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»Viva Espana, verdammt nochmal!«

Protokoll eines Putschversuchs gegen Europas jüngste Demokratie (III und Schluß) / von Jose Oneto Editorial Planeta, Barcelona.
aus DER SPIEGEL 33/1981

Abends um Viertel nach acht läutete im Büro des Zivilgouverneurs von Valencia das Telephon. Jose Maria Fernandez del Rio stand auf, um zu antworten. Am anderen Ende der Leitung war sein Freund Julio Camunas, Delegierter des Staates bei der Telephongesellschaft und ehemaliger Unterstaatssekretär im Innenministerium.

Julio wußte noch nichts von den Vorfällen in Valencia. Er spürte aber sofort, daß etwas nicht stimmte. »Jose Maria, ist jemand bei dir?«

»Ja, ja ...«, murmelte Jose Maria. »Was ist, kannst du reden?«

»Nein, nicht viel.« Julio versuchte zu verstehen. Das war kein normaler Besuch, den der Gouverneur hatte, das war etwas Wichtigeres. »Kannst du frei sprechen?« S.115

»Nein«, war die trockene Antwort. »Ist ein Militär da?«, bohrte Camunas nervös nach. »Ja, Julio, ja.«

»Bist du denn verhaftet?«

»Ja, ja ...«, war die zögernde Antwort. »Na ja, nein. Eigentlich nicht ... Ich weiß nicht!«

»Jose Maria, willst du, daß ich jemanden für dich anrufe -- Paco Laina?«

»Gut, das finde ich gut ...«, entgegnete der Zivilgouverneur. »Nein, hier ist alles in Ordnung. Der Militärgouverneur ist gerade hier, er hat mich auf eine Tasse Kaffee besucht, er ist schon seit fast einer Stunde hier.«

»Ruf mich an, wenn du etwas brauchst.«

»Verstanden«, sagte Jose Maria. »Alles Gute.«

»Alles Gute für dich.«

Es blieb lange still. Jose Maria Fernandez setzte sich wieder auf das Sofa. Er dachte einige Sekunden nach und kam zu einem Entschluß. Sein Ton war besonders liebenswürdig und freundlich. »Nun, mein General, ich will dich nicht länger aufhalten. Ich nehme an, du hast viel zu tun. Vielen Dank für deinen Besuch«, schloß er.

Sein Besucher, General Luis Caruana, Militärgouverneur von Valencia, warf ihm einen überraschten und verständnisinnigen Blick zu. »Nein, keine Sorge«, antwortete er. »Ich habe nichts Besseres vor. Ich bleibe hier bei dir.« Der General sah leicht belustigt aus und sagte abschließend: »Wir haben noch eine lange Nacht vor uns!«

Das war''s also. Brauchte man noch Beweise, dachte Jose Maria und versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Auf eine sehr spezielle Art und Weise, sagte er sich, war er soeben verhaftet worden.

Carmen, seine Sekretärin, brachte zwei Blatt Papier herein und unterbrach ihn in seinen Gedanken. Es war der von General Milans unterzeichnete Tagesbefehl, der gerade im Rundfunk verlesen wurde. »Aber das«, der Zivilgouverneur blickte empört auf General Caruana, »das ist ja eine Kriegserklärung!«

»Ich glaube«, versuchte der Militärgouverneur die Wogen zu glätten, »daß Jaime entsprechend den Anweisungen, die er vom König erhalten hat, alles für die Ordnung und die Sicherheit der Bürger tut.«

»Aber in Valencia herrscht doch vollkommene Ruhe! Es hat sich doch niemand gerührt!« Jose Marias Stimme wurde scharf. Er drückte auf die Klingel auf dem Beistelltisch links von ihm. Sein Sekretär trat ein. »Verbinde mich mit dem Generalkapitän«, bat der Zivilgouverneur.

»Mein General, ich habe Ihren Tagesbefehl gelesen. Er scheint mir übertrieben. Ich glaube nicht, daß man so weit gehen muß.«

»Sieh mal, Jose Maria. Ich mag keine halben Sachen.« Der Generalkapitän Jaime Milans del Bosch klang sehr selbstsicher. »Ich mache die Dinge lieber auf meine Art. So garantiere ich die absolute Ruhe, die wir jetzt brauchen.«

Der Zivilgouverneur wußte nicht, ob der König Milans tatsächlich den Befehl zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Region Valencia gegeben hatte. Aber eines wußte er ganz sicher: so nicht. Mit dem Verhalten von Milans konnte Don Juan Carlos nicht einverstanden sein.

Der Generaldirektor für die Sicherheit des Staates, Francisco Laina, zündete sich eine neue Zigarette an. Eine Minute lang klingelte das Telephon mal nicht. Er nutzte die Zeit, um einen Blick auf den »ericht vom Psychologenteam zu werfen, das sie beriet: Gegen acht« » Uhr morgens werden die Besetzer in eine moralische Krise » » geraten. Nach Prüfung der Heterogenität der verschiedenen » » Einheiten der Guardia Civil einschließlich ihrer Offiziere » » sind wir zu dem Schluß gekommen, daß die Krise unweigerlich » » gegen acht Uhr morgens auftreten wird, wenn sich nach » » Abklingen des Siegesgefühls Müdigkeit und der Eindruck der » Isolation einstellen.

» Die moralische Krise könnte bei einigen der Beteiligten » » gefährlich werden. In den meisten Fällen wird sie zwar in » » Passivität umschlagen, aber in einzelnen Fällen kann sie in » » gewalttätige, verzweifelte und gefährliche Unbesonnenheit » » ausbrechen. Es wäre ratsam, den Parlamentsbesetzern im Laufe » » der Nacht Informationen zuzuspielen, die ihnen beweisen, daß » » sie isoliert und allein geblieben sind. »

Laina hielt die Zeit nun für reif. Er kam zu dem Schluß, daß ihm keine andere Wahl blieb, als mit Tejero zu sprechen, auch wenn es zu nichts führen würde.

Er hatte alle Telephone im Kongreß kontrollieren lassen und wußte, daß alle Gespräche auf Band aufgenommen wurden.

Es ging beinah zu einfach, schon nach 15 Sekunden hörte er die Stimme des Oberstleutnants der Guardia Civil. »Ja, bitte.«

»Herr Tejero, hier spricht Francisco Laina, Direktor für die Sicherheit des Staates.«

Tejeros Stimme klang ruhig, ohne jeden Anflug von Nervosität oder Verzweiflung. »Ja, sprechen Sie.«

»Ich rufe Sie an, um Ihnen mitzuteilen, daß Sie ganz allein stehen. Daß niemand Sie in Ihrer unbeschreiblichen Aktion unterstützt. Ich befehle Ihnen, Ihre Haltung zu ändern, zum Wohle aller. Wenn Sie nicht freiwillig aufgeben, sehe ich mich gezwungen, Gewalt anzuwenden, um diesem Zustand ein Ende zu setzen.«

»Ich empfange keine Befehle außer von Milans oder von General Armada«, entgegnete Tejero trocken, bevor er die Verbindung abrupt unterbrach.

