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Briefe

Verfassungstreue
aus DER SPIEGEL 48/1971

Verfassungstreue

(Nr. 45/1971, Fahndung)

Verständlich, wenn unsere Fahnder fluchen. Obwohl in jeder Stadt sie suchen, Konnten sie weder vorn noch hinten die Baader-Meinhof-Gruppe finden -- werden sogar noch umgebracht, so ein Dienst keine Freude macht; ist allenfalls für »Pressezaren« interessant, weil sie horrende Schlagzeilen zur Hand. Ein (")Bild(")-Konsument am Fernsehschirm mit Kummerfalten auf der Stirn, wird übern Äther inspiriert:

Ein Bandenmitglied man ihm serviert. »Ruhe und Ordnung -- alles ist hin«. Der Arbeitsdienst geht ihm nicht aus dem Sinn. Und er gedenkt wehmütig all jenen Tagen, als man sich (zum Beispiel) noch

ohne Pistole ins Flugzeug konnt' wagen. Weil diese »Heil(e)«-Zeit schon lange tot, ruft er nach neo-autoritärer »Führung« in seiner Not.

Wartet da nicht einer im »Wienerwald« -- bekanntlich bis der Ruf erschallt?

Kelsterbach (Hessen) JÜRGEN ANTES

Aus dem Sportschützen-Verein bin ich ausgetreten, das Kleinkalibergewehr ist vergraben, die Luftpistole auch. In demselben Loch liegen sämtliche Werkzeuge und Heizungsrohre. Stadtpläne und die gesamte Literatur. ausgenommen »Wie werde ich ein guter Staatsbürger?«, sind verbrannt. Radio einem unsympathischen Bekannten geschenkt, Karnevalskostüm zur Pfandleihe gebracht und den weißen Plastikhelm meines radelnden Söhnchens braun gestrichen. Im Laufe der nächsten Woche werde ich beim Bundesverfassungsgericht eine schriftliche Bestätigung meiner Verfassungstreue beantragen und -- dann mag die Polizei kommen! Aber -- vielleicht bin ich dann so unverdächtig, wie es nur ein mit allen Wassern gewaschener Spion sein kann? So warte ich also ergeben auf meine Festnahme!

Saarbrücken HANS PETER BORDIEN

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