Teil der Nato-Kampfgruppe Deutschland stationiert Kompanie in der Slowakei

Die Bundeswehr wird mit einer Kompanie in der Slowakei die Nato-Ostflanke verstärken. Das kündigte Verteidigungsministerin Lambrecht an. Nach SPIEGEL-Informationen soll zudem bald eine Kompanie in Litauen stationiert werden.
Stationierung in der Slowakei wird »zügig in Gang gesetzt«

Stationierung in der Slowakei wird »zügig in Gang gesetzt«

Foto: Björn Trotzki / imago images/Björn Trotzki

Im Rahmen der Verstärkung der Nato-Ostflanke hat Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) die Stationierung einer Kompanie in der Slowakei angekündigt. Diese werde »zügig in Gang gesetzt«, sagte Lambrecht am Freitagabend in einer ZDF-Sondersendung zum Krieg in der Ukraine. Deutschland werde sich so bei der Aufstellung einer Battlegroup und auch bei der Luftverteidigung engagieren. Dies habe sie in einem Gespräch mit ihrem slowakischen Amtskollegen vereinbart. Ebenso in die Slowakei sollen laut Verteidigungsministerium auch mehrere »Patriot«-Systeme zur Flugabwehr verlegen.

Wohl auch Kompanie-Entsendung nach Litauen geplant

An der Nato-Einheit in der Slowakei, die ähnlich wie bereits im Baltikum und in Polen mit gut 1000 Soldaten eine sogenannte Vornepräsenz (»Enhanced Forward Presence«) des Bündnisses aufbauen soll, werden sich wohl auch andere Nationen beteiligen. Parallel plant die Bundeswehr nach SPIEGEL-Informationen, eine weitere Kompanie und das leichte Flugabwehrsystem »Ozelot« zur Unterstützung der baltischen Staaten nach Litauen zu schicken. Dort führt die Bundeswehr bereits seit 2017 einen gemischten Gefechtsverband, derzeit mit fast 1000 Soldaten.

Am Freitagabend hatte die Nato bekannt gegeben, zu Abschreckung Russlands Einheiten ihrer schnellen Einsatztruppe NRF nach Osteuropa zu verlegen. Das kündigte Generalsekretär Jens Stoltenberg nach einer Videokonferenz der Staats- und Regierungschefs der 30 Bündnisstaaten an. Er sagte zunächst nicht, wohin die Einheiten verlegt werden sollen. Er sprach lediglich von mehreren Tausend Soldaten, die auf dem Land, auf der See und in der Luft im Einsatz sein sollten.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa könnten Bodentruppen in das südwestlich der Ukraine gelegene Rumänien geschickt werden. Ohnehin geplant ist, NRF-Einheiten zu einer Übung in das an Russland grenzende Nato-Land Norwegen zu entsenden.

Es sei das erste Mal, dass Teile der NRF im Zuge der Abschreckung und Verteidigung des Bündnisgebiets verlegt würden, sagte Stoltenberg. Die Staats- und Regierungschefs der 30 Mitgliedstaaten betonten in einer Erklärung, die Maßnahmen seien »präventiv, verhältnismäßig und nicht eskalierend.«

Bundeswehr offenbar nicht direkt betroffen

Die Bundeswehr ist von den in Brüssel genannten Plänen vermutlich vorerst nicht direkt betroffen. Deutschland stellt zwar dieses Jahr 13.700 Soldaten für die »Nato Response Force« (NRF), die besonders schnell verlegbare »Speerpitze« (VJTF) aber besteht hauptsächlich aus französischen Soldaten. Trotzdem hat die Truppe bereits Vorbereitungen getroffen, falls der Nato-Oberbefehlshaber, der US-General Tod Wolters, auch die deutschen Teile der Nato-Eingreiftruppe abruft.

Die USA hatten bereits in den letzten Wochen mehrere tausend Soldaten mit schwerem Gerät nach Osteuropa verlegt. Zwar gibt es keine konkreten Hinweise, dass Russland nach der Invasion in der Ukraine auch Nachbarstaaten wie die Nato-Partner Polen und die Länder des Baltikum angreifen könnte. Allerdings sind die Nato-Nationen alarmiert, da mittlerweile zehntausende russische Truppen in Belarus und damit direkt an der Nato-Ostflanke stationiert sind.

Auch Unterstützung auf See

Zusätzlich zu den Truppen will Deutschland der Nato zwei Kriegsschiffe, eine Fregatte und eine Korvette, zur Verfügung stellen, diese werden sich vermutlich in Nato-Verbände in der Ost- oder Nordsee einreihen.

Die Nato-Länder hatten schon in den vergangenen Wochen Anstrengungen unternommen, um ihre Präsenz in Osteuropa deutlich zu verstärken, nachdem der russische Präsident Wladimir Putin zehntausende Soldaten an die Grenzen der Ukraine entsandt hatte. Am Donnerstag begann dann der Einmarsch. Deutschland hatte zuvor bereits sein Kontingent in Litauen auf nun fast tausend Soldatinnen und Soldaten aufgestockt. Als Reaktion auf den russischen Einmarsch verdoppelte die Bundeswehr am Donnerstag auch die Zahl der in Rumänien stationierten Eurofighter zur Luftraumüberwachung.

mgb/sol/AFP/Reuters