Abends um acht telephonierte der Generalsekretär des Königlichen Stabes, General Sabino Fernandez Campos, erstmals mit dem Generaldirektor S.116 des staatlichen Rundfunks und Fernsehens RTVE. »Der König sagt, du sollst ein Fernsehteam in den Zarzuela-Palast schicken, er will eine Botschaft an die Nation aufnehmen lassen.«

»Sag ihm, es ist jemand bei mir«, antwortete der Fernsehdirektor. General Fernandez Campos war perplex, aber dann wurde ihm klar, daß irgend etwas vorging. »Wer ist bei dir?« fragte der General.

»Ja, es ist jemand bei mir«, wiederholte der Fernsehchef. »Hast du Leute in deinem Büro?« fragte der General weiter. »Ja.«

»Zivilisten oder Militärs?« Schweigen. »Militärs? Sind Militärs in deinem Büro?« -- »Ja, ja ...«

Sabino Fernandez Campos begriff und machte dem König Mitteilung: »Senor, sie haben Rundfunk und Fernsehen besetzt.«

Die Nachricht schlug wie eine Bombe ein. Die Besetzung der Rundfunk- und Fernsehanstalt hatte um Viertel nach sieben begonnen. Einheiten des 14. Kavallerieregiments »Villaviciosa« und des Pionierregiments unter dem Befehl von Hauptmann Merlo waren in die Anstalt eingedrungen.

25 Soldaten mit Maschinengewehren besetzten Korridore und Studios. Sie waren kurz angebunden. »Guten Abend. Sind Sie der, der hier am meisten zu sagen hat?« fragten sie Jesus Picatoste, den Stellvertretenden Direktor. »Der hier am meisten zu sagen hat, sitzt da hinten am Ende des Korridors«, antwortete Picatoste.

Ohne weiter nachzuforschen, verlangten sie von ihm ein Kofferradio. »Militärmärsche, jetzt gleich. Die sollen sofort Militärmärsche auflegen.« Die Minuten verstrichen, während man in den Archiven von Radio Nacional fieberhaft nach Militärmärschen suchte.

Im Zarzuela-Palast beschloß unterdessen der Chef des Königlichen Stabes, Nicolas Cotoner y Cotoner, selbst ein Kavallerist, daß er versuchen würde, seine Waffenkameraden vom Kavallerieregiment Villaviciosa zu überreden, sich mit der Junta der Stabschefs in Verbindung zu setzen und die Fernsehanstalt dann zu räumen. Sein Vermittlungsversuch war erfolgreich.

»Jaime?« Nach verschiedenen vergeblichen Versuchen war dem König endlich eine Telephonverbindung mit Jaime Milans del Bosch gelungen.

»Jaime, was hat dieser Tagesbefehl zu bedeuten, den du erlassen hast?« Milans antwortete dem König praktisch das gleiche wie zuvor schon dem Zivilgouverneur von Valencia. Es gehe darum, angesichts des Machtvakuums die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten, es gehe darum, die Monarchie zu schützen, es geht darum, den König zu verteidigen ... Milans gab sich monarchistischer, patriotischer und disziplinierter als je. Einmal im Laufe des Gesprächs erwähnte er auch den Namen Armada: »Armada hat mir gestern gesagt ...«

Armada, Armada. Der Name Armada war zuerst gefallen, als der Kommandeur der Madrider Panzerdivision General Juste sich erkundigt hatte, ob Armada im Zarzuela-Palast sei, und nun sprach auch Milans von Armada ...

Die Teile des komplizierten Puzzlespiels paßten plötzlich zusammen. Nun begann es auch Sinn zu machen, daß Armada plötzlich solches Interesse daran gehabt hatte, in den Zarzuela-Palast zu kommen. Er hatte um kurz vor acht Uhr abends angerufen, hatte in düsteren Farben ein Bild der allgemeinen Lage gemalt, mehrere Militärregionen, so sagte er, hätten sich erhoben, und immer wieder bestand er darauf, zum Palast zu kommen, um an der Seite des Königs, vom höchsten Kommandostand aus, die Operationen zu leiten. Von dort aus würde er dem König dann helfen, die Ordnung wiederherzustellen.

Der König reagierte blitzschnell, geleitet von der Intuition, daß der Name seines alten Mitarbeiters an diesem Abend ein bißchen zu oft fiel. Er rief den Stabschef des Heeres, General Gabeiras, an, dessen Stellvertreter Armada war, und gab ihm unmißverständliche Anweisungen: »Armada ist allein im Hauptquartier. Verlaß die Sitzung der Junta der Stabschefs, und geh sofort zu ihm. Ich traue ihm nicht, ich weiß nicht, was er dort machen könnte. Seine Berichte sind derartig düster, daß sie mit den anderen Informationen, die ich aus den Militärregionen erhalte, nicht übereinstimmen.«

Die kleine Karawane aus drei Fahrzeugen (zwei Seat 1430 und ein Kombiwagen des staatlichen Fernsehens) hielt vor der Kontrollstation von Somontes. Es hatte zu frieren begonnen, und in dieser Gegend der Madrider Provinz spürte man wegen der Nähe des Manzanares-Flusses die Kälte bis in die Knochen.

Als sie aus den Wagen kletterten, sahen Picatoste und seine Begleiter, daß der Kontrollposten von Somontes, der die Zufahrt zum Zarzuela-Palast regelte, spürbar verstärkt worden war. Soldaten der Königlichen Wache verlangten ihre Ausweise zu sehen und verglichen ihre Namen mit denen auf einer Liste im Palast.

Nachdem er ihre Papiere überprüft hatte, sagte der Wachoffizier: »Folgen Sie diesem Jeep.«

Der Kombi des Fernsehens, der die gesamte technische Ausrüstung enthielt, wurde gründlich durchsucht, dann fuhr der Jeep langsam die fast sechs Kilometer lange Straße hinunter, die zum Hauptgebäude des Palastes führt, gefolgt von den drei Fahrzeugen mit den Fernsehleuten. S.117

Nachdem sie einen weiteren Kontrollposten direkt vor der Auffahrt zum Palast passiert hatten, parkten sie vor dem Haupteingang. Das Gebäude war hell erleuchtet. Zahlreiche Sicherheitsbeamte hielten die strategisch wichtigsten Positionen des Palastes und seiner Umgebung besetzt. Die Atmosphäre war gespannt.

Im Innern des Palastes war die Spannung weniger spürbar. Der König, der inzwischen mit allen Generalkapitänen des Landes gesprochen hatte, machte sich Notizen für seine Rede. Mit einem Telephon in der Linken und einem zweiten Telephonhörer am rechten Ohr hatte Don Juan Carlos bis zu diesem Zeitpunkt schon an die 100 Telephongespräche geführt. Sein Sohn Prinz Felipe, der Erbe der spanischen Krone, war die ganze Zeit dabei.

Er war um kurz nach sieben Uhr abends aus der Schule gekommen und hatte vom Büro des Königs aus alle Ereignisse verfolgt. Zwischen zwei Telephongesprächen hatte Don Juan Carlos seinem Sohn gesagt:

»Ich will, daß du hier bei mir bist, weil ich möchte, daß du ein wichtiges Kapitel der spanischen Geschichte miterlebst. Du sollst mit eigenen Augen sehen und du sollst merken, daß König sein ein schwerer Beruf ist. Daß König sein nicht nur bedeutet, sich in der Öffentlichkeit bei Paraden und Empfängen zu zeigen, sondern auch, historische Entscheidungen zu fällen. Wir sind hier, um Spanien und die Spanier zu verteidigen, und ich will, daß du siehst, wie man das macht. Spanien ist wichtiger als alles andere, und unsere einzige Pflicht, unsere einzige Sorge müssen Spanien, die Spanier und die Verfassung sein. Ich will auch, daß du bei mir bist, wenn ich leide.«

»Geht ins Büro hoch«, befahl der Pressechef des Zarzuela-Palastes. Die Fernsehleute stiegen in das Büro des Königs hinauf, das im ersten Stock liegt. Ihr erster Eindruck war der von natürlicher Ruhe, die durch das Summen der Klimaanlage und die dicken Vorhänge noch unterstrichen wurde. Der beigefarbene Teppichboden schien alle Spannung und Nervosität in sich aufgesogen zu haben.

