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FOLTER Viermal fast tot

aus DER SPIEGEL 26/2009

In der vergangenen Woche freigegebene Dokumente aus Guantanamo legen nahe, dass die von der Regierung des Ex-Präsidenten George W. Bush autorisierten »speziellen Verhörtechniken« vor allem zu zahlreichen Falschaussagen der Gefolterten geführt haben. »Ich habe einfach Geschichten erfunden«, wird der Chefplaner der Anschläge des 11. September, Chalid Scheich Mohammed, in den Papieren zitiert. Als man ihn bei einem Verhör nach dem Aufenthaltsort von al-Qaida-Chef Osama Bin Laden fragte, habe er geantwortet, dazu wisse er nichts. Dann habe man ihn gefoltert, »daraufhin habe ich dann gesagt, er ist in dieser Gegend«. Er habe auch Leute, die er gar nicht kenne, als al-Qaida-Mitglieder bezeichnet, um der Folter zu entgehen, bekannte Chalid Scheich Mohammed. Bei den nun freigegebenen Akten handelt es sich um Abschriften von Anhörungen, die vor Militärtribunalen in Guantanamo im Jahr 2007 stattfanden. Ein weiterer Gefangener, der Palästinenser Abu Subeida, den die CIA lange fälschlicherweise für die Nummer drei in der Qaida-Hierarchie hielt, klagte, man habe ihn viermal fast sterben lassen. »Sie haben sich einfach nicht gekümmert um die Verletzungen, die sie mir am Auge, am Magen, an der Blase, am Schenkel und an meinen Geschlechtsorganen zufügten.« Subeida war der erste Gefangene überhaupt, der dem Waterboarding unterzogen wurde, insgesamt 83-mal. »Später haben sie dann zu mir gesagt, 'Entschuldigung, wir haben jetzt gemerkt, dass Sie gar nicht die Nummer drei der Qaida sind'«, sagte der heute 38-Jährige vor den Militärrichtern.

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