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Briefe

VIEL VERSCHWIEGEN
aus DER SPIEGEL 24/1960

VIEL VERSCHWIEGEN

Sie schreiben in Ihrem Artikel »Mut zur Lücke«, daß viele Autoren bundesdeutscher Geschichtsbücher die Zeit der NS-Herrschaft verniedlichen und alles Negative nur mit wenigen Zeilen streifen. Wundert Sie das? Waren doch diese Pädagogen selbst zumeist brave Parteigenossen. Das macht ihre Scheu, von den Verbrechen der Nazis sachlich zu berichten, durchaus verständlich ...

Köln HORST MURHAUPT

Für Ihren Bericht danke ich Ihnen, mag er vielleicht auch provokatorisch sein. In Fragen der Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit kann man angesichts der geistigen Situation und der Herzensträgheit der gegenwärtigen deutschen Gesellschaft kaum provokatorisch genug sein.

... Von der pädagogischen Publizistik muß man fordern, daß Bildung und Erziehung zur Menschlichkeit das erste und eigentliche Anliegen darstellen. Den Medien Film, Presse und Asphalt-Literatur wird mit großer Emphase die ursächliche Bedeutung für zunehmende Jugendkriminalität und Halbstarkenkrawalle zugesprochen. Aber gemessen an der Gefährdung, welche eine verniedlichende, halbwahre und der eigenen Vergangenheit gegenüber unfreie Darstellung der ideologisch verbrämten Staatskriminalität des NS-Regimes für eine Generation von Schulkindern darstellt, sind Nitribitt-Storys, heiße Wildwester und härteste Krimis harmlos und von geringem Gewicht.

Mannheim DR. MED. DR. PHIL. W. SCHRAML

Das Volksschul-Lehrbuch aus Schleswig-Holstein, das Sie wegen seiner verharmlosenden Darstellung der Hitierzeit so treffend kritisierten, hat Parallelen. An den Hamburger Volksschulen wird an die älteren Schüler seit Jahren das Lehrbuch »Wege in die Welt« des Westermann-Verlages ausgegeben. Die Geschichte von 1933 bis 1945 findet sich hier auf sechs Seiten zusammengedrängt ..., Parteienverbote, Verfolgungen, Folterungen werden erwähnt, doch dann wird beschrieben, wie Hitler »Wunderdinge« verrichtete. »Die deutsche Wirtschaft blühte auf ... Die Bauern wurden entschuldet ... Vorbildliche Autobahnen ... Deutschland kannte keine Erwerbslosen mehr. Auf den Straßen war Ruhe und Ordnung eingekehrt.« Ein Absatz über den Widerstand wird mit der Bemerkung abgeschlossen, daß mancher der Hitlergegner, von der Gestapo gequält, »die Namen von Gleichgesinnten preisgegeben« habe ...

Die einzige Zahl, die das Buch zur Judenverfolgung gibt: »Mehr als eine Million Juden« seien in den Vernichtungslagern umgebracht worden ...

Winsen (Luhe) DR. KAY HOFFMEISTER

Solange in Deiner Heimatstadt, lieber SPIEGEL, und auch anderswo Vorträge des französischen Historikers, Widerstandskämpfers und Buchenwald-Häftlings Paul Rassinier verboten werden, weil sein Beitrag zur Zeitgeschichte der offiziellen Version der VVN widersprechen könnte, ist der Mut zur Lücke des Schulrats Simonsen keine Verniedlichung, sondern die zur Zeit einzig mögliche Haltung des sachlichen und verantwortungsbewußten Historikers und Lehrers.

Kiel HANS DRUCKLIEB

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