Erquicia, der stellvertretende Nachrichtenchef des Fernsehens, ließ seinen fachmännischen Blick durch den Raum schweifen, in dem die Aufnahme gemacht werden sollte. Er registrierte den Gobelin hinter dem Schreibtisch des Königs, die spanische Flagge links auf dem Tisch, die Arbeitslampe und die indirekte Beleuchtung an der Decke.

Nur der Hintergrund des Raumes, wo der König Platz nehmen würde und wo die Scheinwerfer und Kameras aufgestellt werden mußten, machte ihm Sorge. Er rückte die beiden Sessel weg, die vor dem Tisch standen, und beschloß, die Scheinwerfer über dem Wandbehang aufzustellen, im Gegenlicht, um Schatten zu vermeiden. Dann bat er darum, die Papiere vom Tisch zu räumen.

Um fünf Minuten nach Mitternacht betrat der König den Raum. Dem Gesicht des Monarchen war nichts anzumerken, obwohl er erst vor einer halben Stunde eines der heftigsten, dramatischsten und deprimierendsten Gespräche seines Lebens geführt hatte. Diese Unterredung war auch der Grund dafür, daß die Aufnahme so spät stattfand.

Armada, der ehemalige Generalsekretär des Königlichen Stabes, hatte dem Monarchen erklärt, daß er sich mit seinen Entscheidungen von den Streitkräften entfernt habe und daß die Krone, sollte der König nicht eine Lösung notfalls auch außerhalb der Verfassungslegalität akzeptieren, der Grund für ein Massaker werden könne. Es war wohl die härteste Erpressung, die der König je erlebt hatte, und sie kam zudem von einem Mann, der zwanzig Jahre lang an seiner Seite gewesen war. Doch als er in sein Büro zurückkehrte, sah man dem König nichts davon an.

Er trug die Uniform eines Generalkapitäns. Ruhig begrüßte er jeden einzelnen der Fernsehleute. In der Rechten hielt er ein in Großbuchstaben mit der Maschine getipptes Manuskript. Er zeigte Picatoste das Blatt Papier und fragte: »Was hältst du davon?« Picatoste überflog den Text. »Ist das alles?«, entgegnete er. »Das reicht doch, oder?« »Vollkommen«, antwortete Picatoste.

Der schwarze Seat 1430 mit dem Nummernschild des Heeres kam vom Hauptquartier des Heeresstabes, dem Buenavista-Palast am Cibeles-Platz mitten in Madrid, und fuhr in Richtung auf die Glorieta de Neptuno. Im Wageninnern grübelte Alfonso Armada Comyn, seit 19 Tagen stellvertretender Stabschef des Heeres, über einen Ausweg aus der verfahrenen Situation nach.

Den ganzen Abend, seit er offiziell von dem Sturm auf das Parlamentsgebäude erfahren hatte, war er damit beschäftigt gewesen, zu telephonieren -geschickt, diskret und schlau. In Abwesenheit des Heeresstabschefs Gabeiras, der um kurz nach acht Uhr den Buenavista-Palast verlassen hatte, um an der Sitzung der Junta der Stabschefs teilzunehmen, hatte er mit verschiedenen Militärregionen und zweimal mit Milans del Bosch gesprochen und vor allem versucht, den König zu überzeugen.

Um fünf Minuten nach Mitternacht hielt der Wagen vor dem Eingang zum Hotel Palace. Armada stieg aus und ging entschlossen auf das Zimmer zu, das als Hauptquartier eingerichtet worden war. Die Anwesenden -- der Chef der Guardia Civil, General Aramburu, der Chef der Nationalen Polizei, General Santamarla, Oberst Alcala Galiano S.118 und die Majore Ostos und Moreno von der Guardia Civil, sowie der Zivilgouverneur von Madrid, Mariano Nicolas -- hörten wie von selbst auf zu reden, als sie die befehlsgewohnte Stimme von Armada vernahmen: »Ich will mit Tejero reden.«

Santamarla sah ihn erstaunt an: »Glaubst du denn, daß du da etwas erreichen kannst?«, fragte er und fügte, ohne die Antwort abzuwarten, hinzu: »Tejero zeigt sich absolut unzugänglich.«

»Willst du irgendwas Bestimmtes von ihm verlangen, mein General?«, fragte der Zivilgouverneur. Armada antwortete selbstsicher: »Ich will mich ans Parlament wenden und versuchen, einen Ausweg aus dieser Lage zu finden.« Der Vorschlag von Armada löste betroffenes Schweigen aus.

»Also«, fuhr Armada fort, »ich will eine Lösung vorschlagen. Eine Lösung, die ganz allein meine Idee ist. Der König weiß nichts davon, und ich ganz allein übernehme die Verantwortung dafür. Wenn es schiefgeht, bin ich für den Fehlschlag verantwortlich, aber wenn es gutgeht, ist es auch mein Erfolg.« Er machte eine lange Pause, die niemand zu unterbrechen wagte.

»Die Lösung, die ich dem Parlament vorschlagen werde«, fuhr er schließlich fort, »ist die Bildung einer Regierung, in der einige Militärs vertreten sein würden, wobei die gegenwärtige Zusammensetzung des Parlaments beibehalten bliebe ...«

»Eine Frage, mein General«, unterbrach Mariano Nicolas, »eine Regierung unter Vorsitz eines Militärs?«

»Ja«, antwortete Armada lakonisch.

»Und der wärst du?«

»Ja. Jedenfalls, wenn das Parlament einverstanden ist.« Die Männer blickten einander an, verwundert, daß Armada eine solche Lösung vorzuschlagen wagte, ohne sie mit seinen Vorgesetzten abgesprochen zu haben. Das Schweigen wurde noch unbehaglicher und gespannter.

»Also, ich möchte Tejero klarmachen, daß niemand ihm gefolgt ist. Daß nur die Zweite, die Siebte und die Fünfte Militärregion die gleichen Schritte unternommen haben wie Milans«, fuhr Armada fort.

Das Schweigen wich der Bestürzung. Santamarla machte ein erstauntes, verwirrtes Gesicht, denn erst wenige Minuten vor Armadas Ankunft hatten seine Männer, nach Kontrollanrufen in allen Kommandoposten der Nationalen Polizei, ihm die Information weitergegeben, daß die Lage im ganzen Land, außer in Valencia, normal sei.

Also die Zweite Militärregion, Sevilla, die Fünfte, Zaragoza, und die Siebte, Valladolid -- die Männer konnten es einfach nicht glauben. Sie hatten davon gehört, daß der König schon früh am Abend mit all diesen Militärregionen Kontakt gehabt hatte und daß sie unter dem direkten Befehl Seiner Majestät standen ...

