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Briefe

»Völkischer Charakter«
aus DER SPIEGEL 38/1992

»Völkischer Charakter«

(Nr. 36/1992, SPIEGEL-Titel: Rostock: Randale gegen die Republik)

Eine Ursache des wachsenden, in Gewalt gipfelnden Frusts im Osten Deutschlands ist die Erkenntnis, daß Wünsche, die sich viele Menschen im einigen Deutschland leicht erfüllen glaubten zu können, Träume bleiben werden. *UNTERSCHRIFT: Rostock TOM TOMENENDAL

Nach den lichterlohen Nächten und pogromähnlichen Ausschreitungen in Rostock und sonstwo im vereinigten Deutschland fühlen sich alle Ausländer nicht anglosächsisch-nordamerikanischen Menschentypus geistig und seelisch verbrannt. Mag sein, daß diese Skinheads eine sozial und politisch noch kleine Gruppe sind, aber die für deren Untaten klatschende und johlende Volksmenge verleiht dem Ganzen einen gewissen »völkischen Charakter«. *UNTERSCHRIFT: Burgbrohl (Rhld.-Pf.) DR. MED. F. EL-RADHI

Ich glaube, Menschen, die aus dem Krieg flüchten, oder wirklich Verfolgte benehmen sich nicht so wie die Zigeuner in Rostock. Mit meiner beschränkten Sichtweise möchte ich auch behaupten, daß die Politiker der großen Parteien den Bezug zur Realität verloren haben. Demokratie ist ein nicht unkomplizierter Prozeß, viele Ossis müssen erst lernen, mit Demokratie umzugehen. Von wem? *UNTERSCHRIFT: Rostock MARC WEBER

Lähmendes Entsetzen ergreift mich, wenn ich täglich die Bilder aus diesem »neuen Deutschland« sehe! Meine Familie hat hier keine Zukunft - wir gehen. *UNTERSCHRIFT: Dieburg (Hessen) ROXLAU PEDROSO CAVALCANTI

Als Ausländer bin ich voller Bewunderung! Wohl dem Staat, dessen Politiker so logisch demokratisch handeln: Warum sich ein Bein für den Schutz der Ausländer ausreißen? Sie sind zwar nützliche politische Schlachtmasse und Steuerzahler, aber nun mal keine Wähler! Glückwunsch, Deutschland! *UNTERSCHRIFT: Heidelberg MICHAEL MWA ALLIMADI

In beiden Teilen Deutschlands haben ausländische Arbeitnehmer beim Aufbau der Wirtschaft geholfen. Auch nach der Wiedervereinigung haben sie alle ihren Beitrag geleistet. Allein die türkische Minderheit hat innerhalb eines Jahres im Rahmen der Solidaritätsabgaben über 417 Millionen Mark für die neuen Bundesländer bezahlt. Eine Aufklärungskampagne in den neuen Bundesländern über Asylproblematik und Ausländer ist unerläßlich. *UNTERSCHRIFT: Essen PROF. DR. FARUK SEN Direktor des Zentrums für Türkeistudien, Institut an der Universität/GH Essen

Die Schande liegt darin, daß sich die vox populi des Mundes von Verbrechern bedienen muß, um überhaupt Gehör zu finden, Herr Bundeskanzler! *UNTERSCHRIFT: Geisenheim-Johannisberg (Hessen) DR. HILDEGARD ENGEL

Unser sogenannter Rechtsstaat hat wieder einmal jämmerlich versagt. *UNTERSCHRIFT: München ST. JERZY WASNER

Jetzt müssen unsere Politiker alles Geschwätz sein lassen und sofort Abhilfe schaffen. *UNTERSCHRIFT: Rastede/Lehmden (Nieders.) HELENA STAHMER

In der Bundesrepublik gab es schon immer Rechtsradikale. Anscheinend hat aber erst die vielgepriesene deutsche Einheit das wahre rechte Potential freigesetzt. *UNTERSCHRIFT: Wiesbaden WALTRAUD GESCHKE

Die Demonstranten haben lediglich die falsche Zielgruppe gewählt - Bonn wäre die richtige Adresse gewesen! *UNTERSCHRIFT: Brombachtal (Hessen) WALTER MÖSER

Wo, bitte - kann ich meine Staatsbürgerschaft abgeben? *UNTERSCHRIFT: Osnabrück JÜRGEN MISCHOK

Wer die Berichte über die Rostocker Randale mitverfolgt hat, wird sicher eine tiefe Scham empfunden haben, daß so etwas schon wieder möglich ist. *UNTERSCHRIFT: München PETER MEINCK

Das waren keine »Krawalle«, war kein »Bandentourismus«. Das ist ein Jugendaufstand, in dem die Politiker- und Systemverachtung explosiv zum Ausdruck kommt. *UNTERSCHRIFT: Furth i. Wald (Bayern) WOLFGANG STRAUSS

Wo steht geschrieben, daß die Menschen, die hier arbeiten und Steuern zahlen, auch für Hunderttausende, völlig fremden Kulturkreisen angehörende Menschen aufzukommen haben? *UNTERSCHRIFT: Berlin IRENE BURGER

Man hat verdammt noch mal das Recht, gegen kriminelle Asylbewerber zu sein, ohne daß man gleich ein Nazi ist. *UNTERSCHRIFT: Hamburg HOLGER WEGNER

Ich beklage, daß sich viele unserer ausländischen Gäste nicht als Gäste benehmen. Ist denn niemand da, der diese Menschen über unseren Kulturkreis aufklärt? *UNTERSCHRIFT: Sarstedt (Nieders.) WALTER FELGNER

Glaubt denn wirklich ein Rostocker Einwohner, daß ein seriöser Unternehmer in einer Region mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen sowie einer latent kriminellen und extrem gewaltbereiten und -tätigen Bevölkerung investiert? Soviel zum Thema Rostocker und Intelligenz. *UNTERSCHRIFT: Bielefeld U. ZINKE

Mein Lösungsvorschlag zum Schutze ausländischer Mitbürger in unserer Republik lautet nicht »Ändert das Grundgesetz«, denn ich halte das Asylrecht für eine große Errungenschaft, sondern: »Baut mehr Fußballstadien - stockt die Bundesliga auf!« *UNTERSCHRIFT: Essen INGO FENDER

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