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Großbritannien Vom Kämpfer zum Klempner

aus DER SPIEGEL 2/1995

Sie gelten als Ikonen übermenschlicher Tapferkeit, einzigartig in der Bewältigung von Angst und Schmerz auf dem Schlachtfeld: nepalesische Gurkha-Soldaten, die seit Anfang des vorigen Jahrhunderts für die britische Krone kämpfen. Die legendären asiatischen Krieger machten zuletzt während des Falklandkriegs von sich reden, wo sie mit kaltblütiger Entschlossenheit den Widerstand der Argentinier brachen. Doch der Mythos vom unerschrockenen Soldaten aus dem Himalaja-Land sei verfälscht, behauptet der Historiker und Anthropologe Pratyoush Onta. In Briefen aus dem Ersten Weltkrieg, von der britischen Armee konfisziert und erst jetzt freigegeben, bekennen Gurkhas ihre Todesängste und beklagen die Rassendiskriminierung in der Truppe: »Wenn die Brigade zur Attacke ansetzte, mußten wir in die erste Reihe. Dahinter erst folgten die Weißen. Nach unseren Toten hat sich keiner erkundigt.« Nicht nur das Image bröckelt, auch die Mannschaftsstärke: Während im Zweiten Weltkrieg noch 45 Gurkha-Bataillone dienten, sind es derzeit nur noch 5000 Mann; bis 1996 wird die Zahl aus Kostengründen noch einmal auf 2500 halbiert. Die ausgemusterten Söldner werden umgeschult - zu Klempnern, Elektrikern und EDV-Experten.

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