Das Schweigen wurde erneut gebrochen. »Und was willst du mit Tejero machen?« Als ob er alles schon bis ins letzte vorbereitet und ausgefeilt hätte, antwortete Armada ohne zu zögern: »Auf dem Luftstützpunkt Getafe wartet ein Flugzeug auf ihn.«

»Und wenn er welche von seinen Guardias mitnehmen will?«, fragte der Zivilgouverneur. »Soll er mitnehmen, wen er will.« Armada griff nach seinem Barett, das er auf dem kleinen Bürotischchen hatte liegen lassen, und ohne weitere Fragen abzuwarten oder weitere Erklärungen abzugeben, wandte er sich dem Ausgang zu. »Ich begleite dich. Wenn du willst, komme ich mit dir«, sagte der Chef der Guardia Civil, General Aramburu. »Einverstanden.«

Sie gingen hinaus. Der Zivilgouverneur folgte ihnen. Santamaria blieb zurück, um die Lage in den drei Militärregionen nachzuprüfen, die laut Armada angeblich auf seiten von Milans waren.

Mariano Nicolas, der Zivilgouverneur, staunte immer mehr. »Aber der Mann will ja den Putsch an sich reißen«, sagte er sich. Während sie die Carrera de San Jeronimo überquerten, um zum Parlament zu gelangen, grübelte er über die Vorschläge von Armada nach. Gewiß, viele Menschenleben würden gerettet, aber es bedeutete auch ein Gelingen des Militärputsches. »Mein General«, sagte er schließlich, weil er nicht mehr an sich halten konnte, »und was ist mit der Verfassung?« Armada antwortete nicht.

Als sie vor dem Eingangsgitter zum Hof mit den beiden Parlamentsgebäuden ankamen, richteten ein paar Zivilgardisten ihre Waffen auf die Besucher. Ein Hauptmann näherte sich den Generalen Armada und Aramburu; der Zivilgouverneur war bereits zurückgeblieben.

»Ich bin General Armada. Ich komme, um mit Oberstleutnant Tejero zu reden.« Als ob er ihn erwartet hätte, entgegnete der Hauptmann wie aus der Pistole geschossen: »Kommen Sie, mein General. Zu Befehl.« Er nahm Haltung an und wandte sich dann General Aramburu zu, seinem Vorgesetzten. »Sie können nicht rein. Wir haben klare Befehle.« Aramburu sah wieder einmal die Maschinenpistolen auf sich gerichtet.

Mariano Nicolas entschloß sich, Laina anzurufen. Es war wichtig, daß der Generaldirektor für Sicherheit von Armadas Vorschlag erfuhr. Von der Telephonzelle vor dem Parlamentsgebäude aus wählte der Zivilgouverneur Lainas Nummer. »Hör mal, Paco, General Armada ist im Parlament, aber irgend etwas stimmt da nicht ...«

»Wieso nicht?«, frage Laina und konnte sich die Antwort schon denken. »Ich glaube, Armada steckt in der Verschwörung mit drin«, entgegnete der Zivilgouverneur ohne weitere Umschweife. »Ja, ich weiß«, sagte Laina, »Sabino hat mich aus dem Zarzuela-Palast angerufen, um mir zu sagen, daß wir ihm nicht trauen sollen. Ich glaube, daß Armada bis über beide Ohren drinsteckt.« Dann fuhr er fort: »Wann ist Armada da reingegangen?«

»Vor fünf Minuten. Aramburu wollte auch mit, aber sie haben ihn nicht S.119 gelassen. Er ist jetzt zum Palace zurückgegangen«, antwortete der Zivilgouverneur.

»Gut, wenn Armada wieder rauskommt, sag ihm, daß ich ihn unbedingt sehen will. Du bringst ihn mir hierher. Wenn er sich weigert, nimmst du ihn fest. Also halte ein paar Leute bereit, für den Fall, daß er Widerstand leistet.«

»Aber ...«

»Ich sage dir, nimm ihn fest, wenn er sich weigert. Wir müssen hier jetzt endlich mal Klarheit schaffen. In dieser Nacht betrügt ja wohl jeder jeden, und es ist an der Zeit, klare Verhältnisse zu schaffen ...«

Unterdessen war General Armada, vollkommen ahnungslos, daß sich die Schlinge um seinen Hals zusammenzog, bei Oberstleutnant Tejero.

Er war von ihm liebenswürdig empfangen worden, und sie hatten sich zu einem Gespräch zusammengesetzt. Aber schon bald zeigte sich, daß sie nicht übereinkamen. Tejero insistierte auf einer ausschließlich aus Militärs bestehenden Regierung, einer Junta, wie er sagte, deren Vorsitz außerdem der Generalkapitän von Valencia, Milans del Bosch, haben sollte.

Armada versuchte, ihm taktvoll beizubringen, daß dieser Vorschlag nicht zu verwirklichen war und daß eine Kompromißlösung gefunden werden müßte. »Es ist jetzt unmöglich, eine Militärregierung auszurufen. In der Regierung müssen zwar ein paar Militärs sitzen, aber auch die im Parlament vertretenen politischen Parteien.«

Tejero sah ihn überrascht an. »Die politischen Parteien auch?« fragte er.

»Ja, die politischen Parteien auch. Wir müssen jetzt sofort Verhandlungen mit den vier großen Parteien beginnen, mit UCD, Psoe, Coalicion Democratica und mit den Kommunisten, um einen Ausweg aus der gegenwärtigen Situation zu finden. Ich glaube, wenn ich mich jetzt an das Parlament wende, kann ich sie überzeugen ...«

»Und wer soll der Regierungschef sein, General?« fragte Tejero. »Ich«, antwortete Armada mit größter Selbstverständlichkeit. »Nein, General. Dafür habe ich all dies nicht auf mich genommen ...«

Tejero ließ sich nicht umstimmen. Er war nicht so weit gegangen, nur damit dann die gleichen Männer wie vorher, Carrillo, Fraga, Felipe Gonzalez, wieder ihre Spielchen trieben. Armada erreichte aber immerhin, daß Tejero mit General Milans telephonierte.

»Mein General, hier bei mir ist Armada und schlägt mir vor, daß er sich an das Parlament wendet und eine Regierung aus Zivilisten und Militärs anbietet, die von ihm geführt wird. Aber ich mache da nicht mit. Ich akzeptiere nur eine Militärjunta, die von Ihnen geführt wird.« Milans antwortete, er solle Armadas Vorschlag annehmen, denn er selber habe nicht das geringste Bedürfnis, sich in den Vordergrund zu drängen.

