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Briefe

VERZÖGERUNGSTECHNIK
aus DER SPIEGEL 19/1961

VERZÖGERUNGSTECHNIK

Ihr Scheibenbremsen-Artikel läßt keine Informationswünsche mehr offen. Bestimmt aber werden Sie Zuschriften von einigen Automobil-Herstellern erhalten, wonach es nicht zutreffend sei, daß Scheibenbremsen einer Servo-Hilfe bedürfen. Tatsächlich verzichten hierauf zum Beispiel Citroen JD 19, MGA, Sunbeam Alpine und andere mehr. Dennoch haben Sie recht! Meine Versuchsfahrten mit diesen Wagen ergaben:

Der Citroen JD 19 verlangt unzeitgemäße Wadenkraft. Die leichteren englischen Sportwagen, ebenfalls mit Scheibenbremsen nur an den Vorderrädern und ohne Bremshilfe, kommen zwar mit erträglichem Pedaldruck aus, beweisen aber keineswegs den Vorteil der Stehfestigkeit, wie er sonst der Scheibenbremse zu eigen ist. Bei Gewalt- und Dauerbremsungen waren es an diesen Wagen ausgerechnet die Scheibenbremsen, die weniger durchstanden als die konventionellen Trommelbremsen an den Hinterrädern.

Um die Zuspannkräfte erträglich zu halten, mußte man die Bremsklötze der Scheibenbremsen materialmäßig offensichtlich so wählen, daß zugunsten eines hohen Reibungs-Koeffizienten auf Stehvermögen verzichtet wurde. Hoher Reibungs-Koeffizient anstelle der eigentlich notwendigen Bremshilfe. Damit macht man aus der Scheibenbremse genau das Gegenteil dessen, was sie sein soll. Und auch so ist nur zu verstehen, daß eine so tempofreudige Firma wie Porsche noch keine Freude an der Scheibenbremse fand (wenn ich hier den Informationen der deutschen Fachpresse glauben darf). Scheibenbremse unbedingt! Aber nicht ohne Servo-Hilfe. Sonst ist sie nur ein Werbe-Argument.

Lugano (Schweiz)

ALEXANDER SPOERL

Ich halte es für nötig, darauf hinzuweisen, daß es nicht nur Teilscheiben-, sondern auch Vollscheibenbremsen gibt: Auch deutsche Ingenieure setzen sich schon seit langer Zeit mit dem Problem der Scheibenbremsen auseinander, und auch Firmen in unserem Land fertigen derartige Aggregate.

Bei der Erörterung der Probleme um die Scheibenbremse sollte man sich jedoch nicht nur auf Pkw oder gar nur auf Sportwagen beschränken. Ich bin der Meinung, daß Scheibenbremsen gerade in schweren Lastkraftwagen und Omnibussen verwendet werden müssen. Wenn es mit ihrer Hilfe gelingt, beispielsweise bei Talfahrten höhere Geschwindigkeiten ohne Verzicht auf die notwendige Sicherheit zu fahren, dann ergäben sich Weiterungen, die nicht nur in das Gebiet der Privat- und Volkswirtschaft führen. Dies würde ebenfalls dazu beitragen, die Verhältnisse auf unseren überfüllten Straßen zu verbessern.

Döffingen (Württ)

DR. GÜNTER WIRBITZKY

Spoerl

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