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PRESSERECHT »Verbrannte Rechte«

Der Bonner Rechtsanwalt Gernot Lehr, 43, der Prominente und Medien berät und vor Gericht vertritt, über die Prozess-Serie zwischen Caroline von Monaco und der Boulevardpresse
aus DER SPIEGEL 44/2000

SPIEGEL: Herr Lehr, am Dienstag dieser Woche geht vor dem Bundesgerichtshof (BGH) eine lange Prozess-Serie zwischen Caroline von Monaco und der »Bunten« zu Ende. Die Klatschillustrierte hatte drei Caroline-Fotos gedruckt. Warum dauert der Streit eigentlich so lange?

Lehr: Weil Caroline sich an das Bundesverfassungsgericht gewandt hatte. Dort bekam sie bezüglich dieser drei Fotos Recht, weil ihre Kinder mit abgebildet waren. Diesen Umstand hatte der BGH zuvor nicht ausreichend berücksichtigt.

SPIEGEL: Schlechte Zeiten für die Boulevardpresse?

Lehr: Nicht grundsätzlich. Man darf nicht übersehen, dass das Verfassungsgericht auch mehrere Beschwerden zurückgewiesen hat, mit denen Caroline und ihr Mann Ernst August von Hannover weitere Verbote durchsetzen wollten. Die Verfassungsrichter zwingen die Gerichte jedoch zu einer besonders sorgfältigen Abwägung zwischen Pressefreiheit und Persönlichkeitsrechten im jeweiligen Einzelfall.

SPIEGEL: Ein Bild von Carolines Sohn beim Einkaufsbummel durfte nicht gedruckt werden, dafür aber ein Foto, auf dem die Prinzessin im Strandbad stolpert. Wo ist da der Maßstab?

Lehr: Caroline hatte sich als Erwachsene freiwillig in der Öffentlichkeit gezeigt. Und die Richter werteten das Bild mit ihrem Sturz nicht als herabwürdigend. Kinder dagegen genießen einen besonderen Schutz, weil sich ihre Persönlichkeit erst noch entwickeln muss.

SPIEGEL: Der »Bunten« wurde sogar verboten zu schreiben, dass Carolines Sohn Fußball mag.

Lehr: Über minderjährige Kinder von Prominenten sollte man am besten gar nicht mehr berichten.

SPIEGEL: Es sei denn, die Promis bitten zur Homestory.

Lehr: Wenn Prominente sich und ihre Kinder selbst ständig gezielt in den Klatschspalten präsentieren, ist ihr Persönlichkeitsschutz gewissermaßen verbrannt. Dann dürfen auch andere Medien freier berichten. Die Schutzrechte gegenüber der Presse sind nicht dafür da, dass Prominente den Marktwert ihrer Exklusivstorys steigern.

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