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FRANKREICH Verbrecherische Beschneidung

aus DER SPIEGEL 7/1999

Eine scheinbare Idylle im Pariser Justizpalast - Afrikanerinnen in malerischer Landestracht, schläfrige Gendarmen - soll diese Woche mit einem donnernden Echo enden. In einem Schwurgerichtsprozeß wegen verbotener Beschneidung von etwa 50 Mädchen im Alter von wenigen Monaten bis zu zehn Jahren fallen die Urteile gegen 26 Frauen aus dem westafrikanischen Mali. Zum erstenmal hat ein Opfer, die jetzt 22 Jahre alte Jurastudentin Mariatou K., wegen der grausamen Genitalverstümmelung Strafanzeige gegen die eigene Mutter und deren Clan gestellt. Die Hauptangeklagte, die professionelle Beschneiderin Awa »Mama« Greou, 52, muß wegen schwerer vorsätzlicher Körperverletzung an Minderjährigen mit 15 Jahren Gefängnis rechnen. Nach Expertenschätzung werden in Afrika und der islamischen Welt täglich etwa 6000 Mädchen aus kulturellen und religiösen Motiven die Klitoris und die kleinen Schamlippen abgeschnitten. Zahlreiche Pariser Prozeßbeobachter hoffen nun auf eine abschreckende Wirkung des Verfahrens: Beschneidungen, die in Frankreich zwar schon aufgrund eines Gesetzes von 1984 verboten waren, aber kaum geahndet wurden, sollen nicht mehr als Brauchtum geduldet, sondern als Verbrechen bestraft werden.

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