeitungen hatten das Foto auf Seite eins veröffentlicht und zeterten »Skandal«, die Schönheitskönigin habe »eine Normalisierung zwischen unserem Land und Israel« angestrebt - Hochverrat im Nahen Osten. Ein Onkel verschaffte Ghada Turk eine Aufenthaltsgenehmigung für Großbritannien. Inzwischen ist die Hysterie abgeflaut. Nach ihrer Ankunft wurde Miss Libanon von einem Militärrichter zweieinhalb Stunden verhört und belehrt: Auf ihr Verbrechen, das bei Wohlverhalten nicht weiter verfolgt werde, stünden 3 bis 15 Jahre Kerker.

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