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PERSONALIEN Veruschka Gräfin von Lehndorff, Kurt Ziesel, Shirley Anita Chisholm, Henry Frederick Marquess of Bath

aus DER SPIEGEL 47/1971

Veruschka Gräfin von Lehndorff, 32, Modell, spricht nicht mit jedem. Nachdem sie bei der Eröffnung einer Münchner Boutique zwei Stunden lang die andere Halb-Prominenz auf Distanz gehalten hatte, bat ein Photograph die Aristokratin, die in Jaguar-Umhang und schwarzem Kleid mit hüfthohem Schlitz (Münchens »Abendzeitung": »Man kann auch ein Stück Popo sehen") erschienen war: »Können Sie mal einen Sprung rüberkommen? Dort steht Barbara Valentin.« Veruschka gab zu verstehen, daß ihr das Ex-Sex-Symbol unbekannt sei. Der Lichtbildner: »Frau Valentin hat auch einen Pelz an. Ozelot.« Veruschka: »Die kann ja herkommen.« Sie kam, doch Veruschka tat, als verstehe sie immer noch nicht: »Was haben denn wir miteinander zu tun?« Die Valentin: »Der Photograph meint, Pelz zu Pelz, ein nettes Photo.« Später erklärte die Gräfin ihre Kühle: »Leute, die schön sind, spreche ich selber an. Hier habe ich noch keinen schönen Menschen entdeckt.«

Kurt Ziesel, 60, Vereinsvorsteher der »Deutschland-Stiftung e. V.«, kann sich der bayrischen Justiz nicht unbeschränkt bedienen. Der Rechts-Anwalt, dessen Verein das -- vom bayrischen Kultusministerium protegierte -- »Deutschland-Magazin« (SPIEGEL 46/1971) mit unablässigen Angriffen auf Kanzler Willy Brandt (Ziesel: »Ein ahnungsloser Parzival") herausgibt, hatte in München durch einen Trick in einer einstweiligen Verfügung blockieren lassen, was der nordrhein-westfälische SPD-Abgeordnete Helmut Hellwig in einem Leserbrief an die Lokalausgabe der »Westdeutschen Allgemeinen« in Wanne-Eickel geschrieben hatte: »Das Magazin ist schlicht gesagt ein Hetzblatt übelster Sorte. Es knüpft ... an Traditionen an, auf die sich auch der NS- »Stürmer« zu Recht beziehen durfte.« Ziesels Trick: Über eine Mittelsperson ließ er sich -- von der CDU in Wanne-Eickel alarmiert -- das Lokalblatt nach München schicken, um so die Zuständigkeit eines bayrischen Gerichts zu konstruieren. Die 8. Zivilkammer des Landgerichts München I hob die Verfügung auf und verurteilte Ziesels Vorgehen als »arglistiges Erschleichen des Gerichtsstandes«, denn: »Auch das Prozeßrecht wird von den Grundsätzen von Treu und Glauben beherrscht.« Anthony Herbert, 41, (wegen seiner Meldungen über Grausamkeiten in Vietnam strafversetzter) US-Oberstleutnant, mußte sich vor seiner Entlassung noch schikanieren lassen. Der Berufsoffizier, erst kürzlich weitgehend rehabilitiert, wurde nach der Wiederholung einer Fernsehsendung, in der er über seine Erfahrungen mit der US-Army berichtet hatte, von seinem Vorgesetzten, Oberst Tom Reid, in korrektem Grüßen unterrichtet: »Finger zusammen!« Herbert: »Ich denke, sie sind zusammen, Sir.« Reid: »Neigen Sie die Hand starten Herbert: »Ich denke, sie ist genügend geneigt, Sir.« Reid: »Halten Sie die Finger so, daß man sie sehen kann!« Herbert: »So richtig, Sir?« Reid: »Sie nuscheln das Wort »Sir. Sprechen Sie deutlich!« Demütigungen dieser Art wird Herbert nicht mehr lange ertragen müssen: Er tritt in den Stab des demokratischen Bewerbers um die Präsidentschaftskandidatur« George McGovern ein, für den Herbert ein »Mann ist« der das Beste in der amerikanischen Armee personifiziert«. Heinrich Gewandt, 45, CDU-Mittelstandsexperte im Bundestag, hat die Lust am Opponieren verloren. Der Christdemokrat mutlos: »Die Opposition ist Mist -- gestritten haben wir uns auch früher, aber wenn etwas dabei herauskam, wurde es ein Gesetz, jetzt wird es nur eine Alternative.«

Shirley Anita Chisholm, 46, farbige Abgeordnete im US-Kongreß mit Ambitionen aufs Präsidentenamt, schloß -- nicht von sich -- auf andere. Als ihr Fraktions-Kollege Edward Koch anfragte, ob sie ihn -- nach ihrer (höchst unwahrscheinlichen) Nominierung -- als Sozius akzeptieren würde, beschied die Demokratin: »Nein, Ed. Ich glaube nicht, daß dieses Land reif ist für einen jüdischen Vizepräsidenten.«

Henry Frederick Marquess of Bath, 66, britische Touristen-Attraktion mit über 4000 Hektar Landbesitz und einem Löwen-Freigehege, will von Adolf Hitler profitieren. Vergangene Woche kündigte der Adlige ("Hitler hat sehr viel für das deutsche Volk getan") die Eröffnung eines Führer-Gedenkraums in seinem Schloß Longleat (Grafschaft Wiltshire) an. Auf gut 22 Quadratmetern gedenkt er gegen Entgelt zu zeigen, was sich in elf Jahren zusammentragen ließ: 45 von Hitler signierte Aquarelle (Durchschnittspreis: 1668 Mark), drei kleine Ölgemälde, eine Hitler-Büste, die Erst-Ausgabe von »Mein Kampf« und eine angebrannte Serviette, angeblich aus dem Führerbunker, mit den Initialen A. H. Noch fürchtet der Lord den Publikumsverkehr: »Es könnten einige dumme Jungs alles kurz und klein schlagen.« Aber: »In zwei Jahren wird die Öffentlichkeit eher bereit sein, solch eine Ausstellung zu würdigen.«

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