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Briefe

Völlig transparent und demokratisch
aus DER SPIEGEL 12/2007

Völlig transparent und demokratisch

Nr. 10/2007, Zahlungsmittel: In 22 deutschen Regionen sind eigene Währungen im Umlauf

Ihr Artikel über Regionalwährungen gibt leider nicht den einfachen Sinn und die verschiedenen Vorzüge dieses Systems wieder. Es handelt sich darum, kleine Geldkreisläufe anzubieten, die die regionale Wirtschaft und Kultur fördern, und zwar völlig freiwillig! Es ist ein System von Bürgern und für Bürger, das völlig transparent und demokratisch ist. Es ist selbstverständlich, dass in Pionierphasen nicht alle genauso funktionieren, denn es haben nicht alle die gleiche Struktur.

BERLIN MATHIS LOHL

Es ist mehr als ärgerlich, wie hier Menschen madig gemacht werden, die sich ernsthaft auseinandersetzen und versuchen, eine Komplementärwährung in Gang zu setzen. Sie bezeichnen dies als Alternativwährung, was nicht das Gleiche ist. Die Komplementärwährungen wollen den Euro nicht ersetzen, sondern ergänzen.

KARLSBAD (BAD-WÜRTT.) ERICH KANZLER

Ich stelle in meinem Familienbetrieb Handwebteppiche her. Seitdem ich den Chiemgauer akzeptiere, stelle ich immer öfter fest, dass Kunden auch dadurch auf meinen Betrieb aufmerksam werden. Und der Verbraucher erkennt dabei durchaus auch die soziale Komponente an.

STEPHANSKIRCHEN (BAYERN) ALFRED LICHT

Erfreulich ist, dass immer mehr Kunden in meinem Unternehmen ihre Chiemgauer ausgeben und nicht zu einem globalen Discount-Anbieter gehen. Dies sichert die Arbeitsplätze, und die zusätzlich erwirtschafteten Gewinne lasse ich in die Region zurückfließen. Warum dies von Herrn Rösl als »Sozialromantik« bezeichnet wird, ist mir schleierhaft. Mein strukturiertes Denken findet beim Kassensturz statt: neue Kunden gewonnen, keine hohen Marketingkosten, mehr Umsatz.

ROSENHEIM (BAYERN) ANDREAS STÜRZL

»Sozialromantik von Leuten, die nicht strukturiert denken«. Bei uns in Ahrensburg heißt die Währung Schimmerling. Es ist ein Kreditsystem auf Gegenseitigkeit für diejenigen, die ihre Euro für die Rente sparen oder für eine Mahlzeit ausgeben. Wir würden gern noch mehr Euro verdienen und ausgeben, haben aber statt Lohn nur Zeit, weil die ausgegebenen Euro oft dorthin wandern, wo sie sich am meisten rentieren, und manchmal ist das nicht bei uns. Also tauschen wir, was wir haben: Bildung, Kinderbetreuung, Leihwagen et cetera. Manche nennen es Schwarzarbeit, wir nennen es Nachbarschaftshilfe. Das Tauschmittel gibt dieser Hilfe Struktur.

AHRENSBURG (SCHL.-HOLST.) BERND ROHDE

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