»Das Problem hat doch eine einfache Lösung«, sagte Armada. »Ich arrangiere das. Wenn Sie wollen, können Sie das Land zusammen mit allen Offizieren, die das wünschen und die Ihnen zu folgen bereit sind, verlassen. Ich habe in Getafe ein paar Flugzeuge bereitgestellt, wenn Sie also wollen ...«

»Nein, General. Im Flugzeug wird mir schlecht. So geht das nicht. Die einzige Lösung ist eine Militärjunta. Wenn nicht, gibt es ein Blutbad, das versichere ich Ihnen, dann spielt sich hier im Parlament das gleiche ab wie während des Bürgerkriegs in Santa Maria de la Cabeza.«

( Während des Spanischen Bürgerkrieges ) ( eroberten die republikanischen Truppen ) ( eine neun Monate lang von 250 Mann der ) ( Guardia Civil und ihren Familien sowie ) ( 100 Falangisten und 1000 Zivilisten ) ( gehaltene Bastion beim Schrein von ) ( Santa Maria de la Cabeza, in der Nähe ) ( von Cordoba. Die Eroberung endete in ) ( einem Blutbad. )

Armada erschauerte. Santa Maria de la Cabeza. Tejero war ja verrückt, vollkommen verrückt. »Aber um Spaniens willen müssen wir doch eine Lösung finden! Meinen Sie nicht, daß ich Spanien mehr liebe als irgend etwas sonst?« Geringschätzig erwiderte Tejero: »Daß ich nicht lache. Jeder einzelne meiner Männer liebt Spanien mehr als Sie.«

Um zehn Minuten nach eins in dieser Nacht durchschritt Armada abermals das Gittertor des Parlaments und kehrte ins Hotel Palace zurück. Auf dem Weg dorthin sagte er, bleich und mit vor Zorn verzerrtem Gesicht, zum Zivilgouverneur von Madrid: »Ich bin gescheitert. Der Mann ist verrückt. Man kann ihn nicht zur Vernunft bringen, nichts zu machen. Tejero ist vollkommen verrückt.«

»Felipe!« Die Stimme des Königs klang wie Donnerhall durch das Arbeitszimmer, in dem Juan Carlos sein Hauptquartier eingerichtet hatte und wo in den vergangenen zwölf Stunden alle sich nur von belegten Brötchen, kaltem Hähnchen, kaltem Kalbfleisch, Milch und Orangensaft ernährt hatten.

Nach einer Periode relativer Ruhe, als ein paar Augenblicke lang mal kein Telephon geklingelt hatte, war Prinz S.121 Felipe todmüde auf seinem Stuhl eingenickt.

Die Stimme seines Vaters weckte ihn auf. Der Junge schreckte hoch und stieß den Stoßseufzer aus: »Mensch, was für ''n Monat!«

Er meinte den Februar. Da hatte er mit ins Baskenland fahren und die Tumulte in der Casa de Juntas von Guernica beim Auftritt des Königs miterleben müssen, er hatte die politischen Spannungen nach dem unverhofften Rücktritt der Regierung Suarez und der neuen Regierungsbildung mitbekommen, dann war vor einigen Tagen seine Großmutter, die Königin Friederike, gestorben und nun ... nun steckte man mitten in einem Staatsstreich, der leicht mit der ganzen Monarchie Schluß machen konnte.

Die Situation war ernst, ja dramatisch. Wenn der König Armadas Lösung akzeptierte, die er im übrigen ja bereits abgelehnt hatte, würde die Monarchie untergehen. Wenn er nicht nachgab, und das hatte er General Armada und gewissermaßen auch General Milans ebenfalls bereits mitgeteilt, lud die Krone möglicherweise die Verantwortung für ein Blutbad auf sich. Wenn er aber nichts tat, wenn er nur versuchte, Zeit zu gewinnen, war die Gefahr groß, daß der Putsch auf andere Landesteile übergriff.

Der König beschloß, noch mal mit Milans zu reden. Er befahl, man möge ihn mit Valencia verbinden. Und obwohl er gewohnt war, zuzuhören und stets gemessen zu sprechen, mußte er nun zur schärfsten Tonart Zuflucht nehmen, um Milans beizukommen. »Jaime, ich schwöre dir, daß ich weder abdanken noch Spanien verlassen werde. Wer sich erhebt, muß wissen, daß er möglicherweise einen Bürgerkrieg hervorruft und dafür verantwortlich gemacht werden wird.« Danach ließ der Staatschef Milons zehn Minuten Zeit, Tejero davon zu überzeugen, daß er Schluß machen müsse.

Der Militärkonvoi kam vor dem Schutzgürtel, den die Nationale Polizei rund um das Parlament gebildet hatte, zum Stehen. »Wir sind hier aufgrund der Alarmstufe 2«, erklärte Hauptmann Alvarez Arenas dem Leutnant der Nationalen Polizei, der ihm den Weg versperrte. »Tut mir leid, ich habe strikten Befehl, Sie nicht durchzulassen.«

Angesichts der Hartnäckigkeit des Hauptmannes beschloß der Polizeileutnant, seine Vorgesetzten zu informieren. Es handelte sich um 13 Jeeps der Militärpolizei, die unter dem Befehl von Major Pardo Zancada, Chef der II. Sektion des Stabes der 1. Madrider Panzerdivision Brunete, standen. Im Augenblick hatte Hauptmann Alvarez Arenas das Kommando.

Als sie von der Ankunft der Militärfahrzeuge erfuhren, kamen die Generale Aramburu und Santamaria aus dem Hotel Palace. »Nimm deine Männer, und kehrt in eure Kasernen zurück«, befahl Aramburu dem Hauptmann Alvarez. »Das kann ich nicht, mein General. Die Truppen unterstehen nicht meinem Befehl. Ich führe Befehle von Major Pardo Zancada aus. Ohne seine Order kann ich die Truppen nicht zurückziehen.«

»Und wo ist Pardo?«

»Er ist im Parlamentsgebäude bei Oberstleutnant Tejero. Er ist vor einer Minute reingegangen.«

»Was sagst du da?«

»Ja, mein General, er ist drinnen, in den Cortes, und nur er, der das Ausrücken der Einheit befohlen hat, kann sie auch wieder zur Rückkehr nach El Pardo bewegen.«

»Bleibt, wo ihr seid«, sagte General Aramburu und ging zu seinem Befehlsstand im Hotel Palace zurück. Unterwegs sagte er zu Santamaria: »Das geht uns nichts mehr an. Weder dich noch mich. Das ist eine Angelegenheit des Heeres, und die sollen das auch lösen. Wir müssen sofort Gabeiras anrufen, damit er den Rückzug der Einheit befiehlt.«

Unterdessen ging ein Leutnant der Nationalen Polizei auf Alvarez Arenas zu. »Sag mal, was macht ihr eigentlich hier? Ihr seid ja verrückt. Hör auf mich. Nimm deine Leute und kehrt nach El Pardo zurück.«

»Nix da«, antwortete Alvarez Arena locker. »Wir wissen, die Sache ist schiefgegangen, und das Heer ist nicht marschiert, aber«, fügte er nicht ohne eine gewisse Frivolität hinzu, »uns kommt es auch nur darauf an, daß das Fernsehen uns zeigt, damit alle sehen, die Panzerdivision von Madrid ist da, wenn man sie braucht. Das haben wir versprochen.«

Im Innern des Parlamentsgebäudes begannen einige der Offiziere inzwischen unruhig zu werden. Sie sahen Tejero auf seinem Befehlsstand, auf den Korridoren, am Telephon, beobachteten, wie er gelegentlich in den Plenarsaal ging, verächtlich auf die Abgeordneten blickte, um dann, ohne ein Wort zu sagen, wieder hinauszugehen, und sie ahnten, daß etwas nicht so lief, wie es sollte, daß die zuständige militärische Persönlichkeit, auf die sie alle warteten, nicht kommen würde.

