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Briefe

VERZICHT-POLITIKER
aus DER SPIEGEL 6/1965

VERZICHT-POLITIKER

Wie also Herr Augstein feststellt, wollen die Bundesregierung und die SPD die Deutschlandfrage (Wiedervereinigung) nicht zum Thema des Wahlkampfes machen. Diese Parteien wollen also unsere Stimmen, denken jedoch nicht daran, vor der Wahl über unsere nationalen Lebensinteressen zu sprechen! Allein durch diese Tatsache haben sie bereits das Recht verwirkt, als künftige Volksvertretung zu fungieren.

Konstanz WERNER KRIEG

Herr Augstein als politischer Hellseher! in seinem Artikel »Ist die Wahrheit unbekömmlich?« schreibt er unter anderem: »Auch damals (1961) standen Wahlen ins Haus. Hätten die Deutschen damals freiwillig angeboten, was die Alliierten heute empfehlen und praktizieren, die Mauer wäre wohl schwerlich gebaut worden.« Diese politische Hellseherei, ein wenig getrübt durch das Wörtchen »wäre«, ist nach dreieinhalb Jahren geradezu umwerfend. Solch hellseherischer Kopf fehlt allerdings dem Bundestag. Herr Augstein wäre der rechte Mann. Als politischer Hellseher wirksam auf der »Tribüne« des Nachrichtenmagazins und tätig auf der Tribüne des Bundestags, das müßte zum Nutzen der Nation sein. Jetzt ist die Zeit, da neue Kandidaten für den 5. Bundestag aufgestellt werden. Also

Mut gefaßt, Herr Augstein, die FDP sucht bestimmt noch Kandidaten mit hellseherischen Qualitäten.

Berlin MAX SEIDEL

Der gesamte SPD-Vorstand soll vor den Kadi zitiert werden. Wegen verbotswidrigen Rechts-Überholens.

München HARTMUT LÜCK

Zu Ihrem Beitrag möchte ich Ihnen meinen herzlichsten Glückwunsch aussprechen. Wort für Wort wird jeder vernünftige, vaterlandsliebende Mensch Ihre Argumente gutheißen. Ich finde es einfach unbegreiflich, daß die Regierung in Bonn dem Volke hier in der Bundesrepublik etwas vormachen will, woran selbst 95 Prozent der Flüchtlinge nicht mehr glauben.

Schellerten (Nieders.) JUPP WEPPNER

Wenn wir heute über die Wiedervereinigung mit den 17 Millionen Bewohnern der SBZ hinaus den Anspruch auf die Grenzen von 1937 erheben, so ist man sich wohl auch in Bonn darüber klar, wie wenig Polen und die Sowjet-Union geneigt sind, diese Forderung als Verhandlungsgrundlage zu akzeptieren. Sonach empfiehlt es sich, die Forderung nach den Grenzen von 1937, so bitter das manchen Heimatvertriebenen anmuten mag, mit Realitäten zu untermauern und erst einmal festzustellen,

- wie viele Millionen Ostflüchtlinge entschlossen sind, in die menschenentleerte oder fremdbesiedelte Heimat zurückzukehren,

- wie viele Millionen Bürger das längst nur noch durch Massenimport von Gastarbeitern betriebsfähig erhaltene und zum Raum ohne Volk gewordene Wirtschaftsgebiet der Bundesrepublik überhaupt noch an den Osten abzugeben vermag. Die oberschlesische Kohle allein, das lehren die Zechenstillegungen an der Ruhr, ist schließlich kein Argument mehr.

Ins Blaue hinein nach den Grenzen von 1937 zu rufen, heißt doch, den ersten Schritt, nämlich die Heimholung der 17 Millionen SBZ-Bürger, zu torpedieren.

Alsbach (Hessen) KARL L. ZIMMERMANN

SPD-MdB Seidel

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