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Briefe

Viren aus dem Süden
aus DER SPIEGEL 34/1979

Viren aus dem Süden

(Nr. 32/1979, SPIEGEL-Titel »Müllkippe Mittelmeer")

Einen Urlaubsgruß von der »Müllkippe« Illetas (Mallorca). Wir benutzen statt Sonnenöl viel Terpentin, damit der Ölfilm nicht länger auf der Haut klebt.

Berlin MANFRED WILL

Als früherer l00prozentiger Italienfan möchte ich nur resümierend erklären: Nie wieder auf Badeurlaub in Italien! Ich war mit meiner vierjährigen Tochter Anfang Juni in Jesolo, wo man noch halbwegs sauberes Wasser erhofft -- statt dessen nur Dreck und Algen. Das Ergebnis: Meine Tochter erkrankte an Paratyphus, mußte ins Krankenhaus und steht noch jetzt -- acht Wochen danach -- unter ärztlicher Kontrolle.

Schwarzach (Österreich) EVA BERGER

In den Gestaden der Betonferiensiedlung Playa de Matalascanas, Provinz Huelva ("Fassungsvermögen« rund 20 000 Urlauber): Im Mai 1979, also noch in der Vorsaison, trieben die Exkremente im dort für atlantische Verhältnisse ruhigen Wasser herum, ohne daß sich die deutschen Urlauber an der Sch. gestört hätten.

Stefansberg (Bayern) AXEL WOLF

Ich verlebte meinen Urlaub Mitte Juni am Strand des Campingplatzes »Manus« südlich Salou. Der Besitzer des Platzes ist besonders bemüht, den Strand besonders sauber zu halten. Wenn es trotzdem zu Verunreinigungen kam, so allein durch die Schuld der Gemeinde Cambrils. Hier soll der von den Müllautos zusammengefahrene Müll auf Schiffe verladen und auf der offenen See in das Meer gekippt werden.

Es muß den Tatsachen entsprechen, denn die Meeresströmung und der Wind treibt einen Teil des Mülls an die Strände. Und hier beginnt wieder der Kreislauf: Das »Strandgut« wird eingesammelt, in die Mullautos verladen, kommt auf das Müllschiff und so weiter, und so weiter.

Wie zu vernehmen war, soll in nächster Zeit von den Touristen eine Kurtaxe in Spanien verlangt werden. Wenn diese zur Reinerhaltung des Mittelmeeres verwendet wird, o.k.! Ich aber glaube das nicht.

München GÜNTER LANGER

Ein Strandvirus wurde anscheinend in Ihrem Artikel übersehen. Das wären die weitgehend von unseren Landsleuten betriebenen Reise- beziehungsweise Vermittlungsbüros, die Urlauber »problemlos Urlaubs- und Sonnentage« versprechend in die vielbejubelten Urlaubsgebiete »jetten und verschiffen«. Gibt es dagegen eine Therapie oder sollte man sich fragen, besser im Lande zu bleiben, um diesen Problemen zu entgehen?

Salzburg (Österreich) MECKER

Die ökologische Katastrophe im Mittelmeer kommt nicht, sie ist schon da. Cousteau hat recht mit der Feststellung, daß bereits heute der marine Biotop zu 45 Prozent zerstört ist.

Die persistenten Bestandteile der Industrieabwässer haben heute in weiten Teilen des Mittelmeers eine derart hohe Konzentration erreicht, daß sie nicht einmal mehr in die höheren Glieder der biologischen Nahrungskette eingehen: Fische und Fischnährtiere sterben bereits im Ei- und Larvenstadium ab.

Im off-shore-Bereich sind es vor allem die Schwermetailverbindungen, toxische Bestandteile des Erdöls, die polychlorierten Kohlenwasserstoffe aus der Kunststoffindustrie und die Pestizide der Landwirtschaft, die sich in der Nahrungskette akkumulieren.

Die Wirkung auf den Endkonsumenten Mensch, der sich im Süden ja vielfach aus dem Meer ernährt, ist bei vielen dieser Substanzen nachgewiesen. Die ersten Quecksilbervergiftungen wurden 1974 bei sardischen Fischern festgestellt: Minamata liegt auch am Mittelmeer!

Der Bau von Kläranlagen ändert die Situation nicht, solange die giftigen Klärschwämme wieder in das Meer verbracht werden. Und man glaube nicht, daß sich das Mittelmeerwasser durch Zufluß aus dem Atlantik »in ungefähr 80 Jahren einmal völlig austauscht":

Eine Suppe, die auf dem Feuer kocht und ständig gewürzt wird, wird nicht weniger, wenn man von Zeit zu Zeit Wasser nachgießt -- sondern schärfer. Venedig JOCHEN KNÜPLING

Biologe am Istituto di Biologia del Marc

Pfui Teufel, kann man nur sagen zum armen verdreckten Mittelmeer. Ihr Reporter sollte mal nach Malta fahren. Er wird dort sein blaues (Wasser-) Wunder im wahrsten Sinne des Wortes erleben. Malta hat keine Flüsse und auch keine Industrie, die ihren Dreck ins Meer strömen lassen könnte.

Eppstein (Hessen) DR. GEROLD BAUER

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