»Die Sache geht schief.« Der Sozialist Alfonso Guerra hatte seinen Wächter S.122 gebeten, auf die Toilette gehen zu dürfen, und aus den Gesprächen, die er draußen auf dem Flur aufschnappte, aus der Gruppe aufgeregter Guardias, die vor dem Fernschreiber von Europa Press standen, der die ganze Nacht über Meldungen ausspie, schloß er, daß der Putsch noch nicht gelau fen war, daß etwas schiefging. Zurück an seinem Platz im sogenannten Uhrensaal des Parlaments, links von Felipe und gegenüber von Carrillo, gab er ihnen durch ein paar Gesten, durch ein paar etwas lauter geflüsterte Worte zu verstehen, daß der Putsch offenbar noch nicht gelungen war.

Dann trafen sich seine und Felipes Blicke. Durch das offene Oberlicht drang der Lärm von Flugzeugen, die das Parlamentsgebäude überflogen. Felipe Gonzalez nutzte die Gelegenheit, seinen Bewacher zu bitten, daß er ihm einen Mantel hole. Die Kälte war unerträglich. Es gab im Uhrensaal keine Heizung, und die kalte Luft, die durch das Oberlicht einströmte, verwandelte den Raum in eine regelrechte Kühlhalle.

Am meisten bewegten den Sozialistenführer in diesen Stunden die Folgen des Putsches, das neue Spanien, das sie, nach Protesten und Unterdrückung, erben würden, wenn sie hier lebendig wieder herauskamen oder wenn sie in irgendeinem Stadion, einer Stierkampfarena oder einem Militärgefängnis interniert würden. »Von vorn anfangen.« Der Satz ging ihm stundenlang im Kopf herum. Wieder von vorn anfangen. Alles neu organisieren, sich wieder verstecken, wieder in den Untergrund gehen, wieder bei Null anfangen.

»Was für ein langer Weg wird das«, dachte er, während er den Mantel anzog, den ihm sein Bewacher gebracht S.123 hatte. Wenn der Guardia, wie er ihm gesagt hatte, den Mantel aus der Fraktion der Sozialisten geholt hatte, dann wußten die Genossen jetzt wenigstens, daß er noch lebte.

General Gutierrez Mellado sah nachdenklich seine Mitgefangenen und die Guardias an, die sie, mit der Maschinenpistole in der Hand, bewachten.

Dann blieb sein Blick auf einem jungen Guardia hängen, der ihn so achtungsvoll ansah, wie eben nur manche Militärs angesehen werden. Der junge Mann hieß Juan, er stammte aus Extremadura, und man hatte ihn zum Sturm aufs Parlament geholt, als er in der Kaserne dabei war, sich zu waschen.

Juan war zur Bewachung des Parlamentsneubaus abgestellt worden und hatte, sobald er konnte, über das Telephon, das die Journalisten benutzten, zu Hause angerufen. Die Unterhaltung war nur kurz, aber um so erstaunlicher für diejenigen, die sie hörten. »Papa, ich bin hier in einer Sondermission.« Am anderen Ende der Leitung fragte man ihn offenbar etwas, und Juan erkundigte sich in aller Einfalt bei der Sekretärin: »Wie, sagen Sie, heißt das Gebäude hier?«

Das Gespräch mit seiner Familie und die Stunden danach hatten ihn zu der Überzeugung gebracht, daß er da in einen Schlamassel geraten war, aus dem er nicht wußte, wie wieder herauszukommen.

Jetzt sah Juan General Gutierrez Mellado mit einer gewissen Zuneigung an und sagte leise: »General, ich mach'' mir Sorgen, weil ich nicht weiß, wie das hier ausgeht.« Gutierrez Mellado blickte hoch und entschloß sich, ihm zu antworten, weil Juan so freundlich aussah.

»Das Schlimme ist, daß man nie weiß, wie es ausgeht, wenn man so eine Sache erst mal anfängt«, sagte er. Juans Antwort kam schnell: »Das Schlimme ist, daß wir nicht mal wußten, wie es anfing, und auch nicht, was wir hier eigentlich sollten.«

Jemand reichte General Santamaria ein Telex der Nachrichtenagentur Efe rüber, in dem angekündigt wurde, daß »General Milans del Bosch den Rückzug der unter seinem Befehl stehenden Truppen aus den Straßen angeordnet hat.« Santamaria las die Meldung zweimal. Dann rief er einen seiner Polizeimajore zu sich. »Nimm ein Megaphon und verlies das hier so oft wie nötig vor dem Parlamentsgebäude. Damit es alle hören und sich nicht täuschen lassen.«

Der Major bewaffnete sich, ohne zu zögern, mit einem riesigen Megaphon und überquerte die Carrera de San Jeronimo. »General Milans del Bosch hat befohlen, daß die Truppen unter seinem Kommando sich aus den Straßen zurückziehen. Das ist ein Telex, das gerade gekommen ist! General Milans del Bosch hat befohlen ...« Dreimal zerriß der Major die nächtliche Stille mit der Verlesung der guten Nachricht übers Megaphon. Als er zum viertenmal anhob, kam ein Hauptmann der Tejero-Truppe mit gezogener Pistole auf ihn zu.

»Hauen Sie ab! Verschwinden Sie auf der Stelle!« Der Major begriff, daß es jetzt nicht darauf ankam, die Meldung noch ein viertes Mal vorzulesen. Gehört hatten die anderen sie ja sowieso. Der Major kehrte ins Palace zurück.

In Valencia las der Generalkapitän Milans del Bosch wieder und wieder das Telex, das der König ihm aus dem Zarzuela-Palast geschickt hatte, und in dem er bestätigte, was er ihm zuvor schon am »elephon gesagt hatte. 1. Ich versichere noch einmal meine » » Entschlossenheit, die verfassungsmäßige Ordnung innerhalb der » » bestehenden Rechtsordnung aufrechtzuerhalten; nach dieser » Mitteilung kann ich nicht mehr zurück.

» 2. Ein Staatsstreich kann nicht im Namen des Königs » stattfinden, er richtet sich vielmehr gegen den König.

» 3. Ich bin heute entschlossener als je, meinen Fahneneid ganz » » bewußt und einzig und allein im Gedanken an Spanien zu » » erfüllen; ich befehle dir also, daß du alle Einheiten, die du » hast ausrücken lassen, zurückbeorderst.

4. Ich befehle dir, daß du Tejero anweist aufzugeben.

» 5. Ich schwöre, daß ich weder abdanken noch Spanien verlassen » » werde; wer sich erhebt, geht das Risiko eines Bürgerkrieges » ein, für den er dann verantwortlich wäre.

» 6. Ich bezweifle nicht die Vaterlandsliebe meiner Generale; » » um Spaniens willen und auch um der Krone willen befehle ich » » dir, daß du meine Anweisungen ausführst. »

Nach Erhalt des Telex rief Milans seine Mitarbeiter zusammen. Alle sagten ihm das gleiche: »Widerruf den Tagesbefehl.« Aber jetzt den Tagesbefehl zu widerrufen, würde bedeuten, wortbrüchig zu werden, gegenüber Tejero, gegenüber all den anderen Offizieren. Es bedeutete, seine ganze berufliche Karriere und eine über Jahre aufrechterhaltene S.124 Lebenseinstellung über Bord zu werfen.

