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PERSONALIEN Veruschka Gräfin von Lehndorff, Hans Apel, Richard Nixon, Kim Il-sung, Ulrich Caspar, Manfred Schüler, Amy Carter, Hans Werner Henze, Otto Schlezak, Feisal Mohammed al Saud

aus DER SPIEGEL 17/1977

Veruschka Gräfin von Lehndorff, 37, Modell aus preußischem Adel, tritt als Stripperin vor die Kamera -- in Francis Weyergans« Streifen »Flesh Color«. Von der Zusammenarbeit mit dem belgischen Regisseur erhofft sich die Gräfin mehr Filmruhm, auch ihr nächstes Lichtspiel will sie unter seiner Leitung drehen: »Es ist gut, immer mit derselben Person zu arbeiten; ohne Ingmar Bergman wäre Liv Ullmann auch nicht das, was sie heute ist.« Gleichwohl versucht Veruschka auch auf anderem Gebiet zu Ehren zu kommen: Sie bereitet eine Auswahl Photographien ihres bemalten Körpers vor, die schon bald in einem Buch erscheinen sollen.

Hans Apel, 45, Bonns Finanzminister, ließ sich während des Osterurlaubs an der Ostsee als Lebensretter feiern. Bei einer Segeltour von Grömitz nach Heiligenhafen fischten Apel und seine Urlaubsbekannten (ein Malermeister, ein Bauunternehmer) bei Windstärke fünf zwei Düsseldorfer aus dem Wasser, die mit ihrem Boot beim Angeln gekentert waren. Die Kunde von der Apel-Aktion stand tags darauf in bundesdeutschen Boulevard-Blättern ("Minister Apel rettet Ertrinkende"). Autor: Apel-Freund und Journalist Volker Bredenberg, den der Minister nach der Tat flugs informierte. Textauszug: »Plötzlich verfinsterte eine schwarze Wolke den Himmel. »Ich habe achtern Hilferufe gehört«, schreit Apel. Bootsbesitzer Weszeler greift zum Fernglas. Dann das Kommando: »Alle Segel runter! Gegenkurs! Motor auf volle Touren!"«

Richard Nixon, 63, ehemaliger US-Präsident, der zur Zeit mit dem britischen Talkmaster David Frost ein sechsstündiges TV-Interview aufzeichnet und dafür 600 000 Dollar kassiert, denkt bisher gar nicht daran, wie geplant, über Watergate-Intimitäten und seinen Rücktritt zu plaudern. Obwohl schon mehr als zwei Drittel des Programms aufgezeichnet sind, hat Frost den Ex-Präsidenten bisher nur über dessen Außenpolitik monologisieren lassen und kaum aggressive Fragen gestellt. Insider befürchten deshalb, das Interview mit dem Watergate-Präsidenten könnte für die Zuschauer und die Fernsehanstalten ein Reinfall werden.

Kim Il-sung, 65, Präsident und KP-Chef der Volksrepublik Korea, beschenkte an seinem Geburtstag am 15. April 40 000 Beamte und Funktionäre aus Regierungsapparat und Partei mit goldenen Armbanduhren. Den Großauftrag für die Geburtstagsaktion hatte ein Schweizer Unternehmen bekommen, zugleich mit der Order, die Porträts des Vorsitzenden und dessen Sohnes Kim Tschung-il aufs Zifferblatt zu drucken. Doppelbildnis und Präsent zum Jubeltag hatten politischen Hintergrund: Partei- und Regierungsgewalt sollen auch nach Vater Kims Rücktritt im Familienbesitz bleiben und vom Sohn weitergeführt werden. Durch das Uhrengeschenk wurden nun auch mittlere und kleinere Funktionäre auf

den möglicherweise bald fälligen Wechsel in der Parteispitze vorbereitet.