Als man ihm sagte, daß der Chef der Generaldirektion für die Sicherheit des Staates am Telephon sei, antwortete er mißmutig, der solle warten. Laina wartete, den Hörer ans Ohr gepreßt. Endlich erklang die Stimme des Befehlshabers der III. Militärregion: »Ja, was ist?«

»Herr Milans, hier ist Francisco Laina. Ich habe mit Oberstleutnant Tejero gesprochen, und der sagt mir, er gibt nur auf, wenn Sie es ihm befehlen. Er empfängt Befehle nur von Ihnen.«

»Diesen Befehl kann ich nicht geben.«

»Hören Sie. Der Ernst der Vorfälle in den Cortes ist Ihnen sicher nicht entgangen. Ich kann nicht dulden, daß es so weitergeht. Deshalb muß ich Sie davon in Kenntnis setzen, daß eine Befreiungsaktion vorbereitet wird, die sehr wohl in einer Tragödie enden könnte. Ich werde mich verpflichtet sehen, die Entscheidung in dieser Aktion zu treffen, aber Sie sind es, der die Verantwortung dafür trägt.«

»Das ist eine Übertreibung, Laina. Ich werde nicht die ganze Verantwortung tragen. Wenn Sie diese Entscheidung fällen, tragen Sie natürlich auch einen Teil der Verantwortung.«

»Nein, nein, mein General. Die Verantwortung haben hundertprozentig Sie.«

»Hören Sie. Ich habe mich darauf beschränkt, nach den Ereignissen in Madrid in der Militärregion, die mir untersteht, die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten, mehr nicht. In die anderen Dinge kann ich mich nicht einmischen und habe ich mich nicht eingemischt.«

»Mein General, Sie haben zum Beispiel den Zivilgouverneur von Valencia daran gehindert, seine Aufgabe zu erfüllen. Meine Entscheidung ist eine schwere Entscheidung. Aber ich werde nicht umhinkommen, sie zu fällen. Und meine Stimme wird nicht zittern, wenn ich den Befehl zur Räumung des Parlaments gebe. Spanien ist wichtiger als ein paar Menschenleben.«

»Ich muß ein paar Dinge erledigen, dann melde ich mich wieder.«

»Einverstanden, mein General, ich warte auf Ihren Anruf.«

Seit Stunden schon untersuchten in Madrid die Verantwortlichen die Möglichkeit eines gewaltsamen Befreiungsversuchs der Geiseln aus dem Parlament. Gleich zu Anfang wies General Aramburu darauf hin, wie außerordentlich groß das Risiko war, wenn die Befreiungsaktion von der Guardia Civil ausgeführt werden müßte.

Nachdem ein Eingreifen der Guardia Civil verworfen war, blieb als zweite Möglichkeit nur noch die Spezialeinheit (Geo) der Nationalen Polizei. Deren Kommandeur, Holgado, nannte jedoch furchterregende Zahlen für jede Art von Befreiungsaktion. Er würde über 400 Leute brauchen, sagte er, aber er hatte nur 80. Die übrigen müßte er aus der Reserve nehmen.

Für die Befreiungsaktion würden sie vier Panzerwagen brauchen, um sich dem Gebäude nähern zu können, und ungefähr 30 Kilo Plastiksprengstoff. Denn erst vor kurzem waren aus Angst vor möglichen Eta-Attentaten in alle unterirdischen Zugänge Zwischenmauern eingezogen, war das Gebäude in eine fast uneinnehmbare Festung verwandelt worden.

»Das Problem ist«, sagte General Santamaria, »daß die Sicherheitsvorkehrungen für einen Überraschungsangriff nun ein riesiges Hindernis bilden. Das Dach des Gebäudes ist schußfest, die meisten Türen auch, die Fenster sind aus Panzerglas ...«

Santamaria hielt inne, um zu sehen, wie Laina reagierte, und fuhr fort: »Man müßte an drei verschiedenen Stellen Sprengladungen anbringen, die große Zerstörungen anrichten würden. Wir haben keine Garantie, daß nicht die erste Sprengung schon die Geiseln treffen würde, die im Uhrensaal sitzen ...«

»Habt ihr schon mal geschätzt, wie viele Verluste an Menschenleben es geben würde?«, fragte Laina schließlich.

»Ja«, antwortete der Hauptmann der Spezialeinheit, Holgado, »ungefähr 200.« Laina konnte sein Entsetzen kaum verbergen. 200 Tote! Im Innern des Gebäudes befanden sich wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt alles in allem 600 Menschen, und hier redete man von 200 Toten. Innerhalb von Sekunden beschloß er, den Sturm aufs Parlament einstweilen abzublasen.

Milans rief den König an. Das Gespräch dauerte nur wenige Augenblicke. Dann kam General Sabino Fernandez Campos ans Telephon. Mit leiser Stimme begann Jaime Milans del Bosch, seinen neuen Tagesbefehl vorzulesen, der den vorausgegangenen annullierte. Um ganz sicherzugehen, bat Fernandez Campos, den Befehl per Telex zum Zarzuela-Palast zu schicken. »Wie ist die Telexnummer des Palastes?«, fragte Milans. »4266. Schick uns das so rasch wie möglich.«

Fernandez Campos wollte den neuen Tagesbefehl von Milans um jeden Preis schriftlich haben, um ihn möglichst rasch an die übrigen Militärregionen weiterzuschicken. Wenn Milans'' ursprünglicher Tagesbefehl annulliert und Valencia unter Kontrolle war, blieben nur noch Tejero und seine Männer. Sie würden vollkommen isoliert sein und keine andere Möglichkeit haben als zu kapitulieren.

Um kurz nach neun betrat Eduardo Fuentes, dem Heeresstab zugeteilter Oberstleutnant und langjähriger Freund des Majors Pardo Zancada von der 1. Madrider Panzerdivision Brunete, das Parlamentsgebäude. Eine Minute später saß er mit Pardo Zancada in einem Salon des Parlamentsneubaus zusammen. Als erstes umarmten sie einander. »Wie geht es dir?«, fragte Fuentes. »Na ja, ich hatte mein Ehrenwort gegeben, daß ich gestern abend herkommen würde, und hier bin ich nun.«

»Ricardo, alles ist vergebens. Ihr könnt hier nicht so weitermachen, niemand unterstützt euch, und ich bin gekommen, um zu helfen, irgendeine Lösung zu finden. Mich hat niemand hergeschickt. Ich hab'' nur an dich und an das Wohl des Vaterlands gedacht. Meine Vorgesetzten wissen, daß ich hier bin und warum.«

Dann skizzierte Fuentes seinem Freund Pardo Zancada in wenigen S.125 Worten, was während der Nacht draußen geschehen war.

»Die Guardias zeigen Ermüdungserscheinungen«, sagte Pardo Zancada. »Sie haben viele Stunden äußerster Anspannung hinter sich, und das macht sich bemerkbar. Weißt du, Eduardo, ich glaube, die Anwesenheit meiner Einheit ist wichtig, weil sie ein Faktor der Ruhe und Gelassenheit ist. Ich halte es für absolut erforderlich, daß ich der letzte bin, der hier rausgeht ... Es darf keine Opfer geben.«

Tatsächlich war die Guardia Civil im Parlament inzwischen alles andere als eine Kampftruppe. Willenlos, furchtsam, erschöpft, ohne Vertrauen in ihre Vorgesetzten und begierig, ein für allemal dieses verrückte Abenteuer zu beenden, hatte sich der energische und kampflustige Angreifertrupp in ein Häuflein Verwirrter verwandelt, die nichts weiter wollten, als daß dieser Alptraum endlich zu Ende ging.

Fuentes und Pardo Zancada kamen überein, ihre Abmachung schriftlich zu fixieren. Fuentes, der inzwischen drüben im Hotel Palace gewesen war, wo er General Aramburu die Bedingungen der Besatzer in großen Zügen skizziert hatte, griff nach einem Notizblock mit dem Aufdruck »Cortes« und begann zu schreiben. Links auf den Block schrieb er »Bedingungen«, dann ließ er den Freund reden.

Schließlich schrieb er auf seinen Block: »Kolonne der Panzerdivision als letzte raus, in Fahrtrichtung der Fahrzeuge (nicht San Jeronimo).« Dann schrieb er weiter: »Motorisierte Kolonne, Übergabe in El Pardo.« Und: »Keine Repressalien vom Leutnant abwärts.« Als letztes: »Keine Photographen. Ungestörter Abzug mit zwei Motorradfahrern vorweg.« Nun, dachte Fuentes, blieb nur noch Tejero ...

Tejero rief in Valencia an. »Der Generalkapitän ist nicht da.« Tejero schrie zurück, das könne er nicht glauben. Da antwortete ihm der Stellvertreter von Milans del Bosch: »In Valencia befolgen wir fest und treu die Befehle des Königs.«

»Aber ich will, ich muß mit General Milans reden«, erwiderte Tejero. »Du wirst mit Armada reden müssen«, entgegnete Milans'' Stellvertreter unbewegt und ohne die Angst seines Gesprächspartners zur Kenntnis zu nehmen: »Aber Milans muß hierherkommen, nicht Armada«, argumentierte Tejero. »General Milans wird nur nach Madrid gehen, wenn Seine Majestät der König es ihm befiehlt«, beendete Milans'' Stellvertreter das Gespräch.

Danach zog Tejero sich in ein Büro zurück. Mißtrauisch las er dort die Übergabebedingungen, die Fuentes und Pardo Zancada ausgearbeitet hatten. Er müsse das alles mit seinen Untergebenen besprechen, sagte er dann und verließ mit ihnen das Büro. Wenig später kamen sie wieder herein. »Einverstanden«, sagte Tejero. Aber dann fügte er plötzlich hinzu: »Ich habe die Cortes besetzt, ich werde auch der letzte sein, der sie verläßt. Außerdem bin ich dienstälter als du«, sagte er, zu Pardo Zancada gewandt.

Eduardo Fuentes empfand tiefes Unbehagen. Offenbar konzentrierte Tejero nun seine letzte Kraft auf diesen einen Punkt. Major Pardo Zancada seinereits wollte auch nicht nachgeben. Für ihn handelte es sich nicht um eine Frage der Ehre, des Dienstalters oder des Protokolls, sondern lediglich darum, daß alles so gut wie möglich endete, daß nicht ganz zum Schluß noch irgendein Wahnsinn passierte. Schließlich fand man eine salomonische Lösung: Sie würden beide als letzte rausgehen. Einer -- Tejero -- durch die Carrera de San Jeronimo und der andere durch die Calle Fernanflor.

Tejero verlangte außerdem, daß Fuentes drei Übergabebedingungen hinzufügen solle: daß Offiziere, die es wünschten, ins Ausland ausreisen könnten, daß alle ihre Strafe in Militärgefängnissen absitzen könnten und daß schließlich General Armada persönlich ins Parlamentsgebäude käme. Damit waren die Bedingungen für die Kapitulation also fixiert.

Um zwei Minuten nach zwölf Uhr mittags am 24. Februar kamen die ersten Abgeordneten aus dem Parlament. Tejeros letzte Geste der Überheblichkeit bestand darin, seine Männer in zwei Reihen aufzustellen, zwischen denen alle freigelassenen Abgeordneten hindurch mußten.

Ende

Die Hauptakteure des Putsches

Jose Maria Fernandez del Rio: Zivilgouverneur von Valencia.

Jaime Milans del Bosch y Usia: Generalleutnant und Generalkapitän der III. Militärregion (Valencia); inzwischen unter Arrest.

Francisco Laina Garcia: Chef der Generaldirektion für die Sicherheit des Staates.

Antonio Tejero Molina: Oberstleutnant der Guardia Civil; inzwischen unter Arrest.

Sabino Fernandez Campos: General, Generalsekretär des, Königlichen Stabes.

Alfonso Armada Comyn: Stellvertretender Stabschef des Heeres; inzwischen unter Arrest.

Jose Gabeiras: Stabschef des Heeres.

Jose Luis Aramburu Topete: General, Chef der Guardia Civil.

Jose Saenz de Santamaria: General, Chef der Nationalen Polizei.

Mariano Nicolas: Zivilgouverneur von Madrid.

Ricardo Pardo Zancada: Major und Chef der II. Sektion des Stabes der 1. Madrider Panzerdivision (Division Acorazada) Brunete; inzwischen unter Arrest.

S.115

Gegen acht Uhr morgens werden die Besetzer in eine moralische Krise

geraten. Nach Prüfung der Heterogenität der verschiedenen Einheiten

der Guardia Civil einschließlich ihrer Offiziere sind wir zu dem

Schluß gekommen, daß die Krise unweigerlich gegen acht Uhr morgens

auftreten wird, wenn sich nach Abklingen des Siegesgefühls Müdigkeit

und der Eindruck der Isolation einstellen.

Die moralische Krise könnte bei einigen der Beteiligten gefährlich

werden. In den meisten Fällen wird sie zwar in Passivität

umschlagen, aber in einzelnen Fällen kann sie in gewalttätige,

verzweifelte und gefährliche Unbesonnenheit ausbrechen. Es wäre

ratsam, den Parlamentsbesetzern im Laufe der Nacht Informationen

zuzuspielen, die ihnen beweisen, daß sie isoliert und allein

geblieben sind.

*

S.123

1. Ich versichere noch einmal meine Entschlossenheit, die

verfassungsmäßige Ordnung innerhalb der bestehenden Rechtsordnung

aufrechtzuerhalten; nach dieser Mitteilung kann ich nicht mehr

zurück.

2. Ein Staatsstreich kann nicht im Namen des Königs stattfinden, er

richtet sich vielmehr gegen den König.

3. Ich bin heute entschlossener als je, meinen Fahneneid ganz bewußt

und einzig und allein im Gedanken an Spanien zu erfüllen; ich

befehle dir also, daß du alle Einheiten, die du hast ausrücken

lassen, zurückbeorderst.

4. Ich befehle dir, daß du Tejero anweist aufzugeben.

5. Ich schwöre, daß ich weder abdanken noch Spanien verlassen werde;

wer sich erhebt, geht das Risiko eines Bürgerkrieges ein, für den er

dann verantwortlich wäre.

6. Ich bezweifle nicht die Vaterlandsliebe meiner Generale; um

Spaniens willen und auch um der Krone willen befehle ich dir, daß du

meine Anweisungen ausführst.

*

S.115Nach dem Putschversuch mit König Juan Carlos und Königin Sofia.*S.119Während des Spanischen Bürgerkrieges eroberten die republikanischenTruppen eine neun Monate lang von 250 Mann der Guardia Civil undihren Familien sowie 100 Falangisten und 1000 Zivilisten gehalteneBastion beim Schrein von Santa Maria de la Cabeza, in der Nähe vonCordoba. Die Eroberung endete in einem Blutbad.*S.121Rechts mit Lackhut: Oberstleutnant Tejero.*

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