Ulrich Caspar, 20, stellvertretender Kreisvorsitzender der Frankfurter Jungen Union, will den ermordeten Generalbundesanwalt Siegfried Buback postum ehren und stellte bei der CDU-Mehrheitsfraktion im Römer den Antrag, die vielbefahrene Frankfurter »Rosa-Luxemburg-Straße« in »Siegfried-Buback-Straße« umzubenennen. Der JU-Junge glaubt den richtigen Platz für eine Namensänderung gefunden zu haben, denn »Rosa Luxemburg war schließlich eine jener »geistigen Terroristen«, die zu solchen politisch motivierten Gewalttaten und Brutalitäten aufgerufen hat, wie man sie bei der grausamen Ermordung des Generalbundesanwalts hat erleben können«. Manfred Schüler, 43, Chef des Bonner Bundeskanzleramtes, läßt derzeit im Park des Palais Schaumburg schießen -- auf wilde Karnickel. Der Schmidt-Intimus gab die Tiere zum Abschuß frei, weil sie in den Blumenbeeten des Kanzler-Sitzes ständig Schaden anrichten. Geschossen wird freilich nur sonntags morgens um fünf, und das auch nur, wenn Hausherr Helmut Schmidt woanders weilt. Für die Verwendung der Strecke ist gesorgt; sie wird an Angestellte des Amtes verteilt. Amy Carter, 9, Tochter des US-Präsidenten, mußte sich im Garten des Weißen Hauses gemeinsam mit ihrem Neffen Jason Carter, 2, im neuerstellten Baumhaus zum Phototermin einfinden. Auf Amys Wunsch hatte Vater Jimmy das Holzgerüst in einer alten Zeder bauen lassen, weil es im Weißen Haus kaum Spielgelegenheiten gibt. Die Gegenleistung verlangte der Pressestab des Präsidenten. der die Kleine ohnehin zum festen Bestandteil seiner Öffentlichkeitsarbeit gemacht hat, und vereinbarte mit Washingtoner Photographen den Termin.

Hans Werner Henze, 50, avantgardistischer Komponist ("Das Floß der Medusa"« »Wir erreichen den Fluß"), kapitulierte als Dirigent in der vergangenen Woche vor Klassischem: Vier Tage vor der Premiere der von Götz Friedrich an der Hamburger Staatsoper neuinszenierten »Zauberflöte« gab Henze auf. Während der Proben hatte es »atmosphärische Schwierigkeiten« mit dem Orchester gegeben, angeblich auch Beschwerden über Henzes handwerkliches Können als Dirigent. Der Meister selbst in einem Interview: »Ich bewundere generell das Handwerk der Profis, das mir vollkommen fehlt.«

Otto Schlezak, 65, Autor und ehemaliger russischer Kriegsgefangener, will seine Erinnerungen vermarkten. Zielgruppe laut Verlagswerbung: »Drei Millionen Kriegsgefangene, Hinterbliebene, Soldaten, alle Menschen, die die Wahrheit suchen«. Der Titel der Lager-Memoiren »Ljub twoju matsch« (Ich liebe deine Mutter) liegt freilich neben dem Anliegen: Schlezak wollte mit dem Russen-Schimpfwort »Job twoju matj« (zahm übersetzt: Ich bumse deine Mutter) auf der Titelseite um Leser werben, doch das war dem Mannheimer Adam Kraft Verlag für die deutsche Lesergemeinde zu pornographisch. Verlagsleiter Johann Schneider: »Gewisse Kreise könnten Anstoß daran nehmen, und wer das Buch liest, weiß ohnehin, was gemeint ist.«

Feisal Mohammed al Saud, 38, Prinz von Saudi-Arabien, der in der saudiarabischen Armee den Rang eines Oberstleutnants bekleidet, läßt sich zwei Jahre lang in Georgia und North Carolina von US-Ausbildern militärisch auf Vordermann bringen, um bei der Rückkehr im nächsten Jahr in der 40 000-Mann-Armee führende Auf gaben zu übernehmen. Ehefrau Asija, die mit in die Staaten kam, sieht ihren Prinzen zur Zeit selten, denn neben dem normalen Ausbildungspensum läuft der rund zwei Zentner schwere Feisal täglich bis zu 40 Kilometer (Photo) -- um in Kondition zu bleiben und seine Gewichtsprobleme im Rahmen zu halten.

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